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Gebrauchte Zukunft

Um eine besonders einprägsame Zukunftsvision zu schaffen, holte sich Gilliam den erfahrenen Set-Dekorateur Crispian Sallis (JFK, Aliens) an Bord. Seine Aufgabe war es, eine Zukunftswelt zu gestalten, die aus Fundstücken der Zeit vor der Katastrophe besteht.

Daraus entstand ein bewusst zusammengewürfeltes Design mit ungewöhnlichen Ideen – etwa einem Schleifgerät als Türgriff oder einem Staubsauger als Taschenlampe. Bei Streifzügen durch Flohmärkte und Lager sammelten Sallis und sein Team zahlreiche Objekte aus verschiedensten Epochen, von der Renaissance bis zu den 1950er und 1970er Jahren.

In der Vorproduktion lud Gilliam Pratt mehrfach zu sich nach England ein, um visuelle Konzepte und den Stil zu besprechen. Anschließend suchte er mit Location-Manager Scott Elias und Szenenbildner Jeffrey Beecroft passende Drehorte.

Statt New York, Los Angeles oder London entschied er sich schließlich für Baltimore und Philadelphia. "Der Film sollte in der realen Welt spielen, deshalb wollten wir unbedingt an echten Schauplätzen drehen" , sagte Gilliam. Zudem schätze er Dreharbeiten vor Ort, weil sie unerwartete Eindrücke liefern, die neue kreative Ideen ermöglichen.

Menschengroße Hamsterkäfige

Die Dreharbeiten begannen im Februar 1995 und dauerten drei Monate an. Gedreht wurde vor allem in Philadelphia und Baltimore.

Bevor der Sträfling Cole auf seine Erkundungsmission geschickt wird, verbringt er seine Zeit in einer knapp drei mal vier Meter großen Gefängniszelle innerhalb eines labyrinthartigen Gefängnisses der Zukunft, das Szenenbildner Jeffrey Beecroft so entwarf, dass es an eine Ansammlung menschengroßer Hamsterkäfige erinnert.

Übereinandergestapelt wie Bauklötze wurden diese Käfige in einem schachtartigen Bereich des Richmond-Kraftwerks errichtet. Der Raum, etwa 30 Meter hoch und 25 Meter breit, verfügte über mehrere Laufstege, die sich ideal zur Platzierung von Lichtquellen eigneten.

Für Bruce Willis war der Dreh dort nicht leicht – schon der Kälte wegen. "Die Woche begann mit Temperaturen von etwa -8 °C, gefühlt wegen des Windes rund -30 °C. Verschütteter Kaffee gefror innerhalb von fünf Minuten auf dem Boden – selbst im Inneren des Kraftwerks. Mr. Willis empfand es trotz Propanheizer und zahlreicher Filmleuchten als kalt. Er bat darum, saubere Umzugsdecken zu seiner Gefängniszelle am Set zu bringen, damit er sich zwischen den Aufnahmen hinlegen konnte" , erinnerte sich Set Dresser Tom Watkins(öffnet im neuen Fenster) .

Die Kälte forderte Cast und Crew alles ab. Roger Pratt erinnerte sich später, dass ursprünglich geplant war, einige Szenen später digital nachzubearbeiten, um das Ganze kälter, trister und bedrückender erscheinen zu lassen. Das war aber unnötig, wie Gilliam und er erkannten, als sie das gefilmte Material betrachteten.

Ein ungewöhnlicher Film

Terry Gilliam ist ein Filmemacher, der seine Projekte zumeist von Grund auf selbst entwickelt. "Es ist eine Sache, sich in seiner eigenen Verrücktheit zu verlieren" , sagte Gilliam damals, während der Dreharbeiten, in einem Interview(öffnet im neuen Fenster) , "aber sich in der Verrücktheit eines anderen zu verlieren, ist noch seltsamer" .

Und anders als bei König der Fischer, wo der Autor während der gesamten Dreharbeiten am Set war und sich mit dem Regisseur austauschte, hatte Gilliam die Autoren diesmal nicht vor Ort – weshalb er begann, seiner eigenen Interpretation zu misstrauen: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich wohl dabei fühle, die Idee oder das Drehbuch eines anderen zu nehmen und damit zu arbeiten. Und die Dialoge sind wirklich gut."

Das Projekt sei ernster als alles, was er zuvor gemacht habe. "Das fand ich reizvoll, aber auch sehr beunruhigend, weil ich nie sicher war, ob ich langweilig wirke, nur weil alles so geradlinig ist; gleichzeitig wollte ich es aber nicht mit schrägen Einfällen aufladen, die alles verfälschen. Ich beginne mir Sorgen zu machen, dass meine Bilder von der Geschichte ablenken – dass sie die Aufmerksamkeit darauf lenken, wie clever ich bin, statt auf die Figuren und das, was in der Szene passiert."

Letztlich musste sich Gilliam darüber keine Sorgen machen. 12 Monkeys ist ein Film, der es den Zuschauern zwar nicht leicht macht, aber dennoch den Fokus ganz und gar auf die Hauptfigur und die Frage richtet, ob sie wahnsinnig ist oder nicht. Das zieht in den Film hinein, denn entweder ist Bruce Willis' Figur Cole irre, dann ist eigentlich alles gut, nur dass man dem Verfall eines Menschen zusieht – oder er sagt die Wahrheit, dann bedeutet das den Tod von Milliarden.

12 Monkeys kam am 29. Dezember 1995 in den USA und am 21. März 1996 in Deutschland in die Kinos. Er wurde von der Kritik positiv aufgenommen und spielte weltweit über 168 Millionen US-Dollar ein – durchaus ein Erfolg!

Bei der 68. Oscarverleihung erhielt er Nominierungen für den besten Nebendarsteller (Brad Pitt) und für das beste Kostümdesign. Heute ist er einer der großen Klassiker der modernen Science-Fiction und hat sogar eine eigene Fernsehserie inspiriert, die von 2015 bis 2018 lief und erstaunlich gut ist.


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