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12.500 US-Dollar Schadenersatz: Nackter Polizist bei Google Street View

Eines der Kamerafahrzeuge von Google Street View hat 2017 einen nackten Mann in seinem Garten erfasst. Jetzt wird er dafür entschädigt.
/ Marc Stöckel
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In Argentinien hat ein Street-View-Fahrzeug einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)
In Argentinien hat ein Street-View-Fahrzeug einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Bild: Sean Gallup/Getty Images

Ein argentinischer Polizist bekommt 12.500 US-Dollar Schadenersatz, weil Google ihn im Jahr 2017 mit einer Street-View-Kamera nackt in seinem Garten erfasst hat. Einem Bericht von CBS News(öffnet im neuen Fenster) zufolge sagte der Mann vor Gericht aus, die von Google erstellte Aufnahme habe ihn vor seinen Arbeitskollegen und Nachbarn lächerlich gemacht.

Der Vorfall ereignete sich in einer Kleinstadt in Argentinien. Das mit einer Kamera ausgestattete Street-View-Fahrzeug fuhr genau zu der Zeit vorbei, als der Polizist nackt in seinem Garten stand. Das Bild soll im argentinischen Fernsehen ausgestrahlt und in sozialen Netzwerken verbreitet worden sein – inklusive Straßenname und Hausnummer.

Der Betroffene gab an, sich zum Zeitpunkt der Aufnahme hinter einer knapp zwei Meter hohen Mauer befunden zu haben. Dennoch war auf Google Street View später sein nackter Hintern zu sehen. Google sah sich jedoch nicht verantwortlich und argumentierte, die Mauer sei nicht hoch genug gewesen.

Privatsphäre verletzt

Im vergangenen Jahr wies ein Gericht die Klage des Mannes zunächst ab und entschied, der Polizist sei selbst schuld, da er "unter ungeeigneten Bedingungen im Garten seines Hauses herumgelaufen" sei. Ein Berufungsgericht sah das jedoch anders und sprach dem Mann für die Verletzung seiner Privatsphäre Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 12.500 US-Dollar zu, die Google dem Polizisten nun zahlen muss.

Dem Bericht zufolge hatte das Berufungsgericht keine Zweifel daran, "dass in diesem Fall ein willkürlicher Eingriff in das Leben eines anderen stattgefunden hat" , und dass die Würde des Mannes in eklatanter Weise verletzt worden sei. Es handle sich um das Bild einer Person, "die nicht in einem öffentlichen Raum, sondern innerhalb der Grenzen ihres Grundstücks hinter einer Barriere aufgenommen wurde, die höher als eine durchschnittlich große Person ist" .

Das Gericht sah zudem Googles Unkenntlichmachung von Gesichtern und Nummernschildern bei Street View als Beweis dafür an, dass sich das Unternehmen seiner Verantwortung bewusst sei, Schäden für Dritte abzuwenden. Die Veröffentlichung der Nacktaufnahme des Polizisten hätte entsprechend ebenfalls verhindert werden müssen. Google könne sich der Verantwortung für diesen Fehler nicht entziehen.

Dass bei Google Street View kuriose Aufnahmen erscheinen, ist keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr half das von Google erfasste Bildmaterial spanischen Strafverfolgern sogar dabei, einen Mordfall aufzuklären. Auf den Aufnahmen war ein Mann zu sehen, der augenscheinlich eine Leiche in den Kofferraum eines Autos lud .


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