Zum Hauptinhalt Zur Navigation

20 Jahre Warcraft 3: Als Blizzard noch fantastische Spiele machte

Der dritte Teil der Warcraft -Saga feiert 20. Geburtstag - und hat uns beim Wiederspielen orkisch viel Spaß gemacht.
/ Andreas Altenheimer
70 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Artwork von Warcraft 3 (Bild: Blizzard)
Artwork von Warcraft 3 Bild: Blizzard

Meine Erinnerungen an das Spielejahr 2002 sind gemischt. Meilensteine wie Metroid Prime, The Legend of Zelda: The Wind Waker oder Tom Clancy's Splinter Cell hoben die Messlatte der technisch sowie spielerisch herausragenden Titel weit in die Höhe. Nie zuvor wirkten 3D-Spiele derart ausgereift und professionell.

Gleichzeitig erschienen mir diese Titel wie glattgebügelt und deshalb irgendwie unpersönlich. Gerade so, als ob hinter all der ausgereiften Technik der unbeschwerte Spielspaß eines Super Mario Bros , eines Tetris oder eines Doom auf der Strecke geblieben wäre.

Dieser Eindruck traf auch auf Warcraft 3: Reign of Chaos zu, was in meinem persönlichen Fall überdies dem Genre geschuldet ist. Schließlich waren Echtzeit-Strategiespiele nie meine große Passion, weshalb ich zum damaligen Zeitpunkt nur das erste Command & Conquer (1995) ausführlich gespielt hatte.

Doch Warcraft? Nein, die Fantasy-Saga des kalifornischen Entwicklerstudios Blizzard ging nie wirklich an mich ran.

Das soll aber nicht heißen, dass ich kurz vor der Veröffentlichung des dritten Teils keinen Hype verspürt hätte. Ganz im Gegenteil, denn die Fachpresse von Gamestar bis PC Games war völlig aus dem Häuschen. Man lobte Warcraft 3 in den höchsten Tönen und urteilte einheitlich mit Rekordwertungen jenseits der magischen 90-Punkte-Grenze.

Noch etwas ließ mich aufhorchen: Warcraft 3, so schrieben die Tester, habe eine richtig starke Geschichte und viele Spielelemente, die weit über den Tellerrand des Genres blickten. Am Ende wurde der Titel gar als Strategie-Rollenspiel-Hybrid bezeichnet. Mein Interesse war endgültig geweckt.

In der Tat spielte ich Warcraft 3 deutlich länger als andere Genre-Vertreter. Trotzdem kann ich mich heute nur vage an Details erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich ungefähr die Hälfte aller Kampagnenmissionen absolvierte und tatsächlich mehr als ein schnödes Echtzeitstrategiespiel zu Gesicht bekam.

Doof nur, dass Warcraft 3 gleichzeitig ein enormer Zeitfresser war und ich bereits 2002 aufgrund der immer größeren Auswahl einfach nicht mehr alles ausführlich spielen konnte, was Rang und Namen hatte.

Die ein Jahr später veröffentlichte Erweiterung The Frozen Throne weckte dank der astronomischen 94-Punktwertung von Gamestar(öffnet im neuen Fenster) ebenfalls meine Neugier. Doch letztlich schaute ich mir das Add-on nicht einmal mehr an, auch wegen meines Einstiegs in den Spielejournalismus. Ab da war es nämlich bei mir damit vorbei, derart umfangreiche Titel privat zu zocken.

Reklame

Asmodee | Days of Wonder | Small World of Warcraft | Kennerspiel | Brettspiel

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Trotzdem habe ich Warcraft 3 nie vergessen und parkte es in meiner internen Bestenliste der Spiele, denen ich unbedingt noch einmal eine Chance geben muss. Entsprechend freute ich mich vor einigen Jahren über die Ankündigung der Neuauflage Warcraft 3 Reforged , die leider böse floppte. Nein danke, auf so ein liebloses Remaster kann ich getrost verzichten!

Warcraft 3 - Intro
Warcraft 3 - Intro (02:15)

Also bleibe ich für meine Wiederspielrunde lieber dem Original treu, hole passend zum 20. Geburtstag die alte DVD meiner Collector's Edition aus dem Archiv und erlebe sogleich eine äußerst positive Überraschung.

Beinahe Plug and Play

Mein Retrotrip beginnt ohne Stolperstein: Die Installation funktioniert einwandfrei, ich benötige nicht einmal einen Patch, damit Warcraft 3 auf meinem aktuellen Windows-10-System läuft.

