Eine neue Welt
Ich habe Android im Jahr 2010 kennengelernt, mit der Version 2.0/2.1 alias Éclair auf einem sehr kleinen und sehr mittelmäßigen LG-Smartphone. Der Schritt von einem Nokia E51 zu einem Android-Modell war trotzdem so, als würde ich eine neue Welt betreten. Nachinstallierbare Apps, Spiele auf einem geradezu riesig erscheinenden Bildschirm, der nach heutigen Maßstäben natürlich winzig war, eine eingebaute Kamera, die für die damalige Zeit halbwegs ordentliche Fotos machte – was für ein Fortschritt.
Android 2.1, das verglichen mit Android 2.0 sowie 1.0 ein etwas frischeres Aussehen bekommen hatte, unterschied sich dennoch stark von der aktuellen Version 13. Wie Apple war auch Google in seiner Anfangszeit Fan von Skeuomorphismus, also einem Design, in dem etwa Apps aussehen wie reale Gegenstände. Unter Android 2.1 verabschiedete man sich in Teilen davon – die Uhren-App sah beispielsweise nicht mehr aus wie eine analoge Wanduhr.
Obwohl sich das Design von Android (und natürlich der Funktionsumfang, die Sicherheitsoptionen etc.) im Laufe der Jahre stark verändert hat, blieben einige Basisfunktionen erhalten. So gibt es seit der Anfangszeit einen App-Drawer, also ein Menü, in dem sich alle installierten Apps befinden. Android-Nutzer können sich gewünschte Anwendungen auf den Startbildschirm legen – und müssen in der Regel keine Ordner anlegen, um die App-Flut zu beherrschen.
Herstelleroberflächen früher oft überfrachtet
Dieses Konzept hat Apple mit iOS erst vor Kurzem übernommen – zuvor gab es dort nur den Startbildschirm, auf dem alle Apps abgelegt wurden. Auch einige Hersteller von Android-Smartphones haben in ihren Benutzeroberflächen den App-Drawer ignoriert oder tun es immer noch, beispielsweise Honor.
Zur Geschichte von Android gehören diese Herstelleroberflächen dazu: Vor allem in der Frühzeit gab es im Grunde kein Gerät mit sogenanntem Vanilla Android, also einer Version, die direkt von Google stammt und nur mit den Google-Anwendungen kommt. Auch heute gibt es noch viele Hersteller, die mitunter stark angepasste Benutzeroberflächen verwenden – Unternehmen wie HMD Global, Motorola und Asus hingegen verändern ihr Android kaum.
Die teilweise überfrachteten Herstelleroberflächen führten vor allem in den ersten Jahren von Android dazu, dass engagierten Programmierer reihenweise alternative Versionen des Betriebssystems erstellten. Diese sogenannten Custom ROMs boten vor allem in der ersten Hälfte der 2010er Jahre eine Möglichkeit, Smartphones von HTC, LG, Samsung und anderen mit einer wesentlich schlankeren Oberfläche zu verwenden.
Entwicklerteams wie Paranoid Android entwarfen für ihr ROM eine Reihe von neuen Funktionen, die teilweise später von großen Herstellern und auch Google übernommen wurden. Beispiele finden sich etwa beim Multitasking oder auch bei den Schnelleinstellungen. Vielleicht ohne es zu ahnen, haben die Entwickler damit zum Niedergang der Custom-ROMs beigetragen: Ab Mitte der 2010er Jahre nahm deren Bedeutung ab, da sie für viele Nutzer nur noch wenig Mehrwert bezüglich des Bedienkomforts boten. Es gibt sie aber noch heute, teilweise auch mit einem Fokus auf Datensicherheit und Datenschutz.
Seit 2010 bringt Google eigene Hardware
Google hat relativ kurz nach der Veröffentlichung der Android-Version 1.0 auch angefangen, selbst designte Hardware auf den Markt zu bringen. Das Unternehmen ist aber bis heute eher ein kleiner Hersteller von Android-Hardware wie Smartphones, Smartwatches und Tablets. Zwar gibt es bereits seit 2010 Google-Geräte, zuerst die Nexus-Reihe, seit 2016 dann die Pixel-Modelle, aber im Vergleich mit den großen Herstellern aus Südkorea und China spielt Google auf dem Weltmarkt eine eher untergeordnete Rolle.
Die Nexus-Smartphones und -Tablets waren vordergründig für Entwickler gedacht, erfreuten sich aufgrund der relativ moderaten Preise, des unverbastelten Android und der schnellen Updates aber auch im Consumermarkt einiger Beliebtheit. Die Pixel-Smartphones hingegen sind für Endverbraucher gedacht und setzen vor allem auf Funktionen wie die Kamera sowie den Alltag unterstützende Software.