25 Jahre Wikipedia: Die nächsten Jahrzehnte werden härter

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Es war eine Art ironisches Geburtstagsgeschenk, das Donald Trump der Wikipedia am 12. Januar 2026 machte. Der US-Präsident veröffentlichte auf seiner Plattform Truth Social eine manipulierte Wikipedia-Seite(öffnet im neuen Fenster) , die ihn als "amtierenden Präsidenten von Venezuela" bezeichnete.
Selbst für den notorisch lügenden Trump gilt die Online-Enzyklopädie offenbar als Instanz für geprüftes Wissen. Doch nicht nur Politiker wie Trump, auch die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) bedrohen die faktenbasierten Grundlagen der Wikipedia.
Zum 25-jährigen Bestehen funktioniert die Wikipedia weiterhin als "als kostenloser werbe- und trackingfreier sowie weitgehend skandalfreier Wissenslieferant" , wie wir bereits zum 20. Jubiläum schrieben . Vom Prozess der Enshittification(öffnet im neuen Fenster) , wie ihn der Netzaktivist Cory Doctorow bei vielen kommerziellen Plattformen beobachtet hat, ist das Lexikon bislang verschont geblieben.
Die folgende Behauptung trifft in Trumps zweiter Amtszeit wohl ebenfalls noch zu: "Der US-Präsident und seine Anhänger haben gewissermaßen eine Parallelwelt erschaffen, die fernab von einer faktenbasierten und möglichst neutralen Enzyklopädie existiert." In seiner Verachtung des Klimaschutzes(öffnet im neuen Fenster) bringt Trump die Wissenschaftsfeindlichkeit offen zum Ausdruck.
Die zunehmende Feindseligkeit zwischen den politischen Lagern macht es für Autoren nicht einfacher, einen akzeptierten neutralen Standpunkt zu formulieren. So gibt es sieben archivierte Diskussionsseiten(öffnet im neuen Fenster) über das Attentat auf den rechtskonservativen Aktivisten Charlie Kirk. Dessen Lemma wurde im Laufe der Diskussion mehrfach geändert.
Die faktenfreie Parallelwelt hat in den vergangenen Jahren mit der KI allerdings ein mächtiges technisches Werkzeug erhalten. Mit einem kurzen Prompt in einem der gängigen Chatbots oder einem Bildgenerator lassen sich gewünschte Inhalte problemlos generieren. Darunter vermutlich auch das von Trump gepostete Bild mit dem veränderten Wikipedia-Eintrag.
Musk baut sich seine eigene Enzyklopädie
Doch nicht nur das: Weil sich Tesla-Chef Elon Musk an den Inhalten der Wikipedia stört, hat er mit seinem KI-Chatbot Grok kurzerhand eine eigene Enzyklopädie online gestellt. Die Grokipedia verfügt inzwischen über mehr als 6 Millionen englischsprachige Artikel. Dazu brauchte die Wikipedia rund 20 Jahre(öffnet im neuen Fenster) . Die Inhalte von Musks Enzyklopädie sind jedoch alles andere als zuverlässig, wie eine Überprüfung durch Golem ergab .
Möglicherweise hat Musk der Wikipedia sogar einen Gefallen getan. Denn sein Schnellschuss zeigt, dass ein großes Sprachmodell (LLM) weiterhin nicht in der Lage ist, eine zuverlässige Wissensquelle aufzubauen. Doch andere Anbieter könnten vorsichtiger vorgehen und versuchen, eine Enzyklopädie ohne die antiliberalen Vorgaben eines Elon Musk aufzubauen sowie die Inhalte besser zu überprüfen.
Weiterhin große Nachfrage nach freiem Wissen
Denn es ist klar: Trotz KI-Übersichten von Suchmaschinen wie Bing und Google ist die Wikipedia immer noch eine der meistbesuchten Internetseiten der Welt. So verzeichnete allein die deutschsprachige Version im Dezember 2025 mehr als 750 Millionen Seitenaufrufe. "7,5 bis 9 Millionen Menschen haben 2025 täglich die deutschsprachige Wikipedia gelesen" , heißt es auf einer Infoseite zum Jubiläum(öffnet im neuen Fenster) .
Es könnte daher durchaus ein Geschäftsmodell darstellen, solchen Nutzertraffic abzugreifen. Zumal die Wikipedia ihre Inhalte weiterhin unter einer CC-Lizenz veröffentlicht und für kommerzielle Zwecke frei verfügbar macht. Andererseits dürfte es Anbietern wie OpenAI ausreichen, wenn Nutzer entsprechende Wissensanfragen direkt in Chatbots wie ChatGPT eingeben und dort eine Antwort erhalten.
Doch ein Angriff von KI-Modellen auf die Wikipedia birgt mehrere Gefahren, auch für die KI-Anbieter selbst.