Einziger Wermutstropfen: Ich muss auf den Fenstermodus verzichten, den ich gerade bei älteren Spielen bevorzuge. Somit wird das Bild zwangsweise auf die komplette Größe meines 55-Zoll-Fernsehers gestreckt, an den ich meinen PC angeschlossen habe.

Azeroth sieht eckig aus

Warum das ein Problem ist? Ganz einfach: Das Spiel entstand zu einer Zeit, in der man als PC-Nutzer vor Röhrenmonitoren mit einer Größe von 15 bis allerhöchstens 22 Zoll saß. Entsprechend war die Grafik für eine viel kleinere Fläche optimiert.

Zwar unterstützt Warcraft 3 immerhin eine Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixeln. Allerdings wirken die Figuren, Gebäude und Bäume trotzdem um ein Vielfaches eckiger als noch vor 20 Jahren.

Überhaupt merkt man Warcraft 3 optisch sofort sein Alter an, weil es sich wie der Prototyp des Online-Rollenspiels World of Warcraft (2004) anfühlt. Besonders hin- und hergerissen bin ich von der knallbunten Farbpalette, die ich schon anno 2002 für dezent übertrieben hielt.

Dieser Umstand fällt umso unangenehmer auf, weil ich vor nicht allzu langer Zeit den ersten Teil der Serie nachgeholt habe. Der sieht kurioserweise dank seiner liebevollen Pixeloptik nach all der Zeit besser aus. Oder anders ausgedrückt: Man merkt, dass der Vorgänger seine alte 2D-Technik bis zum Anschlag ausreizt, während Warcraft 3 eher wie ein 3D-Experiment anmutet.

Doch das sei gleich hinterher gesagt: Die eckige Grafik ist das einzige Problem, das mir am Geburtstagskind auffällt. In spielerischer Hinsicht erlebe ich in den folgenden Spielstunden zahlreiche Aha-Momente, die Warcraft 3 zu einem zeitlosen Meisterwerk machen.

Schon das Tutorial zeigt wunderbar, wie ausgefeilt Blizzard gearbeitet hat und warum der Entwickler einst einen unantastbaren Ruf besaß. Dazu muss man wissen: Gerade zur Jahrtausendwende waren solche Einführungen ein zweischneidiges Schwert.

Einerseits wurden Spiele immer komplexer. Andererseits wuchsen der Massenmarkt und die Menge an Casual-Spielern, die eben nicht den ganzen Tag vor dem Monitor klebten. Entwickler wurden mehr und mehr mit dem Problem konfrontiert, eine verständliche Erklärung aller wichtigen Spielmechaniken präsentieren zu müssen, ohne die Profizocker direkt mit generischen Aufgaben zu langweilen.

In Warcraft 3 funktioniert das Tutorial aber schon deshalb, weil es verdammt gut geschrieben ist. Somit ist es für Profis kein Problem, die altbekannten Steuerungselemente zum hundertsten Mal vorgekaut zu bekommen. Hauptsache, die Texte sind gut formuliert, die Handhabung ist logisch und der Spielfluss wird zu keinem Zeitpunkt unnötig gebremst.

Mehr Abenteuer als taktisches Geplänkel

Folgerichtig merke ich von der ersten Minute an, warum Warcraft 3 damals etwas Besonderes war - und wohlgemerkt heute noch ist. Mir fällt jedenfalls kein anderes Echtzeit-Strategiespiel ein, das sich in puncto Atmosphäre und Story so sehr wie ein Rollenspiel oder Adventure anfühlt.

Bereits Arthas, der zentrale Held der Menschenkampagne, wirkt bemerkenswert authentisch und plastisch, während ich ihn mit wenigen Mausklicks durch die Missionen dirigiere.

Reklame

Asmodee | Days of Wonder | Small World of Warcraft | Kennerspiel | Brettspiel

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Ich schnetzle gemeinsam mit meinen Gefolgsleuten ein paar Orks und rede zwischendurch mit einem Dorfbewohner, um eine kleine Nebenquest anzunehmen. Ab und an hinterlassen die Gegner einen Trank oder Ausrüstungsgegenstände, die ich jederzeit benutzen darf. Natürlich sammelt Arthas Erfahrungspunkte, mit denen er in den Levels aufsteigen und neue Fähigkeiten erlernen kann.

Immer wieder wird das Geschehen von großartig geskripteten Zwischensequenzen unterbrochen, die stets eine Bereicherung statt eine Störung des Spielflusses darstellen. Die Steuerung ist ebenfalls kein Problem, ich habe sie sofort verinnerlicht, obwohl ich hier vor einem 20 Jahre alten Spiel sitze.

