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Handyticket-Sonderregeln und Ausnahmen

Gegenüber dem Papierticket hat das Handyticket eine deutliche Einschränkung. Keinesfalls darf ein Kunde das Handyticket im Fahrzeug kaufen. Das gilt auch für Straßenbahnen und Busse, in denen der Kauf von Papierfahrausweisen in vielen Städten seit mehr als 100 Jahren erlaubt ist. Als Resultat ist das moderne Ticket meist ein paar Minuten kürzer nutzbar - wer bar oder mit Karte am Automaten im Zug kauft, ist im Vorteil.

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Ein Handyticket gilt etwa in der Straßenbahn auch dann nicht, wenn der Fahrgast zuvor vergeblich versucht hat, am Automaten ein Papierticket zu kaufen und beispielsweise sein Geld dort nicht angenommen wurde. In einem solchen Fall muss er aussteigen, einen Handy-Fahrausweis kaufen und dann weiterfahren. So unpraktisch und kundenunfreundlich das klingt: Die Verkehrsbetriebe und -verbünde sehen das in ihren Regeln so vor.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, die der Vollständigkeit halber genannt werden sollen. In Straßenbahnsystemen, die als U-Bahnen vermarktet werden, meist erkennbar an Blinkern und Bremsleuchten, ist manchmal ebenfalls der Kauf von Papierfahrkarten im Fahrzeug nicht erlaubt. Möglich sind auch Ausnahmen von den Ausnahmen.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet gilt bei den SSB (Stuttgarter Straßenbahnen), die Teil des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) sind, zwar auch der Kauf vor Betreten des Fahrzeuges. In einer sehr speziellen Konstellation darf das Handyticket jedoch auch im Fahrzeug gekauft werden: Wer einen Zonenwechsel durchführt, der darf bereits während der Fahrt ein Ticket kaufen.

Das widerspricht aber einer Aussage der SSB, welche die Stuttgarter Zeitung zitiert: "Das mobile Ticket muss auf jeden Fall vor Fahrtantritt komplett aufs Smartphone geladen werden". Das wiederum entspricht auch den Beförderungsbedingungen des SSB (PDF). Wir haben zumindest keine Ausnahmeregelung für den Zonenwechsel gefunden. Allerdings gehört der VVS auch nicht zu den Verbünden, mit denen wir in der Praxis vertraut sind. In dem Regelchaos sind Fehler jedenfalls programmiert.

In Bremen wird das Anschlussticket als Handyticket nicht mit dieser Ausnahme gehandhabt. Die Stadt gehört zu den Gebieten, in denen laut einem unserer Leser Fahrgäste mit einem weniger als zwei Minuten alten Handyticket zu Schwarzfahrern erklärt werden. Laut der FAQ gilt hier: Der Fahrausweis muss vor Fahrantritt heruntergeladen worden sein. Wer seine Reisepläne ändert, muss für den Erwerb des Handytickets für den Anschluss unterwegs das Fahrzeug verlassen. Das gilt natürlich auch für Fahrgäste, die unterwegs in die erste Klasse wechseln wollen, etwa um der überfüllten zweiten Wagenklasse zu entkommen. Der Zuschlag darf nicht in der zweiten Klasse mit dem Handy gekauft werden.

Die PDF-Tarifbestimmungen betonen das noch einmal explizit für die Zuschlag-Tickets. Wer dagegen verstößt, dem droht ein Straf- oder Bußgeldverfahren. Es stellt sich natürlich die Frage, ob das kontrollierbar ist oder kontrolliert wird.

Ein sekundengenaues Ticket wäre eine Teillösung

Die Verwirrung um den 2-Minuten-Counter wäre leicht zu beheben. Doch die Verkehrsbetriebe gehen damit offensichtlich fahrlässig um. Aufgrund technischer Eigenschaften der Validierung der Tickets ist uns klar, dass der Ticket-Server sekundengenau arbeitet. Die Verkehrsbetriebe verteilen trotzdem die Tickets mitunter nur mit der Minutenanzeige.

Laut Hansecom obliegt es dem Verkehrsunternehmen, eine sekundengenaue Ticket-Ausstellung zu erlauben. Die Verbünde und Unternehmen haben also die technischen Mittel, entschieden sich aber dennoch für den leicht falsch interpretierbaren 2-Minuten-Counter. Mit einem sekundengenauen Ticket erübrigt sich der Counter, denn das Ticket beweist mit dem Zeitstempel selbst, ob es rechtzeitig gekauft wurde.

Hansecom alias Handyticket Deutschland sieht sich hier nicht in der Verantwortung als Software-Dienstleister. Auch für die Bedeutung und Interpretation der Fahrscheine fühlt sich das Unternehmen nicht verantwortlich. Das ist an sich gut nachvollziehbar, schließlich arbeitet Hansecom nur im Auftrag. Trotzdem wird hier ein Problem ersichtlich, dass in Deutschland mit Onlinetickets schon länger vorherrscht.

Zwar sind E-Ticket Deutschland und das mittlerweile zehn Jahre alte Handyticket Deutschland in sehr großen Teilen des Landes gültig. Doch die Regularien, die Dokumentation und damit auch die Ausbildung folgen lokalen Regeln, so dass es zwangsläufig zu neuen Fehlern kommen muss, die nur in diesen modernen Systemen auftreten. Für Fahrgäste heißt das: Lieber ziemlich genau informieren, bevor sie vom Papier- aufs Handyticket umsteigen.

 2-Minuten-Counter gegen Schwarzfahrer: Das sekundengenaue Handyticket ist möglich
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quark2017 19. Dez 2017

Ich halte die übrigen Bedingungen des Handy-Tickets immer noch für reichlich absurd...

Gtlng 18. Dez 2017

Vielen Dank für diesen Beitrag. Vor genau demselben Problem (letzte Verbindung des Tages...

Benutzer0000 16. Dez 2017

einach alle bürger unter generalverdacht stellen wegen nichts, gibt ja sonst keine...

Benutzer0000 16. Dez 2017

das ist deutschland. schwarzfahren oder GEZ nicht zahlen bringt einen in den knast...

Benutzer0000 16. Dez 2017

richtig, das geburtsland kann man sich nicht aussuchen. das land, in dem man lebt wenn...


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