20 Jahre Serenity: Die enttäuschte Hoffnung auf ein Firefly-Franchise
Nach seinen Erfolgen mit Buffy – Im Bann der Dämonen und Angel – Jäger der Finsternis sollte die Serie Firefly Joss Whedons dritter Serienhit werden. Die Realität sah jedoch anders aus: Die Serie wurde nach einer halben Staffel abgesetzt – feierte dann aber auf DVD ein überraschendes Comeback.
Fans organisierten sich, fragten in Läden nach der Box und kauften häufig mehrere Exemplare, um sie im Freundeskreis zu verschenken. Das zeigte, dass es Interesse an Firefly gab, und dass in dem Stoff vielleicht noch Leben steckte.
Für Whedon war das Anlass genug, an einem Film zu arbeiten. Serenity kam am 24. November 2005 in die deutschen Kinos und sollte an den späten Erfolg von Firefly anknüpfen, sogar eine Trilogie werden. Spoiler: Daraus wurde nichts, aber woran lag's?
Worum ging es bei Firefly?
Die Serie spielte 500 Jahre in der Zukunft. Die abtrünnige Crew des kleinen Raumschiffs Serenity (der titelgebenden Firefly-Klasse) versuchte, zu überleben, während sie die unbekannten Teile der Galaxie bereiste und vor kriegerischen Fraktionen sowie Behördenagenten, die sie zurückholen sollten, floh.
Dass die Serie kein Ende bekam, sogar schon nach einer halben Staffel wegen schlechter Quoten abgesetzt wurde, lag zum Teil am Sender Fox, der die Folgen nicht in der angedachten Reihenfolge ausstrahlte. Whedon versuchte, noch bevor die Sets demoliert wurden, einen anderen Sender für die Fortführung der Serie zu begeistern – ohne Erfolg.
Er arbeitete dennoch an einem Drehbuch für einen Film. Bei Fox gab es kein Interesse, wohl aber bei Mary Parent, die zu jener Zeit President of Production bei Universal Pictures war. Sie war ein Fan von Whedons Arbeiten und wollte ein gemeinsames Projekt angehen. Auf die Frage, was er denn machen wolle, antwortete er nur: "Firefly."
Parent war bereit, einen Film zu produzieren, hatte aber eine klare Vorgabe. Das Skript musste so gestaltet sein, dass der Film auch von jedem verstanden werden konnte, der keine einzige Folge der Serie gesehen hatte.
Die Vorproduktion
Im September 2004 gab es die offizielle Ankündigung für Serenity – Flucht in neue Welten. Universal hatte die Filmrechte von 20th Century Fox erworben und erwartete einen Mid-Range-Hit im Kino und einen großen Verkaufsschlager auf DVD.
Whedon nutzte für den Film seine Ideen für die nicht produzierte zweite Staffel(öffnet im neuen Fenster) . Er fand einen Weg, nicht nur eine Geschichte zu erzählen, die neue Zuschauer verstanden, sondern auch offene Handlungsstränge zu einem Abschluss zu bringen.
Das einzige Problem: Das Skript war mit 190 Seiten viel zu lang und darum auch viel zu teuer. Zusammen mit dem Produzenten Barry Mendel machte er sich daran, das Drehbuch auf eine vertretbare Länge zu kürzen. In der Geschichte ging es nun darum, dass die Crew der Serenity versucht, einem Attentäter zu entgehen, der geschickt wurde, um ein Crewmitglied mit telepathischen Fähigkeiten zu entführen.
Whedons filmisches Regiedebüt
Die Dreharbeiten begannen lange vor der offiziellen Ankündigung, im Juni 2004. Regie führte Whedon selbst, der zuvor nur Serienepisoden inszeniert hatte. Mit dabei war die komplette Besetzung der Serie.
Ein Problem war jedoch, den Look der Serie auf den Film zu übertragen. Denn die Sets waren vernichtet und Designunterlagen nicht mehr vorhanden. Allerdings hatte Hauptdarsteller Nathan Fillion am Ende der Serie sowohl die Sets als auch Unterlagen fotografiert – als Memento an Firefly. Mit Hilfe dieser Fotos konnte das Interieur der Serenity exakt nachgebaut werden.
Weniger Geld als erwartet
Bei Universal Pictures wurde zunächst mit einem Budget von 100 Millionen US-Dollar gerechnet – zu viel für das Studio. Es musste also gespart werden. Von ursprünglich anvisierten 80 Drehtagen blieben nur noch 50, vom Budget nur noch 39 Millionen US-Dollar.
Auch Auslandsdrehs wurden gestrichen, weil Whedon lieber in den USA blieb(öffnet im neuen Fenster) . Die Dreharbeiten starteten auf dem Templin Highway im Angeles National Forest, weitere Drehs fanden im Sand Canyon in Borrego Springs, in der Diamond Ranch High School und in der Huntington Library in San Marino statt. Die Innenaufnahmen wurden vor allem in den Universal Studios absolviert.
Herausfordernd waren dabei vor allem die elaborierteren Actionszenen, bei denen nicht nur die Schauspieler(öffnet im neuen Fenster) , sondern vor allem die Stuntmen gefragt waren. Fillion ließ es sich aber nicht nehmen, in einem Faustkampf selbst zu agieren.
Die Nachproduktion
Der Kinostart in den USA war für den 30. September 2005 anvisiert. Das ließ relativ wenig Zeit für die umfangreiche Nachproduktion, bei der einige CGI-Künstler am Werk waren. Um deren Aufwand etwas zu verringern, wurde aber schon während der Dreharbeiten versucht, so viel wie möglich direkt vor der Kamera umzusetzen.
Der Schnitt machte Lisa Lassek, die schon an Buffy und Firefly gearbeitet hatte und danach zum Kino gewechselt war. Auf den Komponisten der Serie musste Whedon aber verzichten, da dieser nur Serienerfahrung hatte, Universal aber auf einem Künstler bestand, der schon Filme vertont hatte. Die Wahl fiel auf Carter Burwell, der das Projekt jedoch verließ. An seine Stelle trat David Newman (Critters, Galaxy Quest ).
Für die Werbekampagne dachte sich Whedon etwas Besonderes aus und drehte fünf Kurzfilme unter dem Titel Session 416(öffnet im neuen Fenster) , die in körnigem Schwarzweiß etwas über den Background der von Summer Glau gespielten River preisgaben. Sie wurden online veröffentlicht.
Whedon hatte auf einen Erfolg gehofft und dem Film zwar ein Ende gegeben, aber eines, das Platz für zwei weitere Teile gelassen hätte, um so eine Trilogie zu erschaffen. Alle Pläne in diese Richtung zerschlugen sich jedoch, als Serenity in die Kinos kam.
Denn der Film wurde nicht der erhoffte Erfolg. Im Gegenteil: Er floppte. In den USA spielte er 25 Millionen, im Rest der Welt 15 Millionen US-Dollar ein.(öffnet im neuen Fenster) – viel zu wenig, als dass eine Fortsetzung sinnvoll gewesen wäre. Denn man darf nicht vergessen: Auf das Budget müssen noch die Kosten für das Marketing dazugerechnet werden und vom Kino-Einspiel landen lediglich gut 50 Prozent beim Studio.
Serenity ging also den Weg von Firefly – ein Stoff, der von einigen wenigen Fans abgöttisch verehrt wurde, es aber nicht schaffte, ein großes Publikum für sich zu interessieren.
Lesetipp: Es lebe Firefly von Reinhard Prahl und Thorsten Walch



