30 Jahre Tides of Darkness: "Der Flow von Warcraft 2 ist einfach klasse!"

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Nachdem die in Las Vegas ansässigen Westwood Studios im Dezember 1992 mit Dune 2 das Genre der Echtzeit-Strategiespiele mitbegründeten, dauerte es nicht lange, bis immer mehr Entwickler versuchten, in diesem Marktsegment Fuß zu fassen. Allen voran: das in Irvine stationierte Studio Blizzard Entertainment.
Mit Warcraft – Orcs & Humans gelang es der Truppe um Spieldirektor Patrick Wyatt am 15. November 1994, einen würdigen Fantasy-Gegenpol zu Dune 2 zu schaffen.
Das Spiel entwickelte das Genre durch verschiedene Neuerungen, wie mehr Ressourcentypen (Holz, Gold), abwechslungsreiche Missionsarten und eine verbesserte Benutzerführung spürbar weiter.
Spielmechanisches Highlight blieb jedoch der Mehrspielermodus, in dem zwei Spieler per Modem, Nullmodem-Kabel oder über ein lokales Netzwerk gegeneinander antreten konnten.
Schon zehn Monate später, im September 1995, holte Westwood mit Command & Conquer zum Gegenschlag aus und brachte ein CD-ROM-basiertes Spiel auf den Markt, das in vielen Bereichen Maßstäbe setzte und dem Genre endgültig zum Durchbruch verhalf.
Blizzard ließ sich davon jedoch nicht entmutigen, sondern war nun noch motivierter, hier wieder Paroli zu bieten.
Entsprechend legte man bei Warcraft 2 – Tides of Darkness in allen Bereichen zu, beginnend mit zahlreichen Änderungen am "Nebel des Krieges" ( "Fog of War" ). Dieser wurde bereits in der frühen Entwicklungsphase so modifiziert, dass feindliche Einheiten in bereits erkundeten Gebieten nur noch dann sichtbar waren, wenn die eigenen Truppen direkten Sichtkontakt hatten.
Die Folge: Wer seine Umgebung nicht kontinuierlich aufklärte und den Bau von dedizierten Aufklärungseinheiten mit hoher Sichtweite vernachlässigte, konnte schnell ins Hintertreffen geraten und musste mit fiesen Hinterhalten rechnen – speziell im Multiplayer.
In Kombination mit der im Vergleich zum ersten Teil deutlich größeren Anzahl an Gebäuden und Einheiten, der Einführung der neuen Ressource Öl und der Ergänzung direkt steuerbarer Schiffe sollte Warcraft 2 die Konkurrenz in puncto Taktik und Komplexität deutlich überflügeln.











Ergänzend dazu setzte Blizzard auf eine hochauflösende SVGA-Grafik mit 800 x 600 Bildpunkten, eine klar strukturierte Maussteuerung (linke Taste wählt aus, rechte Taste setzt Befehle um), spendierte dem Interface allerlei neue Komfortfunktionen, werkelte an einem leicht zu bedienenden Karteneditor und erhöhte die Spielerzahl im Multiplayer deutlich.
Während der Entwicklung stellte sich zudem heraus, dass der Grafiker und Fantasy-Fan Chris Metzen ein gutes Händchen fürs Geschichtenschreiben hatte. Man machte ihn deshalb zum Hauptverantwortlichen für die Story. Eine gute Entscheidung, denn rückblickend sorgte sie dafür, dass das gesamte Erzähluniversum stimmig wirkte.
Vorhang auf für einen Meilenstein im RTS-Genre
Am 9. Dezember 1995 war es schließlich so weit. Der damalige Publisher Davidson & Associates brachte Warcraft 2 für Windows-PC und Mac auf den Markt, begleitet von euphorischen Rezensionen der amerikanischen Fachpresse.
Egal, ob Next Generation (5 von 5 Punkten), Computer Gaming World (4,5 von 5 Punkten), Game Revolution (91 Prozent) oder Macworld (4/5): Die großen Medien waren begeistert und lobten die zahlreichen Neuerungen im Vergleich zum Erstlingswerk.
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Ein ähnliches Bild zeichnete sich ab, als das Spiel im Januar 1996 über Zablac Entertainment auch auf den europäischen Markt kam. Die höchste Wertung in Deutschland samt "Spiel des Monats"-Award zückte PC Games, mein damals favorisiertes PC-Spiele-Magazin.
Testerin Petra Maueröder vergab 90 Prozent und schwärmte(öffnet im neuen Fenster) : "Besser geht's nicht. Warcraft 2 hat all das, was wir uns eigentlich von Command & Conquer erhofft hatten. In den Disziplinen Grafik, Animationen und Level-Design ist die liebevoll übersetzte und synchronisierte deutsche Version faktisch stärker. Für mich das kompletteste und schönste Echtzeit-Strategiespiel!"
Power Play kam zu einer ähnlichen Einschätzung. Artikelautor Frank Heukemes und Co-Tester Knut Gollert vergaben 89 Prozent und entschieden sich jeweils für ein "Super" unter ihren Wertungskästen. Zitat Heukemes(öffnet im neuen Fenster) : "Ist Warcraft 2 so gut wie Command & Conquer? Die Antwort: Es ist noch besser. Das fängt bei der Grafik an, die mit gestochen scharfem SVGA und witzigen Animationen voll überzeugt. Doch auch spielerisch werden nur Trümpfe aufgefahren."