1961 flog Juri Gagarin ins All: Das sind die besten realistischen Raumfahrtfilme
Hollywood ist groß in Science-Fiction, aber wenn es um realistische Darstellungen von Weltraumflügen geht, ist die Auswahl überschaubar. Vor 1961, als mit dem Kosmonauten Juri Gagarin der erste Mensch ins All flog und damit das Weltraumrennen zwischen den USA und der Sowjetunion eröffnet wurde, gab es keine einzige nennenswerte Produktion dieser Art aus den USA. Das fing so richtig erst nach der Mondlandung 1969 an.
Gagarins Flug am 12. April 1961 kann als der Beginn des Weltraumzeitalters bezeichnet werden. Schon drei Jahrzehnte davor wurde jedoch in Deutschland ein bemerkenswerter Film zum Thema produziert, Fritz Langs Frau im Mond (1929)(öffnet im neuen Fenster).
Ende der 1920er Jahre konnte man allenfalls davon träumen, irgendwann ins All aufzubrechen. Fritz Lang und seine Lebensgefährtin und Autorin Thea von Harbou machten diesen Traum zumindest filmisch war. In Frau im Mond wurde nicht nur der Raketenstart recht gut vorhergesehen, sondern der dazugehörige Countdown praktisch gleich mit erfunden(öffnet im neuen Fenster).
Thea von Harbou ließ sich von den frühen Erkenntnissen von Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski(öffnet im neuen Fenster) inspirieren, der bereits 1903 eine Raketengleichung entwickelte. Für die wissenschaftlichen Aspekte des Films stand Raketenpionier Hermann Oberth(öffnet im neuen Fenster) zur Verfügung, dessen Dissertation auch die Basis für sein 1923 veröffentlichtes Buch Die Rakete zu den Planetenräumen darstellte.
Zwei Jahre vor dem Start des Apollo-Programms der USA(öffnet im neuen Fenster), das die Mondlandung zum Ziel hatte, kamen zwei US-Filme heraus, die versuchten, sich der Thematik auf realistische Weise zu nähern: Die H.-G.-Wells-Verfilmung Die erste Fahrt zum Mond(öffnet im neuen Fenster) und Robinson Crusoe auf dem Mars(öffnet im neuen Fenster) – beide aus dem Jahr 1964.
.jpg)
Die erste Fahrt zum Mond von Nathan Juran zeigt eine Mondlandschaft, die erstaunlich echt anmutet, außerdem eine Mondlandung, die ein bisschen vorwegnimmt, was fünf Jahre später Wirklichkeit werden sollte. Der Mars in Robinson Crusoe auf dem Mars ist zwar alles andere als realistisch. Die Landung selbst geht aber ebenfalls sehr in die Richtung dessen, was am 20. Juli 1969 bei der Mondlandung zu sehen war.
Stanley Kubrick, der Visionär
Der wichtigste Film, der vor der Mondlandung gedreht wurde und ein Jahr davor in die Kinos kam, ist aber Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum(öffnet im neuen Fenster). Er ist vor allem deswegen so beeindruckend, weil er in seiner Darstellung extrem realistisch ist, wie auch die pensionierten Astronauten Chris Hadfield und Garrett Reisman einmal sagten(öffnet im neuen Fenster).
Nur in einer Hinsicht lag der Film falsch – und zwar bei der Darstellung der Erdatmosphäre. "Im Film sieht man den Blauen Planeten und dann direkt die Schwärze des Alls. In Wahrheit gibt es eine dünne blaue Linie, die die von der Sonne bestrahlte Erde von der Schwärze des Weltraums trennt,"sagte Garrett Reisman.
So beeindruckend und bahnbrechend der Film war, so unaufgeregt ist sein Sequel. 2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen(öffnet im neuen Fenster) konnte den Ansprüchen nicht gerecht werden – und das, obwohl man im Jahr 1984 schon einiges mehr über Raumfahrt wusste.
Verschollen im Weltraum und Der Stoff, aus dem die Helden sind
Nur wenige Monate nach der Mondlandung kam Verschollen im Weltraum(öffnet im neuen Fenster) in die Kinos. In dem Film stranden drei Astronauten mit ihrem Shuttle im All, weil die Maschinen nicht mehr funktionieren und sie nicht den nötigen Antrieb haben, um wieder in die Erdatmosphäre einzudringen.
