Abo
  • Services:
Anzeige
1996 erschien die erste Version von ICQ.
1996 erschien die erste Version von ICQ. (Bild: Tatiana Bolshakova/CC-BY 2.0)

20 Jahre ICQ: Uh-oh, ich kann mich nicht trennen

1996 erschien die erste Version von ICQ.
1996 erschien die erste Version von ICQ. (Bild: Tatiana Bolshakova/CC-BY 2.0)

Vor 20 Jahren erschien mit ICQ einer der erfolgreichsten Chatdienste. Es veränderte das Kommunikationsverhalten einer Generation - auch das unseres Autors.
Von Eike Kühl

Allein dieser Sound. Ein piepsiges Uh-oh!, als würde ein Teletubby in den Computerboxen leben und sich immer erschrecken, wenn eine neue Chatnachricht kommt. "Uh-oh!", ein Ton, der nach neunziger Jahren klingt wie die Vengaboys, nach ISDN, nach Napster und Röhrenbildschirmen. "Uh-oh!", das ist der Sound von ICQ, einem der ersten Instant-Messenger im Internet, der jetzt seinen 20. Geburtstag feiert. Ja, wirklich: ICQ gibt es noch! Ich muss es wissen, ich nutze es selbst.

Anzeige

Am 15. November 1996 erschien die erste Version von ICQ, das für das englische I seek you, ich suche dich, steht. Vier israelische Studenten hatten es für ihr Startup Mirabilis entwickelt und kostenlos im Internet angeboten. Die Idee: Alle Nutzer sollten eine einzigartige Nummer erhalten, dank der sie von anderen im Netz gefunden werden konnten, um miteinander zu chatten. Natürlich gab es schon lange vor ICQ Online-Chatdienste, doch sie waren vor allem erfahrenen Benutzern vorbehalten. ICQ dagegen brachte Instant-Messaging vielen neuen Internetnutzern nahe und beeinflusste damit das Kommunikationsverhalten einer ganzen Generation.

Meiner Generation.

Denn ICQ war, mit dem wenig später veröffentlichten AOL Instant Messenger (AIM), gewissermaßen das Whatsapp der neunziger Jahre. Wer wie ich und meine Freunde vom Lande zwischen 1997 und 1998 als Teenager online ging, erhielt plötzlich ungeahnte Möglichkeiten. Handys waren noch nicht sehr verbreitet, Pager schon gar nicht. Wer etwas von den anderen wollte, musste entweder über das Festnetz anrufen oder kurz "rumkommen", wie es hieß. ICQ änderte das. Plötzlich saßen wir alle vor unseren Rechnern in den Jugendzimmern und unterhielten uns. In Echtzeit, egal ob morgens vor der Schule oder abends nach dem Fußballtraining. Ohne dass uns Mutter von der Strippe im Hausflur holen wollte. Wie geil war das denn?

Hallo, Netzkultur!

Als meine Freunde und ich ICQ entdeckten, war Mirabilis bereits einer der gefragtesten Namen der Dotcom-Branche. Denn ICQ wuchs schnell. 1998, nur zwei Jahre nach dem Start, gab es alle drei Wochen etwa eine Million neue Nutzer. Im Juni des Jahres übernahm AOL das Unternehmen für einen Preis von 407 Millionen US-Dollar - damals eine wahnsinnige Summe für einen Dienst, der praktisch keinen Umsatz machte. Zum Vergleich: Als Facebook vor zwei Jahren Whatsapp für 19 Milliarden US-Dollar übernahm, war das vergleichsweise unspektakulär, obwohl Whatsapp ebenfalls kein Geld einbringt.

Mit ICQ kam nicht nur eine neue Form der Echtzeitkommunikation in unser Leben, sondern auch die Netzkultur. Meine Kumpels und ich schrieben nicht mehr "Tschüss", sondern "cu", das hatten wir irgendwo aufgeschnappt, das machten die coolen Leute im Netz so. Wo heute reihenweise tränenlachende Emojis verschickt werden, schrieben wir "lol", seltener "rofl", und wenn es wirklich überhaupt nicht witzig war, auch mal ein ironisches "atomrofl". Das Symbol mit der kleinen, grün-roten Blüte war in unseren Windows-Taskbars ebenso verankert wie der Browser oder der Musikplayer Winamp. Wer nicht "on" in ICQ war, musste wirklich gute Gründe haben.

