Linux als neutrale Instanz
Trotz mehrerer Angebote, für große Unternehmen zu arbeiten, suchte Torvalds etwas Aufregendes für den ersten Job nach seinem Masterabschluss 1997. Dies fand er bei Transmeta, das eine von Grund auf neuartige CPU-Architektur erstellte. Der Clou dabei war eine Kompatibilitätsschicht für x86-Instruktionen, die für neuartige Optimierungen sorgen sollte und dadurch für eine für damalige Verhältnisse sehr energieeffiziente CPU.
Zusätzlich zu dem technischen Reiz hatte die Entscheidung für Transmeta mehrere Vorteile für Torvalds. Der Entwickler und junge Familienvater tauchte mit seiner Arbeit aus der breiten Öffentlichkeit ab, da Transmeta mehrere Jahre im sogenannten Stealth Mode agierte. Eine mögliche wirtschaftliche Konkurrenz zu anderen Unternehmen und eine Bevorzugung einzelner Unternehmen durch Torvalds in der Linux-Community war damit nicht erkennbar. Auch eine Beeinflussung der strategischen Weiterentwicklung von Linux war dadurch praktisch ausgeschlossen.
Hätte Torvalds aber bei einem der etablierten Software- oder Hardwarekonzerne angeheuert, wäre das Linux-Projekt wohl nicht mehr als neutrale Instanz wahrgenommen worden. Darüber hinaus durfte Torvalds bei dem Start-up Transmeta auch einen Teil seiner Arbeitszeit auf die Weiterentwicklung und Betreuung des Linux-Kernels verwenden – ein zur damaligen Zeit höchst ungewöhnliches Angebot.
Dabei sahen sich die Unternehmen, die rund um den Linux-Kernel Geld verdienten, aber auch gezwungen, miteinander zu kooperieren und sich notgedrungen den Entscheidungen von Torvalds sowie dessen persönlicher Weiterentwicklung zu unterwerfen. Doch war schon spätestens zu diesem Zeitpunkt klar, dass keines der Unternehmen allein die künftige Weiterentwicklung des Linux-Kernels würde beeinflussen können.
Konsortien und Kooperation als neuer Standard
Wohl auch diese Erkenntnis führte zur Gründung des Open Source Development Lab (OSDL) im Jahr 2000, einem Konsortium mit vielen Unterstützern, das Linux in Enterprise-Einsätzen verbessern sollte. Dafür wurden Entwickler angestellt oder mit der notwendigen Hardware versorgt. 2003 konnte das OSDL, das später in der Linux Foundation aufging, auch Linus Torvalds als Angestellten gewinnen. In dieser Position betreut Torvalds auch heute noch den Linux-Kernel als Chefentwickler.
Inzwischen gibt es zahlreiche dieser Open-Source-Organisationen, die als neutrale Instanz von mehreren Unternehmen getragen werden und meist einer bestimmten Software oder einer Sammlung nah miteinander verwandter Werkzeuge verbunden sind. Wie der Linux-Kernel, der dabei selbst nie als alleinstehendes, kommerziell vermarktbares Produkt genutzt worden ist, dient auch die Software der anderen Konsortien lediglich als Basisbaustein für die eigentlichen Produkte und Dienstleistungen, mit denen die Unternehmen Geld verdienen.
Inzwischen wird neue Software oft frühzeitig in solch einer neutralen Instanz verankert, um deren weitere Durchdringung der Industrie überhaupt erst anzustoßen. Diese moderne Welt wäre dem Studenten Torvalds von vor 30 Jahren wohl sehr fremd vorgekommen. Letztlich geht es dabei aber immer um die Weiterentwicklung des Projekts, nicht um ein größeres, hehres Ziel. Und dafür stehen Torvalds und die Linux-Community auch weiterhin.
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| Linux 1.0 beginnt professionell mit einer Pressekonferenz |










dass ihr immer wieder abseits der News, Themen aus einer anderen Perspektive betrachtet...
ist eigentlich unvorstellbar. Ohne wäre Unix heute immer noch eine propietäre...
Hätten diese Arschgeigen den Laden nicht so verranzt. "Wir werfen die Indianer raus und...
Linux ist ein Kernel, der konsequent und kompromisslos die Nutzung eines unixoiden OS...
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