Warcraft 3: Missionsdesign und Fazit

Der Zyniker in mir sagt natürlich: Wieso sollte ein Strategiespiel von 2002 irgendwelche Schwierigkeiten beim Bewegen von Einheiten oder Errichten neuer Gebäude bereiten? Schließlich hatte der Science-Fiction-Konkurrent Command & Conquer bereits sieben Jahre zuvor nahezu alle wichtigen Steuerungsmechanismen etabliert, die dem Genre zu seiner Größe verholfen haben.

Doch Warcraft 3 geht weit darüber hinaus und überrascht mit einem sensationell gut ausgearbeiteten Missionsdesign.

Der Hauptgrund, warum mich viele Echtzeit-Strategiespiele so kaltgelassen haben, war die sich schnell einstellende Monotonie. Oft hieß es einfach nur: Lager errichten, Lager ausbauen, Armee aufbauen und ran den Feind - natürlich mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad.

Das erste Warcraft peppte dieses Prinzip geschickt mit seinen Magiern auf, die bereits einen Hauch von Rollenspiel einführten. Warcraft 3 macht das aber noch viel besser und verblüfft in regelmäßigen Abständen mit neuen Spielelementen.

Da sind beispielsweise die Schemen, die ihr Debüt in der ersten Mission der Untoten-Kampagne feiern. Sie sind unsichtbar, können nicht kämpfen und erscheinen auf den ersten Blick völlig unnütz.

Allerdings sind sie die perfekten Späher, mit denen ich die Positionen meiner Feinde ausmachen kann. Das wiederum ist bitter nötig, denn ich selbst besitze nur drei Einheiten und muss Konfrontationen bestmöglich aus dem Weg gehen. Deshalb fühlt sich die Mission fast schon wie ein Schleich-Action-Adventure à la Metal Gear Solid an.

Abschließend ein Geständnis: Erneut fehlt es mir an Zeit, das epische Warcraft 3 in seiner ganzen Pracht durchzuspielen. Trotzdem möchte ich meine Neugierde zumindest in einem Punkt befriedigen und austesten, was die späteren Kampagnen rund um die Orks und die Nachtelfen zu bieten haben. Also schummele ich und lade mir aus dem Netz einen finalen Spielstand runter, dank dem ich jede beliebige Mission ausprobieren darf.

Warcraft 3 Classic und Warcraft 3 Reforged im Vergleich
Warcraft 3 Classic und Warcraft 3 Reforged im Vergleich (08:13)

Selbst für die Nachtelfen hat sich Blizzard einige interessante und motivierende Eigenheiten einfallen lassen. So ist das zentrale Gebäude der Baum des Lebens, den ich wie jede normale Einheit bewegen und an einer beliebigen Position im Boden verwurzeln kann! Das ermöglicht im Vergleich zu den anderen Kampagnen neue taktische Optionen und macht zudem optisch einiges her, weil der Baum richtig gut animiert durch die Gegend stiefelt.

Reklame

Asmodee | Days of Wonder | Small World of Warcraft | Kennerspiel | Brettspiel

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Fazit: Fantastisch gealtert

Ich probiere weitere Missionen aus und kann am Ende einfach nur bekräftigen: Meine Güte, ist Warcraft 3 gut gealtert! Abseits der arg eckigen Polygonfiguren kann sich das Strategiespiel heute noch prächtig behaupten und wirkt aufgrund seiner vielen Rollenspielanleihen nach wie vor höchst originell.

Das Spiel lebt von einer wunderbaren Kombination aus bewährten und mutigen Ideen. Hinzu kommt eine hervorragend geschriebene Story, die selbst vor überraschenden Plottwists nicht zurückschreckt.

Umso mehr frage ich mich, warum Blizzard ausgerechnet diesen Kracher derart sabotiert und seine Fans mit dem bemerkenswert lieblosen Reforged bestraft hat. Denn eigentlich bräuchte es nicht viel, um den Klassiker fachgerecht aufzumöbeln - schließlich ist das meiste davon nach wie vor herausragend.

Zum Glück läuft Warcraft 3 tadellos auf modernen PC-Systemen und ist für wenige Euro auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Eventuell benötigt man noch ein Laufwerk, um die Original-DVD überhaupt installieren zu können.

Doch wenn man darüber verfügt, steht dem Spielspaß nichts im Weg und man kann diesen ultimativen Klassiker der Strategie-Rollenspiele genauso genießen wie vor 20 Jahren. Es lohnt sich!

Mitarbeit: Benedikt Plass-Fleßenkämper


Relevante Themen