Battlefield Earth findet einen fragwürdigen Produzenten

Der aus Beirut stammende Samaha, der sein Geld mit chemischen Reinigungen gemacht hatte und 1982 nach Los Angeles kam, sah sich selbst als Film-Produzent - und stellte sich jedem auch so vor. Immerhin war er kühn genug, John Travolta anzurufen und ihm zu sagen, dass er seinen Traum wahrmachen würde.

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Travolta hatte keine Ahnung, wer Samaha war, sein Manager auch nicht. Dabei wäre es gut gewesen, es zu wissen. Denn Samaha hatte beim Filmemachen ein besonderes Geschäftsmodell, das die New York Times sinngemäß einmal so beschrieb: Man findet ein Drehbuch, an dem niemand außer einem großen Star interessiert ist, und kauft es günstig an. Man entwickelt es aber nicht weiter, sondern nimmt es wie es ist und dreht günstig in Ländern wie zum Beispiel Kanada. Man lässt den Star für einen Bruchteil seiner üblichen Gage arbeiten - es ist ja sein Herzensprojekt - und fährt dicke Gewinne ein.

Samaha gründete seine Firma Franchise Pictures 1999. Es gelang ihm, einen Deal mit Warner Bros. an Land zu ziehen: Franchise sollte große Filmstars für Projekte finden und die Filme mit dem Geld aus den Auslandsverkäufen finanzieren. Warner war der Vertrieb. Ein echtes Risiko hatte das Studio damit nicht.

Samaha brauchte also Stars und Zugang zur Creative Artists Agency und zur William Morris Agency, den beiden größten Agenturen in Hollywood. John Travoltas Agent Fred Westheimer erfuhr davon und machte Samaha ein verlockendes Angebot: Wenn er Travoltas Lieblingsprojekt Battlefield Earth realisieren würde, würde Westheimer ihm Zugang zu einer ganzen Reihe von Stars verschaffen.

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Während Samahas Partner Andrew Stevens die Verfilmungsrechte des Romans sicherte, handelte Samaha einen Deal mit der deutschen Firma Intertainment aus. Intertainment war damals gerade neu an der Börse, hatte viel Geld eingesammelt und Samaha wollte nun mit Hilfe des in Hollywood beliebten Stupid German Money ganz groß herauskommen. So nannten Hollywoods Filmproduzenten Geld aus deutschen Medienfonds, das überwiegend ins Ausland floss. Weil es den Anlegern der Fonds hauptsächlich ums Steuern sparen ging, war es ihnen egal, in welchen Film sie investierten. Oft stiegen sie sogar vor der Veröffentlichung wieder aus - und machten damit schlechte Geschäfte.

Insgesamt brachte Intertainment fast 50 Prozent des Budgets von Battlefield Earth auf. Letztlich soll der Film 75 Millionen US-Dollar gekostet haben - das behauptete zumindest Samaha.

Travoltas Lieblingsprojekt war zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast zehn Jahren in der Entwicklung. So lange, dass er selbst nicht mehr den jungen Protagonisten Jonnie Goodboy Tyler spielen konnte, sondern sich stattdessen auf die Schurkenrolle Terl konzentrierte. Aber da Travolta der Star war, musste Terls Rolle nun sehr viel stärker ausgebaut werden. Das brachte die ohnehin hanebüchene Geschichte komplett aus dem Lot.

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Ein Regisseur ist gefunden

Für den Regieposten verpflichtete man Roger Christian, der die Second-Unit-Regie von Star Wars: Episode I übernommen hatte. Berührungsängste mit dem Stoff hatte er nicht, da er den Roman nicht als Scientology-Propaganda ansah.

Travolta machte kräftig Werbung für den Film. Er beschrieb ihn als "Star Wars, nur besser" - und das wohl nicht nur, weil Christian die typischen Wipe-Schnitte wie bei Star Wars benutzte. Jene Schnitte also, bei denen das Bild von einer Seite zur anderen wischt und die nächste Szene offenbart.

Allerdings war das Skript immer noch nicht fertig, denn Mandell musste es immer wieder umarbeiten. Besser gesagt: Er musste es dem Budget anpassen. Die erste offizielle Budgethöhe lag bei 55 Millionen Dollar, später korrigierte man nach oben, während Roger Christian schätzt, dass das Budget eher 44 Millionen Dollar betrug, wovon gut die Hälfte an die Schauspieler ging.

Eine praktische Schwierigkeit war: Wie außerirdisch sollten die Psychlos aussehen? Immerhin sollten die Zuschauer Travolta sehen, wenn man für Travolta bezahlte. Es dauerte etwa vier Stunden, Travolta in Terl zu verwandeln. Da der Schauspieler aber nur eine vorher festgelegte Zeit pro Tag drehen wollte, wurde auch das zum Problem.

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 20 Jahre Battlefield Earth: Wie es zu diesem Film-Desaster kamSchräge Optik, wenig Zuschauer, Streit ums Budget 
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Tuxee 28. Jul 2021 / Themenstart

Ein Film ist (u.a.) dann schlecht, wenn die Plotholes schon auffallen, während man den...

mxcd 22. Jul 2021 / Themenstart

Fazit: Wenn sich festgelegt hat, ist Travolta schwer davon abzubringen an irgendwas zu...

masterx244 21. Jul 2021 / Themenstart

Zu dem thema sag ich immer: Integer-Underflow. Daher kommt man wenns schlecht genug ist...

thrust26 20. Jul 2021 / Themenstart

Zu dem Preis?

EWCH 20. Jul 2021 / Themenstart

Normalerweise schon, aber in dem Fall waren sich beide Gruppen ziemlich einige.

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