Aus ''Verrätern'' wird Intel
Ein bekanntes Beispiel sind die "verräterischen Acht", eine Gruppe von acht Mitarbeitern(öffnet im neuen Fenster) von Shockley Semiconductor, die das Unternehmen 1957 verließen, um Fairchild Semiconductor zu gründen. Auch Firmengründungen direkt nach der Kündigung können in Kalifornien nicht über Non-Compete-Klauseln untersagt werden. Zwei der Acht, Robert Noyce und Gordon Moore, verließen später Fairchild, um 1968 Intel zu gründen.
Die Praxis hat im Laufe der vergangenen 60 Jahre zu einem Wissenstransfer innerhalb des Silicon Valley geführt, der stetig Innovationen ankurbelte – und immer noch ankurbelt. Sie ist Teil des KI-Booms, der das Silicon Valley seit einigen Jahren beherrscht: Meta wirbt Forscher von OpenAI ab, OpenAI wirbt Forscher von Google ab – all das ist nur möglich, weil eine direkte Weiterbeschäftigung nicht untersagt werden kann.
Ronald J. Gilson nennt das den Spillover-Effekt: Er führt dazu, dass wertvolles Wissen frei zirkuliert, was neue Unternehmen anzieht. Diese ziehen wieder Mitarbeiter an, die irgendwann weiterziehen – der Zyklus wiederholt sich immer wieder und die Region wächst, wie es beim Silicon Valley zu beobachten war. Das werden die Verfasser des Bürgerlichen Gesetzbuches Kaliforniens womöglich nicht im Hinterkopf gehabt haben – es ist aber ein Paradebeispiel dafür, wie in den USA uralte Gesetze die Gegenwart formen.
Patentrecht mit Fokus auf kleine Entwickler
Ein weiteres Beispiel ist das Patentrecht in den USA. Die Verfassung von 1787 war die erste weltweit, die ein verbrieftes Recht auf Patentanmeldungen für jedermann enthielt. Zu diesem Zeitpunkt wurden Patente in Europa in der Regel von Königen und Fürsten verliehen – wer Geld und Einfluss hatte, bekam ein Patent schnell, wer es nicht hatte, sehr schwer oder gar nicht. Den Gründervätern rund um George Washington lag sehr viel am einfachen Zugang zu Patenten, auch um sich vom monarchischen Gehabe anderer Länder abzugrenzen.
Unter den Gründervätern gab es zudem selbst einige Erfinder – etwa Benjamin Franklin oder Thomas Jefferson. Der US-Kongress konnte bereits 1790 den Patent Act verabschieden, da die Verfassung ihm dazu explizit das Recht gab. Der Vorlage aus der Verfassung folgend, wurde Erfindern "für eine begrenzte Zeit" das "ausschließliche Recht auf ihre jeweiligen Schriften und Entdeckungen" gesichert. Damit sollte der "Fortschritt der Wissenschaft" gefördert werden.
Einzelpersonen konnten und können in den USA sehr leicht Patente anmelden, was für die Entwicklung des Silicon Valley enorm förderlich war. Dazu trugen auch zahlreiche Unterschiede zu den Patentrechten etwa in Europa bei. So gab es das First-to-Invent-Prinzip, das sich vom First-to-File-Verfahren in Europa unterscheidet. Wichtig für die Patentvergabe in den USA war nicht, wer die Neuerung als Erster anmeldete, sondern wer die Idee nachweislich zuerst hatte. Das erforderte im Zweifel aufwendige Nachforschungen, war aber fairer gegenüber kleinen Erfindern.
Schonfrist half bei der Investorensuche
Ab 1952 hatten Erfinder zudem ein Jahr Zeit, um ein Patent nach der Veröffentlichung ihrer Idee anzumelden. Das half, mögliche finanzielle Unterstützer für die Entwicklung eines Produktes anzuwerben, bevor die dahinterstehende Idee überhaupt patentiert wurde.
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