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30 Jahre Dark Forces: So ist Star Wars auch heute noch ein Volltreffer!

Mit Dark Forces brachte Lucas Arts einen tollen Shooter im Star-Wars -Universum auf den Markt. Wir haben neu gespielt – Original und Remaster.
/ Sönke Siemens , Benedikt Plass-Fleßenkämper
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Artwork von Star Wars - Dark Forces (Bild: Lucas Arts)
Artwork von Star Wars - Dark Forces Bild: Lucas Arts

Am 10. Dezember 1993 schrieb id Software mit der Veröffentlichung von Doom Spielegeschichte: Nach nur fünf Monaten, nämlich im Mai 1994, waren weltweit mehr als eine Million PC-Fans im Besitz der Shareware-Version des bahnbrechenden Egoshooters.

Zur gleichen Zeit arbeitete man bei Lucas Arts in Kalifornien bereits unter Hochdruck an einem Egoshooter-Rivalen mit Star-Wars-Lizenz, eigenständiger Story und Luke Skywalker als Held. So war zumindest der ursprüngliche Plan.

Als man jedoch die zahlreichen Nachteile des Skywalker-Set-ups erkannte, musste Luke einem noch unbekannten Newcomer namens Kyle Katarn weichen.

Auch spielerisch sollte sich das von Game Director Daron Stinnett koordinierte Shooter-Adventure-Projekt von der id-Software-Konkurrenz abheben. So ließen die Entwickler den Helden in Star Wars – Dark Forces schwimmen, springen, sich hinhocken und nach oben und unten schauen.

Heute sind das alles Standardaktionen. Damals waren es spannende Innovationen, die viele Kniffe im Leveldesign ermöglichten. So muss Kyle Katarn oft über klaffende Abgründe hechten, um an wertvolle Gegenstände zu gelangen, feindlichen Truppen in den Rücken zu fallen oder Hindernisse zu überwinden.

Die hauseigene Jedi-Engine von Lucas Arts erlaubte zudem bis zu vier verschiedene Höhenebenen und konnte sich bewegende, polygonale Objekte sowie Nebel, Dunst oder wandernde Lichtquellen (Scheinwerfer) darstellen.

Die Handlung von Dark Forces beginnt vor den Ereignissen von Star Wars Episode 4 – Eine neue Hoffnung, macht dann aber einen Zeitsprung und konfrontiert den abgebrühten Söldner Kyle zum Auftakt mit einer heiklen Mission, nämlich dem Diebstahl der Todesstern-Pläne. Des Weiteren geht es um die sogenannten Dark Trooper, ein Geheimprojekt von General Rom Mohc, das eine massive neue Bedrohung für die Allianz darstellt.

Insgesamt produzierte Lucas Arts 14 Levels und verknüpfte diese erzählerisch sinnvoll miteinander, zum Teil mit animierten Zwischensequenzen. Darüber hinaus entwarf das Team ein umfangreiches Arsenal aus zehn verschiedenen Waffen sowie einer Handvoll Gadgets inklusive Nachtsichtgerät, Atemschutzmaske und Eiskrallen.

Dazu kamen 20 Gegnertypen, darunter Stormtrooper, imperiale Offiziere, Wachdroiden, Wookiee-Wächter, wildschweinähnliche Gamorreaner oder im Abwasser lebende Dianoga mit sieben Tentakeln. Nicht zu vergessen der Kell-Drache, den Kyle mit bloßen Händen erlegen muss.

Die musikalische Untermalung stammt von Clint Bajakian, der 1991 zu Lucas Arts kam und zuvor unter anderem maßgeblich an den erfolgreichen Soundtracks von Monkey Island 2, Day of the Tentacle und Sam and Max Hit the Road beteiligt war. Ein weiteres Highlight: Die gesamte Sprachausgabe ist nicht nur in Englisch, sondern auch in Französisch, Italienisch und Deutsch auf der CD-ROM enthalten.

