35 Jahre Minidisk: Und plötzlich war sie weg
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Erinnert sich noch jemand an die Minidisc? Nein? Kein Problem, denn wir erinnern. Das Medium wird dieser Tage 35 Jahre alt: Am 16. Mai 1991 kündigte Sony bei der CES die Minidisc erstmals an(öffnet im neuen Fenster): Als Medium, das "die Klangqualität, den schnellen Direktzugriff und die Langlebigkeit optischer Medien mit der Mobilität und Stoßfestigkeit magnetischer Kassetten verbindet". Die ersten Player und Medien sollten 1992 auf den Markt kommen.
Wer sich damals bei dieser Meldung nicht gefreut hat, hatte nichts mit Musik am Hut. Denn wer seinerzeit mobil Musik hören wollte, musste entweder mit wackligen, stoßempfindlichen und batteriefressenden mobilen CD-Playern hantieren oder in langwierigen Sitzungen vor der Stereoanlage Musik von CD und Schallplatte auf anfällige und rauschige Audio-Kassetten überspielen.
Der Rucksack war dann gefüllt mit Audio-Kassetten, und wer ein Lied zweimal hören wollte, musste spulen und die anfällige Walkman-Technik übermäßig beanspruchen. Die versagte dann stets als finaler Bandsalat im Urlaub – genau dann, wenn Ersatz schwer zu beschaffen war.
Die kompakte und robuste Minidisc im 2,5-Zoll-Format – im Grunde eine magneto-optische Disk im stabilen Plastikgehäuse – sollte all dem ein Ende machen: Sony versprach vorbespielte Discs, hohe Audio-Qualität, komfortable Titelwahl, schnelles Neubespielen mit einzelnen Tracks, also alle Vorteile der CD, der Audio-Kassette und ihrer wenig erfolgreichen Nachfolger DAT und DCC in einem. Im Grunde also das perfekte Medium für die Zeit – wenn da nicht Sony gewesen wäre.
Sony wollte die Kontrolle behalten – und versemmelte den Marktstart
Der japanische Elektro-Konzern Sony verhielt sich in Sachen Minidisc nämlich ähnlich restriktiv wie später Apple mit seinem iPod-Ökosystem. Mit dem Unterschied, dass dieses Geschäftsmodell seinerzeit nicht aufging und Sony falsch machte, was man nur falsch machen konnte.
Während die flexiblen japanischen Elektronikkonzerne wie Sony in den 1960er und 1970er Jahren mit Philips kostenlose Lizenzen ausgehandelt und so maßgeblich zum Erfolg von Philips Kompaktkassette (1963) beigetragen hatten, wollte Sony bei der Minidisc zunächst allein die Kontrolle behalten – und das war in einem bereits mit einfachen und günstigen Technologien gesättigten Markt fatal.
Die Hybris, anscheinend den perfekten Nachfolger für CD und MC gefunden zu haben, schien den Managern am Firmensitz in Tokio zu Kopf gestiegen zu sein. Ein so tolles Produkt – da spielte es doch keine Rolle, wenn man den ersten Player astronomisch einpreiste, vorbespielte Medien nicht rechtzeitig lieferte und obendrein weitestgehend das wichtige Weihnachtsgeschäft 1992 in den USA und Europa verpasste.