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20 Jahre God of War: Als Kratos erstmals den Bildschirm sprengte

Seit 20 Jahren kämpft Kratos in God of War . Wir erklären, wieso das Spiel so schwer erhältlich ist und ob es auch 2025 gut ist.
/ Olaf Bleich , Benedikt Plass-Fleßenkämper
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Artwork von God of War (Bild: Sony)
Artwork von God of War Bild: Sony

Im März 2025 feierte God of War sein 20. Jubiläum. Die Festlichkeiten fielen allerdings bescheiden aus: Fans hatten auf die Ankündigung eines Remakes des 2005 erschienenen ersten Teils der Actionspielreihe gehofft.

Stattdessen gab es lediglich die God of War Ragnarök – Dark Odyssey Collection(öffnet im neuen Fenster) und damit ein großes Update für den letzten Serienableger. Viele hatten mit mehr Nostalgie und Liebe zum Original gerechnet.

God of War erschien zunächst für die Playstation 2. Erst 2009 wurde es zusammen mit dem zweiten Teil in der God of War Collection auf die Playstation 3 portiert. Später sollte die Minisammlung auch für die Playstation Vita umgesetzt werden.

Machen wir einen kleinen Zeitsprung in die Gegenwart: Im Jahr 2025 ist es schwieriger denn je, das originale God of War überhaupt in die Hände zu bekommen. Denn im Retro-Bereich des Cloud-Streaming-Dienstes Playstation Plus ist der Klassiker längst nicht mehr verfügbar. Es gibt auch kein Remaster für die Playstation 4, geschweige denn für die Playstation 5.

Und nun zu meinem persönlichen Dilemma: Ich war fest überzeugt, dass sich das Spiel noch in den Tiefen meiner PS2-Sammlung versteckt. Doch nach längerem Suchen dämmerte es mir: Hatte ich God of War nicht damals als Importversion gekauft und dann einem Freund geliehen?

Mit jeder weiteren Stunde Sucherei manifestierte sich ein Gedanke, den sicher jeder kennt: Mist, der Typ hat mir das Spiel nie zurückgegeben. Tja, und nach zwanzig Jahren gibt es keinen Kontakt mehr und mein God of War fliegt irgendwo in der Weltgeschichte herum!

Die Odyssee des jungen Kratos

Wie kam es dennoch zu diesem Artikel? Ganz einfach: über einen bekannten Gebrauchtspiele-Großhändler, bei dem die God of War Collection auch im Jahr 2025 noch knapp 30 Euro kostet.

Bei Ebay werden für die Originale teilweise Mondpreise jenseits der 50 Euro aufgerufen. Der Witz an dieser eigentlich unlustigen Geschichte ist, dass God of War 2005 hierzulande ähnlich schwer zu bekommen war.

Aufgrund der Gewaltinhalte verweigerte die USK(öffnet im neuen Fenster) dem Titel zunächst die Freigabe und Sony verzichtete darauf, Kratos' erstes Abenteuer in Deutschland zu veröffentlichen. Eine Indizierung schien wahrscheinlich.

Allerdings lehnte das Gremium diese ab. Die Begründung: Die Gewalt richte sich in erster Linie gegen übernatürliche Wesen und nur in einigen Rätselszenen gegen Menschen. Im übrigen Europa erschien ohnehin eine leicht gekürzte Fassung, in der einige Folter- und Tötungsszenen entschärft wurden.

Jedenfalls führte das Urteil zu einer "Keine Jugendfreigabe" -Klassifizierung und über ein Jahr nach der offiziellen Veröffentlichung erschien God of War endlich auch in Deutschland.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich das Spiel damals beim Importhändler meines Vertrauens gekauft und dann auf meiner gemoddeten Playstation 2 getestet habe. Doch egal, ob in Deutschland oder im Rest der Welt: Das von SCE Santa Monica Studio unter der Leitung von David Jaffe entwickelte Actionspiel erhielt überall Höchstwertungen und gilt vor allem in Sachen Inszenierung als wegweisend.

