110 Millionen US-Dollar: Start-up Velaura bekommt Geld für Low-Voltage-KI-Chips
Ein Start-up, das effizientere KI-Hardware entwickeln will, ist eigentlich nichts Besonderes. Anders sieht das bei Velaura aus. Denn hinter dem Start-up aus dem kalifornischen Santa Clara steht nicht nur Intel-CEO Lip-Bu Tan, es hat auch einen spannenden Ansatz. Velaura will die Recheneinheiten von KI-Beschleunigern mit deutlich geringerer Spannung betreiben, was die Verlustleistung senkt.
Das Konzept, das sich angeblich bereits in über 30 Millionen Chips bewiesen hat, konnte eine Reihe von Risikokapitalgebern überzeugen(öffnet im neuen Fenster). Velauras Serie-A-Finanzierungsrunde brachte 110 Millionen US-Dollar und gleich eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar. Velaura entwickelte nach eigener Angabe eine eigene Hardware-Bibliothek für mathematische Berechnungen, die im Idealfall mit halbierter Versorgungsspannung auskommt.
Da die Versorgungsspannung bei der dynamischen Leistungsaufnahme einer CMOS-Schaltung quadratisch eingeht(öffnet im neuen Fenster), soll die Effizienz um den Faktor zwei bis vier steigen. Auf Details seines Titan Core(öffnet im neuen Fenster) genannten Konzepts geht Velaura nicht genauer ein, es soll aber unter anderem Fehlerkorrekturmechanismen umfassen.
Kurioses Lizenzmodell
Recheneinheiten machen aber nur einen Teil des Energiebedarfs aus, der zudem einen konstanten Anteil hat. Daher soll ein mit der Technologie ausgestatteter Chip lediglich 25 bis 50 Prozent weniger Energie benötigen.
Von dieser Einsparung macht Velaura seine Lizenzkosten abhängig, wie CEO Rajiv Khemani der Nachrichtenagentur Reuters sagte(öffnet im neuen Fenster). Neben Grundkosten verlangt das Start-up variable Lizenzkosten, die von der erzielten Energieeinsparung abhängen.
Trotz der Absenkung der Versorgungsspannung von 700 bis 800 auf 300 bis 500 mV will Velaura die gleiche Ausbeute (Yield) an funktionsfähigen Chips und die gleiche Taktfrequenz erreichen. Das soll in 2- und 3-nm-Prozessen erprobt sein, mutmaßlich von Samsung – der Catalyst Fund des Konzerns ist einer der Investoren.
Kosten sparen, alte Rechenzentren weiter nutzen
Velaura rechnet vor, dass seine Technologie bei einem Rechenzentrum mit 100.000 Beschleunigern jährliche Einsparungen von 65 bis 130 Millionen US-Dollar bedeuten könne.
Sparsamere KI-Chips haben daneben ganz praktische Vorteile. Eine Leistung von 500 bis 700 W kann auch noch klassisch luftgekühlt werden. Solche Chips könnten in älteren Rechenzentren eingesetzt werden, wo heute oft noch A100 von Nvidia laufen. Die sind zwar bereits seit Jahren überholt und abgeschrieben, neuere Modelle werden aber oft nur noch mit Direktwasserkühlung angeboten oder müssen, wie Nvidias B100, heruntergetaktet werden(öffnet im neuen Fenster). Gestiegene Anforderungen an Spannungsversorgung und Kühlung machen dann einen kompletten Um- oder Neubau (g+) erforderlich.
Mit Rechenzentren verbindet Velaura eine interessante Gemeinsamkeit: Das Start-up entwarf ursprünglich unter dem Namen Auradine Asics (Application Specific Integrated Circuit) für Bitcoin-Mining. Wie Auradine wechseln auch Betreiber von Krypto-Rechenzentren vermehrt zu KI (g+) – sie haben Rechenzentren und Energieversorgung, während Neubauten eigene Gaskraftwerke brauchen.
Bei den 30 Millionen Chips, die Velauras Technologie bereits nutzen, dürfte es sich also um Mining-ASICs handeln. Ob sich die Techniken auf die wesentlich komplexeren KI-Chips übertragen lässt, muss sich zeigen. Nach eigenen Angaben steht das Start-up bereits in Kontakt mit drei der vier führenden Cloudanbieter. Deren Beschleuniger-Designs sollen ohne Änderungen mit Velauras Technologie ausgestattet werden können.
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