30 Jahre Worms: Wurmkur mit Bazooka-Beigeschmack
Ist das wirklich schon 30 Jahre her? Bis heute gilt Worms des britischen Studios Team 17 aus dem Jahr 1995 als zeitloser Klassiker. Die Serie wurde in über 20 Nachfolgern und Spin-offs geradezu totgeritten und taucht daher zumeist im Zusammenhang mit verklärten Erinnerungen an die eigene Gaming-Vergangenheit auf.
Worms war ein Multiplayer-Kracher: sarkastisch, dynamisch und vor allem anders. Wenn sich Trupps von Würmern auf 2D-Schlachtfeldern bekriegten und dabei mit Schrotflinten, explodierenden Schafen und Dynamit aufeinander losgingen, dann wurde der Computer zur Kriegszone – Trash-Talk inklusive. Worms ist Kult, allerdings umstritten.
Max Magenauer jubilierte seinerzeit im Amiga Joker(öffnet im neuen Fenster) und vergab 88 Prozentpunkte. In seinem Bericht feierte er Worms nicht nur als eines der "spielbarsten, innovativsten und überhaupt gelungensten Spiele der letzten Zeit" , sondern lobte nebenbei auch exklusive Funktionen für den Commodore Amiga.
Gemeint waren das Erstellen von Levels anhand von Zahlencodes oder die Mitnahme unverbrauchter Waffen in die nächste Spielrunde. Hans Ippisch von Amiga Games(öffnet im neuen Fenster) ging einen Schritt weiter und bewertete Worms mit 94 Prozent. Sein Fazit: "Seit Lemmings hat mich ein Spiel nicht mehr so gefesselt."
Heinrich Lenhardt von PC Player(öffnet im neuen Fenster) konnte die Begeisterung hingegen nicht teilen. Das Spielekritiker-Urgestein schlussfolgerte messerscharf: "So manierlich Humor und Spielbarkeit sein mögen – der ganz große Wurf ist Worms nicht geworden. Der Idee fehlt der letzte Genialitäts-Feinschliff und Solo-Partien sind auf Dauer zu öde."
Damit kam Lenhardt auf gerade einmal 69 von 100 Punkten – gab aber zu, dass Mehrspielerfreunde fünf bis zehn Punkte draufpacken könnten.
Höchstens ein Stündchen im Solomodus
30 Jahre klüger kann ich beide Seiten nachvollziehen. Ich würde lügen, würde ich behaupten, jemals länger als ein Stündchen Worms im Solomodus gespielt zu haben. Das Gesamturteil hängt von der Gewichtung des Mehrspielererlebnisses ab – eine Problematik, der sich die Spielefachpresse bis heute immer wieder stellen muss.

Wer Worms noch einmal ausprobieren möchte, findet das Spiel problemlos und für wenige Euro auf Steam(öffnet im neuen Fenster) . Die DOSBox-Umsetzung funktioniert, zickte in der Wiederspielrunde aber gelegentlich bei der Darstellung auf modernen Grafikkarten und 4K-Monitoren. Spielbar war Worms dennoch jederzeit.
Noch mal von vorn: Was ist Worms überhaupt?
Der Witz der 90er
Worms ist ein 2D-Taktikspiel. Wie der Name verrät, stehen sich darin Würmer gegenüber. Genauer gesagt, geht es mit bis zu vier Teams und jeweils bis zu vier Tierchen zur Sache.
Rundenweise bewege ich meine Würmer über die Karte, attackiere meine Feinde und springe über Hindernisse. Neben dem breiten Waffenarsenal, auf das ich später noch eingehe, gibt es allerlei Werkzeuge zur schnelleren Fortbewegung.
Ich kann mich mit einem Kletterhaken durch die Gegend schwingen oder mich in Star-Trek-Manier an mein Ziel teleportieren. Versorgungslieferungen bringen Extraleben oder Bonuswaffen ins Spiel.
Es gibt weder eine Kampagne noch ein Tutorial. Stattdessen stürze ich mich direkt in die mir noch aus Schulzeiten bekannten Routinen. Der erste Schritt führt mich aber nicht auf das virtuelle Schlachtfeld, sondern in den rudimentären Team-Editor. Hier passe ich die Teamnamen und die Namen meiner Schützlinge an.
Schöner Pixelhumor
Egal, ob Lieblingsmusiker, Sportler, Familie oder Freunde – damals wie heute war niemand vor meiner Kreativität sicher. Dieser Aspekt sorgt zusammen mit dem Gameplay für einen unterschwelligen Humor, etwa wenn Ozzy Osbourne (R.I.P.) den Fußballweltmeister Lothar Matthäus mit einer Handgranate von der Klippe ballert.
Zugegeben, aus heutiger Sicht wünsche ich mir mehr Anpassungsmöglichkeiten, vor allem visuell. Die Würmer unterscheiden sich nämlich nicht voneinander.
