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35 Jahre Battle Isle: Dieser Hexfeld-Klassiker hat Blue Byte großgemacht

Mit Passwort als Kopierschutz: Der Klassiker Battle Isle von Blue Byte zeigt, welche Tiefe schon früh in der Rundenstrategie steckte.
/ Olaf Bleich und Benedikt Plass-Fleßenkämper
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Screenshot aus dem Intro von Battle Isle (Bild: Ubisoft Blue Byte)
Screenshot aus dem Intro von Battle Isle Bild: Ubisoft Blue Byte

Wer in den Anfangszeiten der Computer- und Videospiele aufgewachsen ist, musste sich mit ungewöhnlichen Methoden behelfen. Meine Erinnerung an das rundenbasierte Strategiespiel Battle Isle von Blue Byte zeigt den Erfindergeist, der damals nötig war.

Damit wir im Splitscreen-Modus nicht voneinander abgucken konnten, nagelten wir kurzerhand eine Decke an die Dachschräge meines Kinderzimmers und bastelten uns einen Sichtschutz für das taktische Verschieben der Einheiten. So musste man sich eben zu helfen wissen!

Was ich seinerzeit jedoch nicht wusste, ist, dass sich Blue Byte für Battle Isle vom japanischen PC-Engine-Klassiker Nectaris(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 1989 inspirieren ließ. Die Entwickler übernahmen beispielsweise die Hexfeld-Aufteilung des Spielfelds und die vorherrschende Brettspielästhetik.

Als Battle Isle 1991 für MS-Dos und Amiga auf den Markt kam, etablierte sich das Düsseldorfer Studio mit diesem Erfolg endgültig als Top-Adresse und zeigte nebenbei auch, dass Strategiespiele kommerziell erfolgreich sein können.

Bei der deutschen Presse kam Battle Isle seinerzeit ausgesprochen gut weg. Carsten Borgmeier vergab im Amiga Joker 10/91 91 von 100 Prozentpunkten(öffnet im neuen Fenster) und sprach gar von einem "strategischen Geniestreich".

Hans Ippisch von der Playtime verlieh Blue Bytes Meisterwerk das Prädikat "Super Hit" sowie 90 von 100 Prozentpunkten(öffnet im neuen Fenster). Dabei hob er insbesondere die Langzeitmotivation hervor: "Bis man das Spiel ganz kennengelernt hat und sich als Experte bezeichnen kann, vergehen viele viele Wochen."

Und selbst die kritische Power Play war begeistert: "Für Stategiefans ist Battle Isle ein Geschenk des Himmels: Auf dem Amiga gab's bisher kein dermaßen ausgefeiltes und durchgestyltes Spiel im Tabletop-Look", schwärmte Winnie Forster in Ausgabe 10/91(öffnet im neuen Fenster) und zückte 85 Punkte plus das Power-Play-Prädikat "Besonders empfehlenswert".

Mit Passwortschutz und Handbuchzwang

Die Platinum Edition von Battle Isle ist heute bei Gog für 10 Euro(öffnet im neuen Fenster) erhältlich. Wer das Spiel zum ersten Mal startet, wird sich allerdings wundern: Standardmäßig beginnt Battle Isle nämlich im Mehrspielermodus Mensch gegen Mensch.

Um die Singleplayer-Kampagne zu starten, benötigt man das separate Passwort "CONRA". Früher fand man dieses im beiliegenden Handbuch, heute ist es in der digitalen Beschreibung oder im Netz zu finden. Das wirkt zwar ungewöhnlich, ist aber ein Relikt früherer Kopierschutzmaßnahmen.

Ähnlich kauzig präsentierte Blue Byte übrigens auch die Hintergrundgeschichte. Das Intro wirkt zunächst verwirrend, bleibt aber im Gedächtnis haften. Das hübsche Filmchen, unterlegt mit Musik von Chris Hülsbeck, beamt mich einerseits auf den Planeten Chromos.

Dort tagt der Rat der Weisen und verkündet, dass ein neuer Stratege gefunden und schnellstmöglich hergebracht werden soll. Dann geht es auf die Erde, wo Walter Harris gerade nach Hause kommt und eine Partie Battle Isle spielen möchte.

Und dann startet das Spiel! Wer die Hintergründe verstehen möchte, muss jedoch zum 48-seitigen Begleitheft greifen. Darin wird der Konflikt zwischen den Drullianern und der außer Kontrolle geratenen KI Skynet erklärt.