Die Fachpresse jubelt

Am 8. März 1995 ist es soweit: Star Wars – Dark Forces stürmt zunächst in den USA und zwei Tage später auch in Europa in die Läden, flankiert von positivem Feedback der Fachpresse. Die britische Computer and Video Games und die französische Zeitschrift Joystick vergeben jeweils 95 Prozent, PC Gamer liegt mit 92 Prozent nur knapp darunter.

Star Wars: Dark Forces Remaster – Official Launch Trailer
Star Wars: Dark Forces Remaster – Official Launch Trailer (01:07)

Auch hierzulande kommt Dark Forces sehr gut an. Oliver Menne von PC Games beispielsweise vergibt mit 94 Prozent die höchste Wertung in Deutschland(öffnet im neuen Fenster) und schreibt: "Den Entwicklern von der Skywalker-Ranch ist es zu verdanken, dass in den kommenden Monaten 3D-Actionspiele weiterhin einen großen Teil des Marktes beherrschen werden. Auch wenn unverbesserliche Nörgler nur schwer zu überzeugen sind: Dark Forces ist alles andere als ein billiges Plagiat, es ist die neue Referenz."

In der Play Time ist Rezensentin Petra Maueröder (heute Fröhlich) voll des Lobes, sie vergibt eine 91 und den begehrten Play Time Star. Ihr Fazit: "Dark Forces verlässt sich glücklicherweise nicht auf die fette Star-Wars-Lizenz, sondern bietet bahnbrechende Innovationen bis zum Abwinken. An die Stelle von hirnlosem Amoklaufen tritt ein atmosphärisch kaum noch zu überbietendes Spektakel, das technisch sauber in Szene gesetzt wurde und die mit Abstand größten Levels und kniffligsten Puzzles des Genres beinhaltet."

Die Macht ist noch ohne klassisches WASD

In der PC Player(öffnet im neuen Fenster) schafft es das Spiel sogar auf die Titelseite, wird auf vier Seiten besprochen und kommt bei Tester Jörg Langer recht gut weg: "Die einzelnen Levels unterscheiden sich in Bezug auf Grafik, Aufbau und Aufgaben erheblich. Neben kräftigem Ballern ist auch viel Köpfchen angesagt, die Rätsel sind deutlich fordernder geraten als das übliche Schalter-Betätigen." Wertung: 84 von 100 Punkten.

Am kritischsten sieht es Max Magenauer vom PC Joker(öffnet im neuen Fenster) , der dem Titel nur zwei Seiten einräumt und lediglich 76 Prozent vergibt: "Damit wir uns jetzt nicht falsch verstehen: Dark Forces ist nun wirklich kein schlechtes Spiel, nur kann es die daran geknüpften hohen Erwartungen halt nicht ganz erfüllen. Das Programm wirkt wie eine Kreuzung der anspruchsvollen, rätsellastigen Produkte von Looking Glass mit den Ballerdungeons von id Software."

Praxistest mit der Classic-Fassung

Auch ich – damals noch Schüler – war großer Star-Wars-Fan, besorgte mir Dark Forces kurz nach Erscheinen und spielte die fast zehnstündige Story auf meinem Pentium 90 mit 16 Megabyte Arbeitsspeicher praktisch in einem Rutsch durch.

Ähnlich erging es vielen PC-Fans in meinem Freundeskreis. Aber ist Dark Forces auch heute noch so motivierend wie damals? Um genau das herauszufinden, habe ich mir das Original für knapp 6 Euro bei Gog.com(öffnet im neuen Fenster) gekauft und einen zweiten Durchlauf auf meinem Windows-10-Rechner gestartet.

Erster Eindruck: Sieht mittlerweile extrem pixelig aus, klingt aber immer noch klasse und holt Shooter-Fans spielerisch sofort ab. Denn die Levels sind auch 30 Jahre später noch herrlich verwinkelt und gespickt mit zahlreichen gut versteckten Geheimnissen (ich sage nur: Sam-&-Max-Easter-Egg!), coolen Rätselpassagen und herausfordernden Feuergefechten.