Die Idee des Films ist sehr wirklichkeitsnah, denn mit Fehlschlägen musste die junge Raumfahrt in der Tat rechnen – und tat das auch. Nicht umsonst hatte US-Präsident Richard Nixon für den Fall des Scheiterns der Apollo-11-Mission eine Rede vorbereiten lassen(öffnet im neuen Fenster), in der er die Menschheit davon unterrichtet, dass die Astronauten nicht nach Hause zurückkehren werden. Der Film greift das sehr gut auf und wirkt, obwohl hauptsächlich die Fantasie der Macher gefragt war, ausgesprochen realistisch.
Über die Anfänge mit Mercury 7
Ein anderer bemerkenswerter Film ist Der Stoff, aus dem die Helden sind(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 1983. Er basiert auf einem Roman von Tom Wolfe, der wiederum die wahre Geschichte der Astronauten der Mercury 7 erzählt – vom harten Training bis zum ersten Einsatz und vom ersten Mann im All bis zum letzten dieser Astronauten, an den man sich kaum noch erinnert.
Es geht dabei weniger um den Flug ins All als darum, was Menschen für diesen uralten Traum zu tun und zu opfern bereit sind. Im vergangenen Jahr wurde der Roman mit Die Helden der Nation erneut verfilmt, dieses Mal als Serie, die von Disney aber nach nur einer Staffel wieder eingestellt wurde.
Ein anderer Film, der nicht vom All, sondern von den Geschehnissen auf der Erde erzählt, ist Hidden Figures(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 2016. Er berichtet davon, wie eine Gruppe von Frauen in den 1960er Jahren die Berechnungen anstellte, die notwendig waren, damit der Flug zum Mond überhaupt stattfinden konnte.

Ähnlich wie Der Stoff, aus dem die Helden sind erzählte die von Tom Hanks produzierte Serie From the Earth to the Moon(öffnet im neuen Fenster) vom Beginn des Apollo-Programms mit dem ersten Amerikaner im Weltraum und dem letzten Menschen, der den Mond betreten hat. Die Effekte sind hier besonders realistisch gestaltet, im Jahr 2008 gab es aber auch schon jede Menge reale Vorbilder.
Tom Hanks war auch ein wichtiger Teil eines anderen sehr bekannten Weltraumfilms.
''Apollo 13 ist wahrscheinlich der realistischste aller Weltraumfilme''
Apollo 13(öffnet im neuen Fenster) von Regisseur Ron Howard kam 1995 heraus und ist "wahrscheinlich der realistischste aller Weltraumfilme", wie der Astronaut Chris Hadfield sagt. Die Mission der Apollo 13 wäre fast zum Desaster geworden, der Ausspruch "Houston, wir haben ein Problem" hat hier seinen Ursprung(öffnet im neuen Fenster).
Die drei Astronauten Jim Lovell (Tom Hanks), Fred Haise (Bill Paxton) und Jack Swigert (Kevin Bacon) strandeten damals mit ihrer Raumkapsel im All und verloren Sauerstoff. Der Film zeigt, wie am Boden bei Mission Control, aber auch im Schiff an der Problemlösung gearbeitet wird. Es wurden sogar die Transkripte der NASA herangezogen, um die Dialoge so realistisch wie möglich zu gestalten.
Für den Astronauten Hadfield ist Apollo 13 fast so etwas wie eine Dokumentation(öffnet im neuen Fenster) – nur dass man das Equipment zum Dreh des Films eben nicht ins All gebracht hat.
Die etwas wilderen Reisen ins All
Space Camp(öffnet im neuen Fenster) ist ein heutzutage eher vergessener Film aus dem Jahr 1986, bei dem einige Jugendliche in dem titelgebenden Space Camp sind, in einem Spaceshuttle Platz nehmen dürfen und dieses versehentlich gestartet wird. Es geht in dem Film vor allem darum, wie sie wieder zurückkommen.