Hochglanzpoliertes Meisterwerk trifft Spartaner

So vergab Paul Kautz von dem sonst als streng geltenden Portal 4Players sagenhafte 91(öffnet im neuen Fenster) von 100 Punkten und urteilte begeistert: "Dieses Spiel ist ein hochglanzpoliertes Action-Meisterwerk, das überdeutlich zeigt, was auf der PS2 möglich ist, wenn wahre Könner am Werk sind."

Redakteur Bernd Fischer von Gamepro schloss sich diesem Jubel an und vergab im Test mit 92 von 100 Punkten(öffnet im neuen Fenster) sogar eine noch höhere Wertung.

Ich glaube, ich habe auch einige Testberichte zum ersten God of War geschrieben, kann sie aber in den Weiten des Internets nicht mehr finden. Lediglich meine Review zur God of War Collection(öffnet im neuen Fenster) für Sonys Handheld Playstation Vita ist noch auffindbar.

Darin bestätige ich die hohe Qualität der Originalspiele, bemängele aber die schwache technische Umsetzung für die tragbare Konsole: "Statt knackscharfer Filme gibt es Pixelmatsch im 4:3-Format. Die Spielgrafik leidet ebenfalls merklich unter der Portierung."

Trotzdem war ich neugierig, God of War viele Jahre später noch einmal auszuprobieren. Ich hatte es 2005/2006 durchgespielt und weiß noch, dass es mich förmlich vom Sofa gehauen hat.

Die Präsentation und auch das Gameplay waren einfach genial. Aber zwanzig Jahre später sind wir dank Großproduktionen wie Horizon Forbidden West, Assassin's Creed Shadows und God of War Ragnarök natürlich ganz anderes gewohnt.

Mies gelaunter Geist von Sparta

Aber worum geht es in God of War überhaupt? Im Grunde ist das Spiel eine in der griechischen Mythologie angesiedelte Rachegeschichte. Im Mittelpunkt steht Kratos, ein einst mächtiger Heerführer Spartas.

Seine Gier nach Kampf und Krieg wird ihm zum Verhängnis. In einer finalen Schlacht unterliegt er (beinahe) den Barbaren. Es gibt nur eine Lösung: Kratos verbündet sich mit Ares, dem Gott des Krieges. Der schenkt ihm die Chaosklingen, fordert aber zugleich Kratos' Dienste.

Und hier schlägt das Schicksal zu: In blinder Wut richtet Kratos ein Massaker in einem Dorf an, das unter dem Schutz der Göttin Athene steht. Erst später bemerkt der Wüterich, dass auch seine Frau Lysandra und seine Tochter Kalliope bei seinen Gräueltaten ums Leben gekommen sind. Kratos erkennt sein Tun und schwört den Göttern des Olymps, insbesondere Ares, blutige Rache.

God of War erzählt seine Geschichte größtenteils als " Drei Wochen zuvor "-Rückblende, treibt die aktuellen Entwicklungen aber auch immer wieder in Zwischensequenzen voran. Die cineastische Inszenierung hob God of War deutlich von der damaligen Konkurrenz ab.

In Würde gealtert

Die Eröffnungsszene knallt daher immer noch: Kratos setzt seinem Leben scheinbar selbst ein Ende. "Nach zehn Jahren des Leidens, zehn Jahren der Albträume stürzt er sich vom höchsten Berg Griechenlands. Der Tod sollte seine Flucht vor dem Wahnsinn sein" , heißt es in der Introsequenz, während ich gemeinsam mit Kratos durch die Wolken in Richtung Erdboden donnere.

Dann erfolgt ein Zeitsprung und ich befinde mich an Bord eines Schiffes, das von Kreaturen der Unterwelt angegriffen wird. Tatsächlich wirkt das Geschehen weit weniger beeindruckend als damals: Die Charaktermodelle der kleineren Gegner erscheinen kantiger und grobschlächtiger. Dadurch wirken die Kreaturen auch weit weniger bedrohlich.

Ganz anders die großen Gegner, wie die Seeschlange gleich zu Beginn. Die Tatsache, dass diese Kreaturen einen großen Teil des Bildschirms einnehmen und Kratos um mehrere Meter überragen, vermittelt zweifellos das Gefühl, einem epischen und bedeutsamen Kampf beizuwohnen.

