Kaputter Spiegel bedeutet Spiel laden

Zugegeben, im ersten Raum liegt ein Buch, in dem die Geschichte eines Helden erzählt wird, der gegen eine Medusa gekämpft hat. Dabei trug er einen Schild, der wie ein Spiegel glänzte. Aber ganz ehrlich? Dieser Hinweis ist mir zu weit hergeholt. Mir ist nicht ersichtlich, wieso ich die Kreaturen mit der Medusa aus der Geschichte gleichsetzen sollte.

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Zum einen sehen sie überhaupt nicht so aus. Zum anderen töten sie mich nicht mit ihren Blicken, sondern nur sich selbst beim Betrachten eines Spiegels. Deshalb erinnert mich die Situation an die berüchtigte "Moon Logic" der 90er Jahre, mit der man schwer bis gar nicht nachvollziehbare Adventure-Rätsel bezeichnet.

Nebenbei erfahre ich, dass die Spiegel sehr zerbrechlich sind und kaputt gehen, wenn ich (egal wie) von einem Gegner angegriffen werde. Was man dann noch machen kann? Nichts, außer den alten Spielstand laden oder neu starten!

Lahmender Edward Carnby

Abgeschreckt von diesem Beispiel, lasse ich mich weiterhin von der Lösung leiten. Sie schickt mich von Raum zu Raum und immer häufiger begegne ich mysteriösen Gestalten wie einem Geist oder tödlichen Spinnen. Viele dieser Gefahren lassen sich nicht bekämpfen, also bin ich ständig auf der Flucht. Und das führt mich zu meinem persönlich größten Problem, das ich mit Alone in the Dark habe: der Lauf- und Rennsteuerung.

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Im Normalfall schreitet Edward Carnby sehr gemütlich durch die Gänge. Möchte ich hingegen, dass er rennt, dann muss ich laut Anleitung die Taste zum Gehen antippen, kurz loslassen und direkt danach fest gedrückt halten. Diese eigentlich simple Mechanik funktioniert jedoch nur alle Jubeljahre.

Ich kann mich dunkel daran erinnern, schon anno 1992 mit diesem Problem gekämpft zu haben. Eine kurze Recherche in Retrogames-Foren bestätigt, dass ich beileibe nicht der Einzige bin, der mit der Laufsteuerung zu kämpfen hat. Deshalb muss eine lästige Notlösung her: Ich speichere fortan vor jedem neuen Raum ab und probiere es so lange, bis es klappt.

Was hingegen hervorragend funktioniert: die Perspektivenwechsel. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kann ich alles klar erkennen und habe einen stets plastischen Eindruck von meiner Umgebung. Somit dient die Grafik sowohl der Übersicht als auch der Atmosphäre und gleicht sogar die sehr grobe Auflösung oder die arg eckigen Polygoncharaktere aus.

Nicht vergessen: Alone in the Dark ist ein 30 Jahre altes Spiel und für kleine Röhrenmonitore konzipiert. Auf meinem großen Flachbildschirm sieht hingegen jeder Pixel wie ein dicker Klotz aus, weshalb ich das Spiel auch im Fenstermodus laufen lasse.

Die Rätsel sind zwar im späteren Spielverlauf immer mal wieder problematisch, jedoch bieten sie auch einige Highlights. Konkretes Beispiel: An einer Stelle durchquere ich einen Gang mit mehreren Bildern, die an der Wand aufgereiht sind.

Eines davon zeigt das Porträt eines Trappers, der mir bereits nach ein paar Metern ein Beil in den Rücken wirft. Allerdings kann ich dies ganz einfach verhindern, indem ich das Bild mit der Decke aus dem ersten Raum verhülle.

