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Der Dreamcast im Einsatz

Kritik gab es hier in erster Linie am Umfang: "Leider ist das Spiel an sich etwas kurz geraten, schon nach wenigen Tagen werdet ihr den Abspann sehen." Video Games vergab damals einen Platin-Award und eine Wertung von 90 Prozent.

Auch bei der Fun Generation reichte es für eine Goldmedaille und eine 90er-Wertung, wenngleich der Test im Heft lediglich eine Seite einnahm. Chefredakteur Mark Liebold urteilte: "Jet Set Radio ist von Kopf bis Fuß durchgestylt. Sei es das Gameplay oder die Grafik, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt."

Mega Fun war ebenfalls sehr angetan, vergab 89 von 100 Punkten sowie einen Gold-Game-Award. "Jet Set Radio ist ein Spiel, bei dem jedem Sega-Fan das Herz höher schlagen sollte. Innovatives Gameplay, ständig neue Herausforderungen und nicht zuletzt der motivierende Schwierigkeitsgrad machen diesen Titel zu einem Fest für Hardcore-Gamer."

Praxischeck mit der Dreamcast-Fassung

Doch kann das Original auch heute noch die Faszination ausüben, die es vor 25 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes "versprüht" hat? Um das herauszufinden, habe ich nach mehr als zwei Jahrzehnten meinen Sega Dreamcast wieder aus dem Schrank geholt und ein paar Runden gespielt.

Erste Erkenntnis: Gut, dass ich meine VGA-Box nie verkauft habe und für genau solche Zwecke noch einen Monitor mit passendem VGA-Anschluss besitze! Denn erst so kommt die knallige Cartoon-Optik von Jet Set Radio optimal zur Geltung.

Jet Set Radio – Trailer (Stay Tuned, Gameplay)
Jet Set Radio – Trailer (Stay Tuned, Gameplay) (00:28)

Auch der funkige Soundtrack von Hideki Naganuma geht dank Liedern wie Sneakman, Everybody Jump Around, Electric Toothbrush und Rock It On noch voll ins Ohr – so sehr, dass ich während der Recherche für diesen Artikel anfing, die komplette Jet-Set-Radio-Playlist auf Spotify rauf- und runterzuhören.

Doch nun zum eigentlichen Spiel. Es macht tatsächlich auch nach einem Vierteljahrhundert noch reichlich Spaß, ist in einigen Bereichen aber weniger gut gealtert als erhofft. Vor allem die Steuerung wirkt für heutige Verhältnisse streckenweise etwas unpräzise – insbesondere, wenn man zuletzt viel Zeit mit der Neuauflage von Tony Hawk's Pro Skater 3+4 verbracht hat.

Hinzu kommt eine streckenweise suboptimale Kameraführung, die regelmäßiges Nachjustieren erfordert. Auch die Ladezeiten der Dreamcast-Disk-Fassung sind für Gamer, die SSDs mit hohen Geschwindigkeiten gewohnt sind, zuweilen etwas anstrengend.

Zusammen mit den Laufwerkgeräuschen der Konsole sorgen sie jedoch für ein wohliges Retro-Nostalgiegefühl, das kein Emulator in dieser Form reproduzieren kann. Hat man sich erst einmal eingespielt, bekommt man schnell wieder Lust, alle 16 Missionen der Storykampagne nacheinander abzuhaken.

Einsteiger greifen besser zum Xbox-Sequel

Ich persönlich war so schnell im Jet-Set-Radio-Groove drin, dass ich mir noch am selben Abend den Xbox-Nachfolger, den ich damals nie gespielt hatte, auf Ebay bestellte. Das Sequel hört auf den Namen Jet Set Radio Future, spielt im Jahr 2024 und folgt einem sehr ähnlichen Grundkonzept wie der Vorgänger. Allerdings sind die Areale deutlich größer und wirken teilweise offener.

Wieder gilt es, sich einer Inlineskater-Bande namens GGs anzuschließen und das eigene Revier durch das Versprühen von Graffitis an vorgegebenen Orten abzustecken. Für Abwechslung sorgen Wettrennen gegen andere Gangmitglieder, die Jagd nach verborgenen Flaggen und regelmäßige Konfrontationen mit den örtlichen Sicherheitskräften.

Im Gegensatz zum Dreamcast-Original gelingt der Einstieg hier deutlich schneller, da die Steuerung optimiert, die Kameraführung verbessert und das Grinden vereinfacht wurden. Das Nachzeichnen von vorgegebenen Mustern mit dem Analogstick entfällt komplett und kann nun mit einem simpleren Knopfdruck erledigt werden.

In Kombination mit den weitläufiger designten Levels, der höheren Geschwindigkeit, dem Ausbleiben von Zeitlimits beim Erkunden der Umgebung und den weniger aggressiven Gegnern als im ersten Teil entsteht schnell ein Flow, der dem des anspruchsvolleren Originals überlegen ist.


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