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Verkaufsstart von Windows 95 am 24. August 1995 in Sydney
Verkaufsstart von Windows 95 am 24. August 1995 in Sydney (Bild: Torsten Blackwood/AFP/Getty Images)

20 Jahre im Einsatz: Lebenserhaltende Maßnahmen bei Windows 95

Verkaufsstart von Windows 95 am 24. August 1995 in Sydney
Verkaufsstart von Windows 95 am 24. August 1995 in Sydney (Bild: Torsten Blackwood/AFP/Getty Images)

Treiber und Batterien statt Sauerstoffmaske und Defibrillator: Für Systemadministratoren ist es nicht einfach, das 20 Jahre alte Windows 95 am Leben zu erhalten, wie unser Leser Kai Hofmann erklärt.

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In unserer Firma benutzen wir alte Etikettendruckmaschinen. Die Geräte haben Zehntausende D-Mark gekostet und laufen noch mit Windows 95. Eine Handvoll Rechner sind das, auf denen eigenentwickelte Programme zur Steuerung der Maschinen ausgeführt werden. Die Arbeit mit den Uraltrechnern ist nicht immer einfach. Doch eine Neuanschaffung kostet viel Geld, deshalb halten wir die Geräte mit Windows 95 am Leben. Auch wenn das nicht immer einfach ist.

Abstürze, Treiberprobleme und Anschlussschwierigkeiten

Unsere Rechner mit Windows 95 stürzen zum Beispiel oft während der Arbeit ab. Die Ursache lässt sich selten herausfinden. Womöglich liegt es an einer Überlastung des Systems.

Dazu kommt, dass manche Programme nur teilweise kompatibel mit dem Betriebssystem sind. Zum Teil sind sie für uns entwickelt worden, oder es sind neue Programme anderer Hersteller. Wenn mal ein Teil kaputtgehen sollte, dann haben wir ein Problem. Ersatzteile für einen 386er? Fehlanzeige.

Auch bereiten uns fehlende Treiber Sorgen. Zum Beispiel solche, die wir für Drucker brauchen, um korrekte Labels zu erstellen. Es ist nicht einfach, mal eben so ein serielles Kabel anzuschließen. Der Windows-95-Rechner erkennt zwar den Anschluss, aber eben nicht das Gerät.

Mit etwas Glück bringt uns ein Anruf beim Hersteller des Geräts weiter. Der hat manchmal noch die Treiber für Windows 95 in seinem Archiv.

Keine 32 Disketten, aber ein CD-ROM-Treiber

Manchmal kommen wir an einer Neuinstallation von Windows 95 nicht vorbei. Uns graut es jedes Mal davor. Zwar braucht man heute keine 32 Disketten des Betriebssystems mehr wie damals, dafür wird ein CD-ROM-Treiber benötigt. Das Problem: Windows 95 löscht bei einer Neuinstallation den Treiber immer dann, wenn es die Festplatte formatiert.

Das lässt sich mit einer Formatierung über die grafische Oberfläche umgehen. Aber nur bei einer Formatierung von Laufwerken, auf denen nicht das Betriebssystem installiert ist. Übrigens: Einige unserer Mitarbeiter waren sich in der Vergangenheit nicht immer darüber bewusst, dass eine Wiederherstellung der Daten nach der Formatierung fast unmöglich ist. Eine weitere Herausforderung für uns Sysadmins.

Ein Antivirenschutzprogramm haben wir auf unseren Windows-95-Rechnern übrigens nicht installiert. Wir stellen uns die Frage, ob aktuelle Schadsoftware überhaupt noch auf solchen Geräten läuft. Vermutlich nicht. Außerdem gehen wir mit den Rechnern nicht ins Netz.

Es ist nicht alles schlecht

Bei allen Problemen: Unter Windows 95 ist es noch relativ einfach, Änderungen am Betriebssystem vorzunehmen oder es zu optimieren - vorausgesetzt, man kennt sich mit den Ini-Dateien aus. In der Registry moderner Betriebssysteme muss man sich zwar ebenfalls auskennen, allerdings wird, wenn man über die grafische Oberfläche etwas anpasst, oftmals nur dieser bestimmte Eintrag oder Wert geändert.

Ein weiterer Vorteil von Windows 95: Das Betriebssystem ist nicht so überfrachtet. Es hat das Startmenü, das Kontextmenü und die Taskleiste. Mehr nicht. Windows 95 ist somit leicht zu bedienen.

Plug and Play

Ein weiterer positiver Aspekt für uns ist, dass Windows 95 die Hardware per Plug and Play automatisch erkennt. Zumindest ältere Hardware wie zum Beispiel einen Zebra-Etikettendrucker. Zeitaufwendig wird es nur, wenn wir die Config-Dateien anpassen müssen, so dass Hardware und Software miteinander kommunizieren können.

Wenn die Batterie rausgelötet werden muss

Ach so: Die Batterie auf dem Mainboard, die Einstellungen im Bios speichert, ist auf alten Mainboards fest verlötet. Darum müssen wir die Batterie, wenn sie ausfällt, umständlich herauslöten.

Und wir haben kürzlich Rechnungen für 16-MByte-Arbeitsspeichererweiterungen gefunden. Über 1.000 D-Mark hat ein Speicherriegel damals gekostet. Heutzutage unvorstellbar.

Windows 95 arbeitet übrigens nicht so gern mit großen Festplatten. Das ist eine weitere Herausforderung für uns, da Etikettenprogrammsicherungen, die wir machen, oftmals verloren gegangen sind. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich - einfach eine kleinere Festplatte einbauen, oder aber Datensicherung auf einem externen Medium durchführen.

Gelöschte Dateien sind nicht gleich verloren

Auch Mitarbeitern, die bei uns im Unternehmen Etikettenprogramme aus Versehen gelöscht haben, konnten wir helfen. Unter Windows 95 gibt es, wie bei folgenden Betriebssystemen von Microsoft, die Möglichkeit, sich die gelöschten Sicherungen oder Dateien aus dem Papierkorb wiederzuholen.

Das Arbeiten mit Windows 95 macht auch heutzutage, trotz kleiner Hürden, immer noch Spaß. Und für unser Unternehmen ist das Betriebssystem noch von großer Bedeutung.

Der Autor arbeitet als Systemadministrator in einem mittelständischen Unternehmen. Um keine Firmengeheimnisse preiszugeben, wurde der Name des Autors geändert und auf eine Bildergalerie verzichtet.


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EveDistelmeyer 03. Sep 2015

... ist ein Dinosaurier der eigentleich schon längst begriffen haben müsste, daß er...

demonkoryu 01. Sep 2015

Virtualisierung ist das Vorgaukeln eines physikalischen Rechners durch Software. Ob Voll...

_2xs 01. Sep 2015

Die Frage hat sich mir auch gestellt. Wenigstens die 50,- ¤ für nen gebrauchten Pentium I...

Komischer_Phreak 31. Aug 2015

Die Rechner sind nicht am Netz und somit nicht auf der Domäne. Die Neuistallation von 95...

Komischer_Phreak 31. Aug 2015

Schwachsinn. Das zeigt nur, das Du nach Lehrbuch gehst und von realen Umgebungen keine...



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