Rot gegen Gelb

Im Nachfolger Battle Isle 2 (1994) wurde Skynet in Titan-Net umbenannt – möglicherweise, weil die Parallelen zu Terminator zu offensichtlich waren. Im Spiel selbst bleiben diese Hintergründe jedoch weitgehend unerwähnt. Eine Speicherfunktion ist in Battle Isle ebenfalls nicht vorhanden: Nach jeder gewonnenen Schlacht gibt es lediglich ein Passwort für die nächste Karte.

Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern wurde Battle Isle stark auf den Mehrspielerbetrieb ausgelegt. Selbst wenn ich gegen den Computer spiele, beobachte ich die Kampfgebiete auf dem geteilten Bildschirm.

Battle Isle: Joystick-Steuerung und Fazit

Es treten immer die gleichen Parteien gegeneinander an, nämlich die rote und die gelbe Armee. Spieler 1 befindet sich stets links, Spieler 2 oder der Computer rechts.

Battle Isle ist zwar grundsätzlich ein rundenbasiertes Spiel, hat aber einen wichtigen Twist. Denn ich kann nicht in einer Runde angreifen und meine Einheiten bewegen.

Stattdessen sind Angriffs- und Bewegungsmodus zwei separate Funktionen, die ich auch stets per Tastenbefehl einläuten muss. Der Spielablauf ist dadurch vergleichbar mit klassischen Brettspielen oder auch Schach.

Auch wenn Battle Isle in einem Science-Fiction-Setting spielt, erinnern die Karten eher an die Erde: Wälder, Flüsse, Straßen. Besonders hübsch ist das Ganze nicht. Die Darstellung wirkt funktional statt detailverliebt. Auch die 19 Einheiten sind eher grob gezeichnet, wodurch sie aber klar voneinander unterscheidbar bleiben.

Ein Schwachpunkt sind die Gefechte selbst. Sie werden in sehr kurzen Sequenzen dargestellt. In Sekundenschnelle beobachten wir, wie unsere Einheiten kämpfen und dann entweder verschwinden oder eben stehen bleiben. Die zugrunde liegenden Berechnungen bleiben intransparent. Wer also auf Hitpoint-Anzeigen oder Ähnliches hofft, wird enttäuscht.

Das funktioniert noch ganz ordentlich!

Die Steuerung war ursprünglich für den Joystick ausgelegt und ist heute mit Maus und Tastatur etwas fummelig. Mit einem Klick wähle ich eine Einheit aus, bestimme dann mit den Richtungstasten die Aktion und führe sie im Anschluss aus. Das wirkt zunächst umständlich, funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungszeit aber zuverlässig.

Auch wenn mich Battle Isle an Schach erinnert, so finden sich hier viele Spielideen, die es im Genre noch heute gibt. So gewinne ich beispielsweise, indem ich alle Einheiten meines Gegners zerstöre oder dessen Basis einnehme.

Meine eigenen Truppen kann ich reparieren oder auf bestimmten Karten sogar rekrutieren. Bemerkenswert ist die Vielfalt: Land-, See- und Lufteinheiten verfügen über unterschiedliche Stärken und Schwächen. Sogar Truppentransporter sind dabei.

Für den Sieg ist weniger der einzelne Angriff entscheidend als die Positionierung. Wenn ich etwa feindliche Trupps einkreise, gewinnen dadurch umstehende Verbände an Durchschlagskraft hinzu.

Auch das Terrain hat Einfluss auf die Angriffsstärke. Dies zeigt, wie durchdacht das Design bereits Anfang der 1990er Jahre war – und warum es noch heute funktioniert.

Fazit: Ein bisschen verschroben, aber spaßig

35 Jahre nach seinem Erscheinen spielt sich Battle Isle ungewohnt, aber auf gute Weise. Gerade die im Vergleich zu aktuellen Rundenstrategiespielen wie Civilization 7 andersartige Dynamik, die durch Angriffs- und Bewegungsrunden bedingt ist, sorgt hier für Abwechslung.

Dass das Spiel kaum etwas erklärt, ist dem Alter geschuldet. Auch wenn der Titel viele noch heute gültige Mechanismen aufgreift, musste ich mich in den ersten Stunden ein wenig durchbeißen.

Dennoch bleibt der Strategieklassiker gut lesbar und nachvollziehbar. Trotz seiner technischen und spielerischen Eigenheiten kann ich Battle Isle auch heute noch empfehlen, gerade wegen seiner ungewöhnlichen und eigenständigen Ideen.


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