Wir lernten, dass ICQ eine ganz neue Netiquette mit sich brachte: Wer seinen Status auf "away" setzte, war vielleicht nur mal kurz draußen im Garten und kam bestimmt gleich wieder, bei "not available" konnte eine Antwort schon mal etwas länger dauern, "do not disturb" war als wichtigtuerisch verpönt. Der Statustext wiederum bekam eine eigene Bedeutung: Wo war Julian wirklich, wenn plötzlich "Kippen kaufen" in seinem ICQ stand, obwohl er gar nicht rauchte? War René tatsächlich nicht online oder bloß für seine Kontakte "invisible", weil er keinen Bock hatte zu chatten? Ging er gar jemandem aus dem Weg? Und wie lang durfte eine Antwort durchschnittlich dauern, bevor der andere beleidigt war? Ausreden à la "habe ich nicht gelesen" galten in ICQ ebenso wenig wie heute in Whatsapp. Mit dem Instant-Messaging erfuhren wir eine neue Form sozialen Drucks.

'Kannst du mir meine Nummer schicken?' 

eye home zur Startseite
Neuro-Chef 21. Nov 2016

Ich fand's damals auch besser als heute mit dem Smartphone-Schwerpunkt. Und weil es nun...

Clown 21. Nov 2016

72875043, PW auf Anhieb richig geraten. Online war keiner ;) Hach, das waren noch...

Neuro-Chef 21. Nov 2016

Saugute Idee, ich werde nun nostalgischerweise das gleiche mit dem MSN-Ton machen :D

Neuro-Chef 21. Nov 2016

Wie blöd habe ich das damals zu Schulzeiten genutzt! Die gute, alte Zeit.. *schnief*

simonmobil 19. Nov 2016

Lediglich marginal verrückt ;) jedoch grundlegend korrekt von dir erkannt. #earth



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Robert Bosch GmbH, Abstatt
  2. ibau GmbH, Münster
  3. Vodafone GmbH, Düsseldorf
  4. Cassini AG, verschiedene Standorte


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-17%) 49,99€
  2. 12,99€
  3. ab 59,95€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       


  1. Luftfahrt

    Fliegendes Motorrad Kitty Hawk Flyer hebt ab

  2. Seagate

    Rugged-Festplatte enthält SD-Kartenleser für Drohnen

  3. Grafikkarte

    Manche Radeon RX 400 lassen sich zu Radeon RX 500 flashen

  4. Amazon

    Phishing-Kampagne ködert mit Datenschutzgrundverordnung

  5. Linux-Distribution

    Opensuse ändert erneut sein Versionsschema

  6. Ronin 2 und Cendence

    DJI präsentiert neuen Kamera-Gimbal und Drohnencontroller

  7. Festnetz

    Neue Glasfaser von Prysmian soll Spleißzeit verringern

  8. Radeon Pro Duo

    AMD bringt Profi-Grafikkarte mit zwei Polaris-Chips

  9. Mediacenter-Software

    Warum Kodi DRM unterstützen will

  10. Satelliteninternet

    Apple holt sich Satellitenexperten von Alphabet



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Creators Update im Test: Erhöhter Reifegrad für Windows 10
Creators Update im Test
Erhöhter Reifegrad für Windows 10
  1. Windows 10 Mobile Da waren es nur noch 13
  2. Creators Update Die meisten Linux-Entwickler-Tools laufen auf Windows
  3. Windows 10 Microsoft verrät, welche Daten gesammelt werden

Moto G5 und Moto G5 Plus im Test: Lenovo kehrt zur bewährten Motorola-Tradition zurück
Moto G5 und Moto G5 Plus im Test
Lenovo kehrt zur bewährten Motorola-Tradition zurück
  1. Miix 720 Lenovos High-End-Detachable ist ab 1.200 Euro erhältlich
  2. Lenovo Händler nennt Details des Moto G5
  3. Miix 320 Daten zu Lenovos neuem 2-in-1 vorab veröffentlicht

Miniatur Wunderland: Schiffe versenken die schönsten Pläne
Miniatur Wunderland
Schiffe versenken die schönsten Pläne
  1. Transport Üo, der fahrbare Ball
  2. Transport Sea Bubbles testet foilendes Elektroboot
  3. Verkehr Eine Ampel mit Kamera und Gesichtserkennung

  1. Jetzt noch Tumbleweed umbenennen

    Seitan-Sushi-Fan | 04:38

  2. Re: ...bringt diese oft wiederholte Darstellung...

    DonaldDuck | 04:37

  3. Re: Deutsches Abitur?

    Apfelbrot | 04:27

  4. Re: HBM die Totgeburt

    gaciju | 04:20

  5. Re: DRM braucht es nicht - Aber auf den Fire...

    ve2000 | 03:50


  1. 19:00

  2. 17:59

  3. 17:30

  4. 17:10

  5. 16:49

  6. 16:26

  7. 16:11

  8. 15:56


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel