Lob und Tadel von PC Player
Aber auch bei PC Player hatte der Blizzard-Titel 1995 einen Stein im Brett, wenngleich die Gesamtwertung (87 Prozent) vier Prozentpunkte niedriger ausfiel als bei Command & Conquer. Tester Jörg Langer schrieb: "Warcraft 2 ist ein sehr gutes Strategiespiel. Die Handlung sowie die Upgrades sorgen für eine eigene Note, der Schlachtnebel ist meines Wissens einzigartig."
Und weiter: " Das Vorbild Command & Conquer kann mehrere Punktsiege für sich verbuchen. So ist hier das richtige Mischen der Waffengattungen wichtiger, als bei den mehr auf Masse hinauslaufenden Warcraft-2-Schlachten. In puncto Spielkomfort fehlen mir das Ausschlachten von Gebäuden, leichteres Abwählen einer Einheit und einfachere Gruppen-Anwahl."
Auch ich, damals ein 16-jähriger PC-Spiele-Enthusiast mit einer Intel-Pentium-90-CPU, war Feuer und Flamme für Warcraft 2 und spielte die beiden Hauptkampagnen mit je 14 Missionen in einem Rutsch durch. Dazu kamen Netzwerk-Sessions mit Freunden, um den Mehrspieler-Modus in jeder freien Minute voll auszukosten.
Selbst nach 30 Jahren noch ein Zeitfresser?
Doch kann der RTS-Klassiker auch 30 Jahre später noch motivieren? Um das herauszufinden, entschied ich mich für einen Zwei-Phasen-Ansatz. Zunächst spielte ich noch einmal eine kurze Runde Warcraft – Orcs & Humans, dann ging es direkt weiter mit Warcraft 2. Was folgte, war ein echter Usability-Schock: Mir war tatsächlich nicht mehr bewusst, wie umständlich es in Teil eins ist, Einheiten von A nach B zu beordern.
Statt die Einheit einfach mit der linken Taste auszuwählen und dann mit der rechten Taste an den Zielort zu schicken, musste ich zunächst immer noch auf das Bewegen-Symbol in der linken Randleiste klicken oder auf der Tastatur die Taste M (für Move) drücken. Erst dann wird der Cursor gelb und ich kann die Einheit an den Zielort befehligen. Gleiches gilt für Angriffe auf Gegner oder wenn man Arbeiter anweist, Holz oder Gold abzubauen.
In Teil zwei ist das anders: Hier wähle ich eine Einheit (durch Draufklicken) oder mehrere Einheiten (per Rahmen) mit der linken Maustaste aus und schicke sie dann mit einem Rechtsklick an die gewünschte Position. Fertig!
Im Gegensatz zum Vorgänger reagiert das Spiel dabei kontextsensitiv. Klicke ich mit der rechten Maustaste auf einen Gegner, geht meine Einheit zum Angriff über. Klicke ich mit einem ausgewählten Arbeiter auf einen Wald, marschiert er hin, zückt die Axt und beginnt, Bäume zu fällen.
Das Scrollen funktioniert ebenfalls entspannter als in Teil eins. Einfach die Maus an den Bildrand bewegen und das Spiel bewegt sich in diese Richtung – es ist kein zusätzliches Klicken mehr nötig. In der Standardeinstellung ist die Maus-Scroll-Geschwindigkeit allerdings so hoch, dass der Bildausschnitt wie ein Pingpong-Ball seine Position wechselt.











Das kann verwirrend sein. Im Optionsmenü lässt sich das jedoch schnell anpassen. Verwundert war ich hingegen, dass Teil zwei in der Ursprungsfassung das Erstellen mehrerer Einheitengruppen, die ich dann mittels STRG + Zifferntaste abspeichere, nicht erlaubt. Das hatte ich irgendwie anders in Erinnerung!
Sei's drum. Schon nach den ersten beiden, eher simplen Aufwärm-Missionen entfesselt Warcraft 2 jede Menge Nostalgie. Es ist einfach klasse, wie charmant die deutschen Sprachsamples der Einheiten auch nach 30 Jahren noch klingen, wie liebevoll die Pixeloptik gestaltet ist und welch toller Flow entsteht, wenn die Gold-, Holz- und Öl-Zähler am oberen Bildrand kontinuierlich in die Höhe schnellen.
Dann kann ich in schneller Abfolge weitere Einheiten trainieren, Upgrades durchführen und die stets klar definierten Missionsziele abarbeiten. Je länger ich spiele, desto mehr erinnere ich mich auch daran, wie gut Blizzard den Schwierigkeitsgrad ausbalanciert hat. Die Aufträge werden kontinuierlich herausfordernder, führen regelmäßig neue Einheiten und Gebäude ein und konfrontieren mich mit immer größeren Maps.
So vergehen die Stunden und ich freue mich wie ein Ork-Häuptling, dass ich die erst später veröffentlichte Erweiterung Beyond the Dark Portal damals nur zur Hälfte durchgespielt habe und das jetzt endlich nachholen kann!
An Inhalten mangelt es ebenfalls nicht: Wer in einer Kampagne mal nicht weiterkommt, wechselt einfach zur anderen Fraktion oder spielt nacheinander die insgesamt 28 abwechslungsreichen Skirmish-Szenario-Karten durch, von denen viele Matches gegen bis zu sieben KI-Gegner erlauben. Kein Wunder, dass der Titel in den 90ern den Spitznamen "Warcrack" trug!
Solide Neuauflagen, die jedoch nicht in allen Disziplinen glänzen
Um sich heute im Multiplayer auszutoben, sind die DOS-Versionen allerdings weniger gut geeignet. Hier empfiehlt sich stattdessen ein Blick auf die seit November 2024 auf Battle.net verfügbare Remastered-Version, die sowohl das Hauptspiel als auch das Add-on enthält und recht ordentlich umgesetzt ist.