Ziemlich antiquiert wirkt hingegen die Steuerung. Da das Spiel kein Menü bietet, um die Tasten nach eigenen Wünschen zu konfigurieren, muss ich mich mit dem vorgegebenen Tastenlayout begnügen. Und das ist gewöhnungsbedürftig!

So sind nahezu alle wichtigen Aktionstasten (auch die zum seitlichen Ausweichen sowie zum Hoch- und Runterschauen) rechts im Bereich der Pfeiltasten angeordnet. Eine Ausnahme bildet die Sprint-Taste, die links auf Shift liegt. Mit anderen Worten: Rennen und gleichzeitig Seitwärtsschritte ausführen klappt in der Classic-Fassung von Gog.com nur, indem ich meine linke Hand beim Spielen immer wieder umplatziere.

Keine Frage, das Original macht spielerisch immer noch Spaß. Aber die Steuerungsmängel führen dazu, dass mich nach zwei Levels die Motivation ein wenig verlässt. Geht das nicht eleganter? Ja, das geht!

Und zwar mit dem im Februar 2024 erschienenen Dark Forces Remaster von den renommierten Nightdive Studios. Die haben sich in der Vergangenheit bereits mit zahlreichen Neuauflagen anderer Retro-Hits einen Namen gemacht, darunter die Turok-Trilogie, System Shock und zuletzt The Thing Remastered.

Am besten die Remaster-Fassung spielen!

Grafisch macht das Remaster einen gewaltigen Sprung nach vorne. So kann ich beispielsweise im Optionsmenü die Auflösung im Handumdrehen auf 3.840 x 2.160 Pixel hochschrauben, also in 4K-Auflösung loslegen – je nach Rechnerleistung mit Bildraten im dreistelligen Bereich.

Zusammen mit den überarbeiteten Sprites, den höher aufgelösten Texturen und den verbesserten Lichteffekten sieht Star Wars – Dark Forces Remaster auch im Jahr 2025 noch erstaunlich gut aus, ohne den Retro-Charme des Originals zu verlieren.

Star Wars Jedi Knight (1997) – Golem retro
Star Wars Jedi Knight (1997) – Golem retro (07:44)

Nicht zu vergessen die aufgepeppten Zwischensequenzen. Dafür wurde die alte Grafik nicht einfach nur hochgerechnet, sondern komplett neu gezeichnet. Auch die überarbeiteten Rendersequenzen strotzen nur so vor zusätzlichen Details und laufen mit einer höheren Bildrate als 1995, sprich, endlich flüssig. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, zumal auch hier Stil und Atmosphäre des Originals zu keiner Zeit verloren gehen.

Schön ist auch, dass es erstmals eine offizielle Gamepad-Unterstützung gibt. Ich selbst benutze Sonys Dualsense-Controller und bin begeistert, dass ich nun beim Zielen durch Kippen und Neigen des Gamepads zusätzliche Gyro-Feinjustierungen vornehmen kann. Präzisionsschüsse gelingen dadurch umso besser.

Waffenrad und weitere Komfortfunktionen

Außerdem gibt es endlich Vibrationseffekte und ein überaus praktisches Waffenrad. Einfach die linke obere Schultertaste gedrückt halten, und schon kann ich mit dem Analogstick blitzschnell zwischen den bereits freigeschalteten Waffen wechseln. Das Waffenrad blenden die Entwickler dabei recht unaufdringlich im oberen rechten Bereich des Bildschirms ein.

Ein Blick ins Optionsmenü offenbart weitere Komfortfunktionen, darunter einen Field-of-View-Slider und diverse Sensitivitäts-Schieberegler. Auch das Auf- und Abwippen der Sicht beim Laufen (View Bobbing), die grellen Lichteffekte beim Abfeuern von Blasterwaffen, das Aufblitzen der HUD-Ränder sowie die Untertitel lassen sich nun ein- und ausschalten.

