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Spielerische Freiheit und viel Humor

Gleiches gilt für die Tempelanlage als begehbares Hauptmenü mit grauenvoller Navigation. Auch die Echtzeit-Strategie überzeugt heutzutage nicht mehr vollends. Ob beim Ressourcenmanagement, beim Dorfbau oder bei der Übernahme anderer Siedlungen: All das wirkt ambitioniert, aber auch langatmig.

Trotzdem strotzt Black & White vor Charme und Witz. Das gilt für meine Berater, die Quests und die spielerischen Freiheiten: Mein Verhalten färbt auf die Spielwelt und auch auf die Kreatur ab. Meine Entscheidungen machen einen Unterschied!

Beeindruckt bin ich von der Physik-Engine des Spiels. An einer Stelle plätte ich ein Haus mit einem gewaltigen Felsen, um die Dorfbewohner zu beeindrucken und in meinen Bann zu ziehen. Nun, vielleicht steckt doch ein böser Gott in mir ...

Tamagotchi à la Molyneux

Die Kreatur selbst erachte ich aus heutiger Sicht als ein erstaunliches Stück Gameplay-Geschichte. Sie erinnert an das Hosentaschenhaustier Tamagotchi. Übrigens, an der Entwicklung war unter anderem der spätere KI-Forscher und Nobelpreisträger Demis Hassabis(öffnet im neuen Fenster) maßgeblich beteiligt.

Ich muss meinen Affen füttern, ihm Wasser geben und ihn mit Spielzeugen beschäftigen. Letzteres sollte im später veröffentlichten Add-on Insel der Kreaturen noch eine größere Rolle spielen.

Viel wichtiger sind jedoch die direkte Interaktion und zugleich das eigenständige Handeln des Titans. In dem einen Augenblick freue ich mich darüber, wie das monströse Wesen Dinge nachahmt, die ich ihm mühsam vormache: Bäume ausrupfen und ins Lager werfen.

Später zeige ich ihm, wie man Wunder wirkt, oder schicke ihn gegen andere Kreaturen ins Gefecht. So entsteht eine erstaunliche Bindung und die Erfolgserlebnisse fühlen sich groß an.

Gleichzeitig schimpfe ich lauthals vor dem Bildschirm, wenn mein Riesenprimat ertrinkende Menschen nicht rettet, sondern auffrisst! Da helfen nur ein paar deftige Backpfeifen als Erziehungsmethode, nach denen ich mich schlecht fühle.

Zugegeben, so faszinierend und visionär die KI-Kreatur auch sein mag, so fummelig und verzögert ist mitunter die Steuerung. Auch das Verhalten ist nicht immer vollständig nachvollziehbar.

Fazit: Göttlich, aber nicht perfekt

Auch 25 Jahre nach dem Erscheinen von Black & White macht es überraschend viel Spaß, ein bisschen Gott zu spielen. Nachdem ich mich durch die fummelige Steuerung gearbeitet habe, entfaltet der Genremix seine ganze Faszination.

Ich kann auch heute noch nachvollziehen, woher der Hype kam, der Black & White um die Jahrtausendwende umgab. Das Projekt ist ambitioniert, detailverliebt und humorvoll, und bisweilen herrlich britisch verschroben.

Black & White war damals mutig und fühlt sich noch heute besonders an. Das gelingt nicht vielen Spielen. Perfekt ist die Göttersimulation nicht, doch gerade die Ecken und Kanten machen einen Teil des Charmes aus.

Vielleicht ist es dieses Spannungsfeld aus Vision und Unvollkommenheit, das Black & White bis heute so erinnerungswürdig macht.


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