29C3: Hacker sollen verantwortungsvoll handeln

In seiner Eröffnungsrede zum diesjährigen Chaos Communication Congress in Hamburg hat Tor-Entwickler Jacob Appelbaum die Hacker dazu aufgerufen, mit ihrem Wissen und ihrer Arbeit der Menschheit nicht zu schaden. Der Aktivist warnte eindringlich vor einer zunehmenden weltweiten Überwachung, die auch von den USA ausgehe.

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Jacob Appelbaum
Jacob Appelbaum (Bild: Simon Law)

"It's not my department": Das Motto des 29. Chaos Communication Congress (29C3) ist ein Zitat des US-amerikanischen Mathematikers und Liedermachers Tom Lehrer, der in einem Spottlied Wernher von Brauns technokratisches Weltbild anprangert. "Wenn die Raketen hochgeschossen werden, ist es egal wo sie runterfallen, das ist nicht mehr mein Problem, sagt Wernher von Braun", sang Lehrer in den 1960er Jahren. Der Aktivist, Sicherheitsexperte und Tor-Entwickler Jacob Appelbaum rief auf dem diesjährigen Chaos Communication Congress die Hacker dazu auf, ihr Wissen nicht der zunehmenden staatlichen Überwachung zur Verfügung zu stellen.

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Appelbaum redete in seiner Keynote den Hackern ins Gewissen. Jeder solle sich überlegen, ob er sein Wissen der "guten oder der dunklen Seite" zur Verfügung stelle. Es gebe zwar Nuancen, sagte Appelbaum, aber letztendlich teile sich die Welt doch in Schwarz und Weiß. Wenn ein Hacker an der Verbesserung der Deep-Packet-Inspection arbeite, dann könne er davon ausgehen, dass seine Arbeit dazu missbraucht werde, um anderen zu schaden.

Appelbaum appellierte an die individuelle Verantwortung. Große Firmen locken zwar mit guten Gehältern. Jeder Hacker habe aber die Wahl, wem er sein Wissen und seine Zeit zur Verfügung stelle. Jeder solle sich fragen, welche Auswirkungen seine Arbeit auf die Freiheit seiner Mitmenschen habe.

Die Sammelwut der NSA

Im US-Bundesstaat Utah wird das bislang größte Datacenter der NSA gebaut. Appelbaum stellt sich die Frage, was dort genau für Daten gespeichert werden und ist davon überzeugt, dass dort künftig massenweise Überwachungsdaten verarbeitet werden. Laut einem Bericht von Wired soll das Datacenter in Bluffdale vor allem zur jahrelangen Speicherung abgeschöpfter Daten dienen. Anrufe und selbst Anfragen über Suchmaschinen - beispielsweise in Kooperation mit Google - sollen dort für die anschließende Datenforensik gelagert werden. Der größere Speicherplatz sei nötig, weil der internationale Datenverkehr sich weltweit bis 2015 vervierfachen werde.

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Und das sei nicht die einzige Einrichtung dieser Art, sagte Appelbaum. Mit dem Internet seien nationale Schranken gefallen, die nationale Geheimdienste wie die NSA nun ausnutzen.

Schnüffelwahn

Für die Überwachung von US-Amerikanern sei ein Gerichtsbeschluss nötig und gegenwärtig finde keine flächendeckende Überwachung statt. Diese Aussagen des NSA-Direktors Keith B. Alexander vor einem US-Kongressausschuss über die Rechte Überwachter beziehen sich nur auf US-Bürger, der Rest der Welt habe keine solche Rechte, sagte Appelbaum.

Alexanders Äußerungen seien außerdem unglaubwürdig, fügte der US-Amerikaner hinzu. Sie widersprechen denen ehemaliger NSA-Mitarbeiter wie Mark Klein, der bereits 2005 das Ausmaß der Kooperation zwischen der NSA und dem Telekommunikationsunternehmen AT&T in den USA offenlegte, die das Abschöpfen von Telekommunikationsdaten ermöglicht.

Mit Überwachung gegen die Freiheit

Seine Erfahrung als Wikileaks-Aktivist zeige, wie sehr die USA auch ihre eigenen Bürger überwache. Selbst seine Mutter, die unter einer Geisteskrankheit leide, sei zu Appelbaums Engagement bei Wikileaks von den Behörden befragt worden, erklärte der ehemalige Sprecher der Whistleblower-Plattform.

Die weltweite Überwachung gefährde auch individuelle Rechte in Europa, so Appelbaum.

Grund zur Hoffnung

Es gebe aber genügend Projekte, die einen Kontrapunkt setzen. Das seien unter anderem die vielen Open-Source-Projekte, egal ob es sich dabei um Software- oder Hardware-Projekte handelt. Es gebe noch Whistleblower und Menschen, die sich gegen großen Widerstand und unter Einsatz ihres Lebens für die Freiheit der gesamten Menschheit einsetzen.

Jeder Hacker könne mit kleinen Aktionen ebenfalls die Welt verbessern, etwa den Standort von Autokennzeichenscannern oder anderen Überwachungswerkzeugen bekanntmachen und selbst Daten über die Überwacher sammeln, damit sie später auch noch zur Rechenschaft gezogen werden können. Oder sie können einfach nur einen Tor-Kontenpunkt einrichten, damit Menschen angstfrei im Netz kommunizieren können.

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