  • Simpel, aber effektiv: Das Cover von Alone in the Dark erinnert an Groschenromane. (Bild: Medienagentur Plassma)
  • Das Intro von Alone in the Dark glänzt mit wunderschön gezeichneten Hintergrundbildern. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Nur im ersten Alone in the Dark kann man zwischen zwei Charakteren wählen, die sich jedoch spielerisch nicht unterscheiden. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Steht die Truhe rechtzeitig auf der Falltür, versperrt man der darunter lauernden Kreatur den Weg. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Die Villa mag voller garstiger Geister sein, doch dafür sieht es überall gut aufgeräumt aus; sogar in der Küche! (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • In manchen Räumen und Gängen fallen die Kamerawinkel arg "schräg" aus. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Bei diesem Gegner kommt man um eine direkte Konfrontation nicht herum. Gut, dass man immer wieder neue Schwerter oder Schusswaffen findet. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Dieser nervige Pirat ist einer der zäheren Gegner des Spiels und erfordert viel Geduld beim Kämpfen. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Zwischen all dem Grünzeug hausen auch einige kleine Spinnen, die Protagonist Edward Carnby innerhalb weniger Sekunden töten können. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Per Knopfdruck wählt man zwischen seinen bereits eingesammelten Gegenständen oder der Aktion, die man anschließend per Tastendruck ausführen möchte. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Jetzt bloß keinen Fehler machen: Sobald man seinen ersten Schuss abgibt, wachen alle purpurnen Kreaturen auf und wollen sich am Spieler vergreifen. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
  • Kein Happy End für Edward Carnby: Sobald seine Lebensenergie auf den Nullpunkt sinkt, wird sein lebloser Körper von den Lovecraft-Monstern weggeschleppt. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)
Zwischen all dem Grünzeug hausen auch einige kleine Spinnen, die Protagonist Edward Carnby innerhalb weniger Sekunden töten können. (Bild: Infogrames / Screenshot: Medienagentur Plassma)

Mein Ausflug in die Vergangenheit endet schließlich, als ich auf einen Piraten treffe. Ich darf ihn nicht erschießen, sondern muss ihn in einem Fechtduell bezwingen. Es gelingt mir allerdings auch nach mehreren Versuchen nicht. Ich breche genervt ab. Für heute reicht es mir mit Alone in the Dark!

Fazit: Kultspiel trotz Schwächen

Alone in the Dark steckt voller Widersprüche: Die Rätsel sind zu seicht oder zu abgehoben, die Kämpfe zu simpel oder zu frustrierend. Die Grafik sieht stilvoll oder pixelig aus. In der Tat ist das Horror-Adventure einerseits schlecht gealtert und gleichzeitig seiner Zeit voraus gewesen.

Die simplen Rätsel wurden damals von der Fachpresse kritisiert. Heutzutage entsprechen sie allerdings der Norm, schließlich sind Adventures mit anspruchsvollen Puzzles längst aus der Mode geraten. Dank Internet ist es auch kein großer Beinbruch, wenn man bei den kaum nachvollziehbaren Ausnahmen einfach zu einer Komplettlösung greift.

In dem Zusammenhang möchte ich mich am liebsten in eine Zeitmaschine setzen und meinem damaligen Ich sagen: "Warum beharrst du immer darauf, alles allein zu lösen, und lässt dich deshalb von ein, zwei Passagen frustrieren, wenn du dir damit ein charmantes Grusel-Abenteuer kaputtmachst?"

Somit muss ich nach meiner Wiederspielrunde nur vor der Steuerung von Alone in the Dark warnen: Es erfordert eine gute Portion Geduld, bis die Heldin oder der Held wie gewünscht durch die Gänge rennt oder man diesen verfluchten Piraten geknackt hat.

Der Lohn der Mühe ist ein historisch wertvolles Action-Adventure mit immer noch sehenswerter Pixelgrafik und einer dichten Atmosphäre. Seinen Kultstatus hat Alone in the Dark meiner Meinung nach verdient.

Mitarbeit: Benedikt Plass-Fleßenkämper

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 Auf in die Dunkelheit!
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Muhaha 30. Mai 2022 / Themenstart

Schon. Teil 2 wollte ich ums Verrecken gut finden, doch der erhöhte Action-Anteil hat...

prosumer 29. Mai 2022 / Themenstart

Alone in the Dark war 1992 mein Einstieg ins Genre und begleitet mich bis heute...

JouMxyzptlk 29. Mai 2022 / Themenstart

Wenn einem ein Spiel etwas in der "du musst genau das auf nur diese eine Artschaffen um...

narsah 29. Mai 2022 / Themenstart

Achja, diese Erinnerungen :-). War tatsächlich nur eine Diskette, Mobygames hat sogar...

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