Indiskretionen: Wirtschaftsministerin Reiche ließ E-Mail-Postfächer prüfen
Die Überprüfung von E-Mail-Konten im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) ist offenbar umfangreicher ausgefallen als zunächst bekannt. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervorgeht, wurden am 28. und 29. Januar 2026 insgesamt 36 Postfächer durchsucht. Betroffen waren demnach 27 Mitarbeiter. Der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) hatte über den Vorgang zuerst berichtet.
Öffentlich bekannt geworden war der Fall zunächst nur in kleinerem Umfang. Mitte März 2026 berichtete der Spiegel(öffnet im neuen Fenster), dass im Ministerium die Postfächer mehrerer Beamter durchsucht worden seien. Das Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) berichtete später ergänzend, dass dabei eine weitergegebene Teilnehmerliste eine Rolle gespielt haben soll.
Konkret stand die Maßnahme laut der Antwort der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Saudi-Arabien-Reise von Ministerin Katherina Reiche Ende Januar. Ein Nachrichtenportal hatte Unternehmensvertreter genannt, die sie bei der Delegationsreise begleiten sollten.
Laut Staatssekretär Frank Wetzel ging es dabei nicht um das vorzeitige Bekanntwerden von Gesetzentwürfen. Stattdessen habe der Verdacht bestanden, dass personenbezogene Daten sowie Geschäftsgeheimnisse Dritter weitergegeben worden sein könnten.
Keine E-Mail-Inhalte geprüft
In diesem Zusammenhang sei die Maßnahme auf Anweisung der Staatssekretäre erfolgt, "nach vorangehenden Beratungen im Kreis der Hausleitung". Laut Staatssekretär Frank Wetzel war auch Ministerin Katherina Reiche (CDU) persönlich in die Maßnahme eingebunden.
Erfasst worden seien dabei lediglich Metadaten wie Absender, Empfänger, Betreff, Datum und Uhrzeit. Inhalte von E-Mails seien nach Darstellung des Ministeriums dagegen nicht geprüft worden. Über die Durchsuchungsaktion seien die betroffenen Beschäftigten am 5. Februar 2026 informiert worden. Ob dabei etwas gefunden wurde, ist unklar.
Kritik an dem Vorgehen kommt vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Michael Kellner. Er sprach von "toxischem Führungsverhalten" und erklärte weiter: "Bespitzelung, Rauswürfe und Strafversetzungen sind anscheinend die Führungsmethoden der Ministerin."
Das Ministerium selbst verteidigte die Maßnahme und erklärte laut Heise(öffnet im neuen Fenster) in einer Stellungnahme, Vertraulichkeit und der Schutz interner Informationen seien zentrale Grundlagen funktionierender Verwaltungsarbeit.
Zugleich hieß es, die "weit überwiegende Mehrheit" der Beschäftigten handle rechtstreu und mit hohem Pflichtbewusstsein. Gezielte Indiskretionen beeinträchtigten diese Arbeit, ihre Aufklärung gehöre deshalb zu den Pflichten einer Amtsführung.
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