-trailer.jpg)
Man könnte den Film als Traum aller Kids bezeichnen; denn wer möchte nicht gerne mal ins All, und das zu einer Zeit, als die Risiken der Raumfahrt kontrollierbar schienen? Als der Film in den USA in die Kinos kam, hatte sich die Situation längst geändert, denn das Spaceshuttle Challenger war kurz nach dem Start explodiert(öffnet im neuen Fenster).
Space Cowboys(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 2000 ist praktisch das Gegenstück: Auf Kids und Jugendliche folgten nun Männer im Rentenalter. Clint Eastwood wird ins All geschickt, weil er einen Satelliten vor dem Absturz bewahren soll, und rekrutiert für die Mission alte Kollegen: Tommy Lee Jones und Donald Sutherland.
Zugegeben: Space Cowboys ist nicht komplett realistisch, hat aber einen realistischen Anstrich. Zu dieser Kategorie Filme gehört auch Damien Chazelles First Man von 2019. Der Film ist in erster Linie ein Drama über Neil Armstrong und sein Familienleben, natürlich spielt aber auch Armstrongs Mondlandung eine Rolle, zu dessen filmischer Umsetzung der französische Astrophysiker Yves Rocard sagte(öffnet im neuen Fenster): "Die Bilder von der Mondoberfläche sind nicht realistisch. Sie sehen einfach nicht aus wie auf dem Mond."
Über Weltraumschrott und Kartoffelanbau auf dem Mars
Ein Film, der vor allem mit Blick auf das Thema Weltraumschrott relevant ist, ist Gravity (2013)(öffnet im neuen Fenster). Er erzählt von all den nutzlos gewordenen Objekten, die im Orbit herumfliegen – und vom Kessler-Effekt, wonach eine Kollision im All zu einer Kettenreaktion führt.
Allerdings würde das nicht so schnell stattfinden, wie im Film gezeigt, und auch ein paar andere Dinge seien in dem Film nicht akkurat, sagte Garrett Reisman(öffnet im neuen Fenster). Im Film könne man den Weltraumschrott kommen sehen – und zwar aus Tausenden Kilometern Entfernung. "Das ist Quatsch. Dieses Zeug rast mit einer Geschwindigkeit durchs All, die zehnmal schneller als eine Gewehrkugel ist. Die könnte man auch nicht aus Tausenden Kilometern Entfernung angeflogen kommen sehen."
Ähnliches gilt für Ridley Scotts Der Marsianer (2015)(öffnet im neuen Fenster), der vieles zumindest in theoretischer Hinsicht richtig macht. In dem Film wird ein Mann auf dem Mars zurückgelassen und versucht zu überleben. Zu dem Zweck pflanzt er Kartoffeln an.
"Viele Aspekte des Films sind realistisch, wenn auch sehr vereinfacht dargestellt, die Kartoffel-Kultivierung mit Hilfe von fermentiertem Dünger zum Beispiel,"so Astrophysiker Rocard. Dafür braucht man selbst auf einer Welt wie dem Mars nur nährstoffreichen Boden, den die Hauptfigur aus dem eigenen Kot, Wasser und Sauerstoff herstellt. Astronauten werden dafür trainiert, mit vorhandenem Material und einfachen chemischen Reaktionen Derartiges möglich zu machen.

Ein Loch im Handschuh als Steuerungsinstrument? Eher nicht
Was dem Astronauten Chris Hadfield nicht gefiel: Die Szene, in der sich Matt Damons Figur durch ein Loch in seinem Handschuh, aus dem Luft austritt, im All fortbewegt. "Ein Raumanzug hätte nicht genug Druck dafür – ganz zu schweigen davon, dass man unkontrolliert durchs All taumeln würde."
Den ganz und gar realistischen Film gibt es selten, weil die Dramatik häufig Anpassungen erfordert. Einige Werke wie Apollo 13 oder 2001: Odyssee im Weltraum sind aber in dieser Hinsicht ausgesprochen gut. Es ist schade, dass sich Hollywood so selten einer möglichst realistischen Darstellung der Raumfahrt verschreibt. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass die Möglichkeiten der Technik zu verlockend sind, um nur zu zeigen, wie es in Wirklichkeit ist.
- Anzeige Hier geht es zu Apollo 13 bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.