Plus: Trophäenjäger kommen erstmals auf ihre Kosten und können insgesamt 29 Erfolge ergattern – alle gekoppelt an das Erreichen bestimmter Missionsziele. Kämpfe ich mich also bis zu den Credits durch, schalte ich automatisch alle Achievements frei.

Wer trotzdem nicht weiterkommt, kann in einem eigens dafür vorgesehenen Menü die Cheat-Codes des Originals eingeben. So überspringe ich wie gewohnt mit LASKIP das aktuelle Level, enthülle mit LACDS die Levelkarte, gönne mir mit LAPOSTAL alle Waffen oder frische mit LABRADY meine Munition wie vor 30 Jahren auf.

Kein manuelles Speichern, dafür viele Boni

Schade nur, dass ich im Remaster keine eigenen Spielstände anlegen kann, um Missionen nach Belieben zu unterbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt fortzusetzen. Angesichts der zahlreichen Optimierungen und der durchweg motivierenden Kampagne fällt dieses Manko jedoch nur bedingt ins Gewicht.

Stichwort Kampagne: Zusätzlich zu den 14 Missionen des Originals präsentieren die Nightdive Studios noch einen Auftrag, der es aufgrund seines hohen Schwierigkeitsgrades nicht in das Original geschafft hat. Es handelt sich dabei um eine Demomission namens The Avenger, die ursprünglich auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellt wurde.

Darin kämpfe ich mich durch das Innere eines Sternenzerstörers und bekomme es gefühlt mit so vielen Imperialen zu tun wie in keiner anderen Mission des Spiels. Spieldauer für Kenner? Etwa 15 Minuten.

Unter dem neuen Hauptmenüpunkt Tresor finden sich zudem noch weitere spannende Zusatzinhalte, allen voran mehr als ein Dutzend bebilderte Texteinträge zur Entstehung des Spiels. Hier erfahre ich zum Beispiel, wie genau die Programme AutoCAD Release 12, 3D Studio, Deluxepaint Animation und das Zwischensequenz-Tool Framer v5.0 eingesetzt wurden oder wie die ersten Versionen von PDA, HUD und Briefing-Bildschirm aussahen.

Dazu gesellen sich jede Menge interessante Konzeptgrafiken, Designskizzen für die Zwischensequenzen sowie gerendertes Bildmaterial, etwa von Jabbas Schiff oder den verschiedenen Evolutionsstufen der Dark Trooper.

Fazit: Lohnt sich – und jetzt her mit der Neuauflage von Teil zwei!

Auch 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung macht Dark Forces eine gute Figur. Vor allem in der technisch mit viel Liebe und Respekt vor dem Original aufgepeppten Remaster-Version, die einige Händler bereits für unter fünf Euro anbieten.

Die Kampagne ist mit neun bis zehn Stunden zwar nicht besonders lang, sorgt aber beim Durchspielen für einen kontinuierlichen Flow und viele denkwürdige Star-Wars-Momente.

Wer das Spiel und die darin erzählte Geschichte in vollen Zügen genießen möchte, dem empfehle ich an dieser Stelle auch die Lektüre der von William C. Dietz verfassten Novelle Star Wars – Soldier of the Empire(öffnet im neuen Fenster) , die einen detaillierteren Blick auf die Vorgeschichte des Protagonisten wirft.

Je mehr ich mich mit Dark Forces beschäftigte, desto mehr wünsche ich mir auch ein Remaster des hervorragenden zweiten Teils. Angekündigt ist noch nichts.

Es würde mich aber wenig wundern, wenn die Nightdive Studios diesem Klassiker bis zum 9. Oktober 2027 neues Leben einhauchen würden – denn dann feiert Star Wars Jedi Knight: Dark Forces 2 seinen 30. Geburtstag.

Mitarbeit: Benedikt Plass-Fleßenkämper


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