Der Pixelhumor gefällt mir weiterhin besser: Ein Wurm, der seine Schrotflinte durchlädt, um damit sein Gegenüber zu malträtieren? Ist per se witzig. Hinzu kommen viele kleine Spielereien.
Bei großen Stürzen bleiben die Viecher mit dem Kopf im Boden stecken und müssen sich erst befreien. Nach Treffern schwören sie mit ihrer Piepsstimme blutige Rache. Worms wirkt hier wie eine Mischung aus Lemmings und Cannon Fodder.
Ran an die Waffen!
Das Ziel in Worms ist simpel: Eliminiere alle Mitglieder der gegnerischen Teams! Das kann auf verschiedene Weise geschehen: Ich kann sie ihrer Lebensenergie berauben, sie aus dem sichtbaren Bildschirmbereich schubsen oder im Wasser versenken.
Supertreffsichere Computerwürmer
Dazu greife ich auf ein großzügiges Arsenal zurück, mit dem ich die bestehende Levelarchitektur nahezu komplett pulverisieren kann. Die Zerstörung war damals ein wichtiger Teil des Reizes von Worms, denn die Umgebungen in den meisten Actionspielen und Plattformern waren anno 1995 starr und inaktiv.
Die Standardkanone ist die Bazooka. Für präzisere Unterfangen eignen sich Granaten, für kurze Distanzen greife ich zu Dynamit, Fire Punch, Shotgun oder Uzi. Jedes Kriegswerkzeug hat individuelle Eigenschaften und ein Physikmodell.
So hängt die Flugbahn der Bazooka-Raketen vom Abschusswinkel, der per Halten der Space-Taste initiierten Wucht sowie der Windrichtung ab. Granaten prallen teilweise wild von Böden und Wänden ab.
Das bedeutet: Wenn ich mich verkalkuliere, treffe ich womöglich meine eigenen Leute oder jemand anderen. Dieser Faktor bringt eine wunderbare Unwägbarkeit ins Spiel – damals wie heute. Ein Fehler genügt, und ich stürze mich oder andere ins Chaos.
Worms ist ein langsames Spiel, das in Zügen abläuft. Ich habe 60 Sekunden Zeit, um meine nächste Aktion auszuführen. Diese Zeitspanne in Verbindung mit dem bösartig-kompetitiven Gameplay sorgt im Mehrspielerbetrieb für viele tolle Momente.
Fast schon ein Handyspiel
Der Multiplayer ist top, aber was man in ein paar weiteren Spielrunden auch merkt: Für Alleinspieler ist und bleibt Worms langweilig. Das war damals so und ist heutzutage nicht anders. Hier kämpfe ich gegen andere Würmerarmeen und versuche, mich in der Tabelle nach vorn zu schieben. Mehr bietet Worms nicht.
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Das größte Problem sind allerdings die Balance und die Treffsicherheit der Computerwürmer. Wenn mich Wurm Beethoven mit einer Schrotflinte (!) quer über die Karte vom Podest ins Meer schießt, ist das nicht nur ärgerlich, sondern geradezu unverschämt. Zwar leisten sich die Schergen auch gelegentliche Fehler, in der Regel agieren sie jedoch mit einer derartigen Präzision, dass der Spielspaß schnell dahin ist.
Wenig Umfang, schwaches Balancing, unfaire KI-Gegner: Allein ist Worms so spaßig wie eine Wurmkur und allerhöchstens als Training für die nächste Couchsession mit Freunden geeignet.
Fazit: Da wurmt mich was
Werde ich Worms jetzt täglich spielen und damit wilde Gaming-Abende veranstalten? Nein, garantiert nicht. Team 17s Taktik-Actionspiel werde ich wahrscheinlich gar nicht mehr auspacken. Die Kämpfe gegen Computerwürmer sind dafür schlicht zu langweilig und frustrierend.
Um den Geist und den Reiz von Worms zu erfassen, sollte man die Dynamik der Mehrspielergefechte in den Mittelpunkt stellen. Denn hier kommt alles zusammen: Können, Taktik, vor allem aber eine gehörige Portion Schadenfreude und Glück. Wenn Bananenbomben durch die Gegend fliegen und Schafe über die Karte hüpfen, werden Freundschaften immer wieder auf eine harte Probe gestellt.
Das Spielprinzip ist ebenso simpel wie zeitlos und funktioniert auch im Jahr 2025 noch. Selbst der Würmer-Humor mit der Pixeloptik und den Quietschsounds sorgt noch für ein Grinsen.
Worms ist eine gehörige Portion 1990er-Nostalgie, was sich im Mehrspielermodus und dem damit verbundenen Gameplay-Fokus spiegelt. Es ist ein bisschen John Rambo – mit Würmern.
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