Mehr als nur Gemetzel

Das Design der Bosse ist nach wie vor aller Ehren wert, die kleineren Kämpfe wirken dagegen für heutige Augen unspektakulär.

Während der Zahn der Zeit also spürbar an der Technik genagt hat, ist das Gameplay nahezu zeitlos. God of War spielt sich auch nach zwanzig Jahren noch sehr gut. Auf Tastendruck malträtiere ich Feinde mit schweren oder leichten Angriffen, schleudere sie durch die Luft oder packe sie am Schlafittchen.

Im Vergleich wirkt das Geschehen heute weniger rebellisch und gewalttätig. Die roten Blutwölkchen sind geradezu schüchtern und die durch die Luft wirbelnden Bonus-Orbs wollen irgendwie nicht so recht zu Kratos' brutalem Handwerk passen.

Positiv fallen die spielerischen Möglichkeiten auf: In die Luft geschleuderte Gegner kann ich auch dort weiter bearbeiten. Angeschlagenen Widersachern versetze ich auf kurze Distanz den Todesstoß.

Und ja, hier geht es derbe zur Sache. Zum Beispiel, wenn Kratos dem Minotaurus den Rachen aufreißt und ihm seine Klingen hineinrammt. Diese Finishing Moves machten das Spiel damals so besonders und sind auch im Jahr 2025 noch sehr befriedigend.

Ein Streitpunkt bleiben sicherlich die massiv eingesetzten Quick-Time-Events. Beim Öffnen von Kisten muss ich in die Tasten hämmern, bei Bosskämpfen drücke ich die angezeigten Buttons, um toll inszenierte Gegenangriffe zu starten.

Damals wie heute halte ich die Quick-Time-Events für ein cleveres Werkzeug innerhalb der Spielmechanik und der Präsentation. Besonders die Bosskämpfe profitieren davon.

Andererseits sorgen sie auch dafür, dass ich immer aufmerksam sein muss. In Kombination mit den wechselnden Waffen wie der Klinge der Artemis oder auch Extras wie dem Kopf der Medusa zum Versteinern von Gegnern und natürlich dem Wut-Modus mit seinen Specials ergibt sich ein insgesamt rundes Actionpaket voller Möglichkeiten.

Was ich an God of War aber am meisten schätze, ist der Flow. Denn obwohl es theoretisch eine Taste zum Blocken gibt, kann ich gut darauf verzichten. Stattdessen weiche ich den Angriffen mit dem rechten Analogstick blitzschnell aus und gehe sofort zum Gegenangriff über.

God of War (2018) – Fazit
God of War (2018) – Fazit (02:51)

Dazwischen gibt es immer wieder Kletterpassagen und kleinere Rätsel. Denn auch wenn viele God of War auf seine Brutalität und die Kämpfe reduzieren, wird Abwechslung geboten: Kratos kann springen, klettern, hangeln, Steinblöcke und Kisten schieben oder Schalter drücken. Das Spiel hat ein wunderbares Pacing und bietet dadurch auch die Möglichkeit zum Verschnaufen.

Fazit: Ein brachiales Stück Videospielgeschichte

God of War ist aus mehreren Gründen ein interessantes Projekt. Mit Blick auf Deutschland zeigt es die Entwicklung der Indizierungspolitik und die Umwege, die manche Titel damals noch gehen mussten. Aber auch technisch und spielerisch ist das Actionspiel bemerkenswert.

Natürlich hat die Präsentation im Jahr 2025 längst nicht mehr die Wucht von 2005. Aber der Funke der Genialität springt immer noch über: God of War spielt sich klasse – und vor allem überhaupt nicht alt. Sieht man von der angestaubten Technik ab, kann es locker mit aktuellen Actionspielen mithalten.

Auch das Spieltempo ist dank der Rätsel- und Plattformpassagen immer noch gut. Und genau deshalb verstehe ich den Ärger der Community: Das erste God of War verdient ein Remaster mit zeitgemäßer Technik. Denn dieses Spiel sollte auch der heutigen Gamer-Generation zugänglich gemacht werden! Vielleicht klappt es ja dann zum 30. Geburtstag des Kriegsgottes.

Mitarbeit: Benedikt Plass-Fleßenkämper


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