Superteure Aufnahme- und Abspielgeräte – und kaum Medien
Der legendäre Sony MZ-1, erschienen in Japan im November 1992, in den USA und Europa sogar erst im Dezember, war als erstes Minidisc-Gerät zwar grundsätzlich ein guter Einstieg: Der MZ-1 erlaubte die Aufnahme von Minidiscs und war mobiles Abspielgerät. Allerdings war er technisch extrem kompliziert (PDF)(öffnet im neuen Fenster), mit vielen Knöpfen, dickem Netzteil und schwacher Batterielaufzeit.
Die erlaubte im Idealfall gerade einmal rund eine Stunde Wiedergabe: Das reichte im besten Fall für zweimal Mariah Carey bei MTV Unplugged (28:45 Minuten) oder zwei Drittel von Michael Jacksons Album Dangerous, beides die ersten vorbespielte MDs am Markt. So man das denn aushielt.
Sony hatte trotzdem die Chuzpe, diese fast 700 Gramm schwere Machbarkeitsstudie im Format mehrerer gestapelter CD-Hüllen(öffnet im neuen Fenster) als "Walkman" zu bezeichnen. Hinzu kam: Beim zu späten Marktstart war der MZ-1 mit 1.199 DM eingepreist. Das wären nach heutiger Kaufkraft rund 1.100 Euro – viel zu viel für das Budget von Schülern und Studenten, die damals, wie heute, die Hauptzielgruppe für mobile Abspielgeräte waren. Obendrein kosteten leere Discs zunächst rund 10 DM.
Zum Vergleich: Anfang der 1990er waren gute Walkman- und Discman-Geräte mit Kassette oder CD – von Sony wie von Drittanbietern wie Aiwa oder Panasonic – für deutlich unter 300 Mark zu haben. Und die waren obendrein deutlich kompakter. Kurzum: Es gab Ende 1992 nicht viele Gründe, zu einer neuen, noch unbewährten und teuren Technik wie dem Minidisc-Player zu greifen – und so lagen die MZ-1 wie Blei in den Regalen.
Die große Zeit der Minidisc war Mitte der 1990er
Dennoch hatte die Minidisc ihre Vorteile, insbesondere im Heim-Audio-Bereich. Sony lieferte ab 1993 nicht nur schlankere mobile Player, sondern vor allem auch Minidisk-Player als Stereoanlagen-Elemente, allesamt deutlich günstiger als das erste Modell. Schnell stellte sich heraus, dass niemand vorbespielte MDs kaufen wollte: Zwar gab es über die Jahre eine Reihe von Releases(öffnet im neuen Fenster), doch wer seinerzeit durch die Regale der großen Plattenläden stöberte, fand bestenfalls eine kleine Ecke mit Minidisc-Alben.
Und das hatte seine Gründe: Die normale CD war flexibler und bot die volle Audio-Qualität, während die Minidisc aufgrund der Technik und Größe an dieser Stelle Kompromisse machen musste: Sonys ATRAC-Codec griff Technologien wie MP3 und AAC vor, filterte unnütze Frequenzen zur Kompression und konnte so den Datenumfang auf dem kleineren Medium reduzieren.
Der Preis war wie bei heutigen Kompressionsverfahren eine geringere Klangqualität, die aber nur bei Nutzung höherer Kompression zur Laufzeitverlängerung wirklich auffiel. Das war ideal für Kopien und mobile Player – aber schlecht für die heimische Musiksammlung.
Mit günstigeren Recordern und Playern kopierten Musik-Enthusiasten ihre Platten nun lieber auf Minidisc statt auf Kassette. Das war komfortabler und im Vergleich zur Audio-Kassette auch qualitativ ein deutlicher Vorteil.
Allerdings musste man sich das leisten können: Während Mitte der 1990er mobile Kassetten-Player bereits beim Discounter auftauchten und Kassetten in Stereoanlagen und im Car-Hifi allgegenwärtig waren, mussten MD-Enthusiasten oft in ihrer kleinen, teuren Welt bleiben – oder eine ganze Phalanx an Kassetten- und Kabel-Adaptern am Mobilplayer mitschleppen. Wie gesagt: Der Vergleich zu Apple heutzutage ist nicht ganz von der Hand zu weisen.