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Sony öffnet die Minidisc, allerdings zu spät

Sony bemühte sich sehr, der Minidisc noch zum Erfolg zu verhelfen: Lizenzen an andere Elektronikkonzerne wurden vergeben, namhafte Audio-Firmen von A wie Aiwa bis Y wie Yamaha produzierten immer neue, immer kompaktere und funktionalere mobile Minidisc-Player.

Um die Jahrtausendwende hatte die Minidisc zudem enorme Akkulaufzeiten. Player hielten teilweise mit einer AAA-Zelle zehn oder mehr Stunden aus, Geräte mit größerem Akkufach und Lithium-Ionen-Akkus kamen auf bis zu 30 Stunden. Viele dieser Geräte besaßen eine Aufnahmefunktion, und weil auch Unternehmen wie Marantz und Tascam die Technik aufgriffen, sah es kurz so aus, als würde die Minidisc in der professionellen Radioproduktion nachhaltig einen Fuß in die Tür bekommen. Was gut gewesen wäre, denn für die professionelle Audioaufzeichnung war das Format mangels Audioqualität nie sonderlich gut zu gebrauchen.

Sony setzt auf Daten-Minidiscs

Dabei hatte die Minidisc Potenzial auch als Daten-Medium: Schon Anfang der 1990er Jahre war die gute, alte 3,5''-Diskette mit 1,44 Megabyte Fassungsvermögen am Computer überholt, weshalb Sony schon 1993 entschied, die Minidisc auch als Datenträger zu verkaufen. Die heute fast vergessene MD Data(öffnet im neuen Fenster) war nicht nur einer der ersten potenziellen Disketten-Nachfolger auf dem Markt, sondern kam mit 140 Megabyte Fassungsvermögen, also dem Hundertfachen einer normalen Diskette, auch zur richtigen Zeit: CD-Brenner waren zwar bereits verfügbar, aber noch absolut unerschwinglich. Technologien wie Iomegas ZIP-Drive (100 MB, 1994) oder Imations Superdisk (120 MB, 1996) ließen noch auf sich warten.

Einzig: Sony verfolgte den Ansatz auf unnötig komplizierte Weise: Die Daten-MDs unterschieden sich technisch leicht von den Audio-MDs und waren deutlich teurer. Die intuitive Logik wie seinerzeit beim Heimcomputer, dass Audio-Kassetten eben auch als Datasetten eingesetzt werden konnten, versagte hier deshalb. Sony lizenzierte das Format nicht, sondern setzte es vor allem in Laufwerken und hauseigenen frühen Digitalkameras und Camcordern ein.

Schon 1996 fragte die renommierte PC-World deshalb(öffnet im neuen Fenster), ob Sonys 140MB Minidisc-Drive der neue Betamax sei: technisch den Mitbewerbern Superdisk, ZIP und nicht zuletzt digitalen MiniDV-Bändern deutlich überlegen, aber schlicht zu teuer.

Sony ließ sich davon nicht aufhalten: Mit MD Data2 machte das Unternehmen Ende der 1990er Jahre einen neuen Anlauf – und erhöhte die Kapazität auf sage und schreibe 650 MB. Damit hätte die Daten-MD eine gute, robuste und wiederbeschreibbare Alternative zu den aufkommenden CD-Brennern sein können. Wenn Sony nicht wieder einmal versäumt hätte, den Standard zu öffnen.

Und selbst dann wäre es schwierig geworden. Die MD Data2 wurde nur in einem Gerät verbaut, dem Camcorder DCM-M1, der, wie sollte es anders sein, 1999 wieder einmal zu spät zum Weihnachtsgeschäft(öffnet im neuen Fenster) erschien.


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