100 Prozent Aufschlag: US-Handelsminister droht Speicherherstellern mit Zöllen

Der US-Speicherhersteller Micron hat bei Syracuse im US-Bundesstaat New York mit dem Bau eines großen Werks zur Herstellung von dynamischem RAM (DRAM) begonnen(öffnet im neuen Fenster) . Nachdem die DRAM-Produktion fast vollständig nach Asien verlagert war, will Micron langfristig 40 Prozent seiner Fertigung in die USA holen. Insgesamt 200 Milliarden US-Dollar will das Unternehmen dafür investieren, doch US-Handelsminister Howard Lutnick genügt das nicht.
Wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtet(öffnet im neuen Fenster) , erwartet Lutnick auch von anderen Speicherherstellern Investitionen in den USA. Gemeint sind damit Samsung und SK Hynix, die neben Micron als Einzige modernste Speicher-Chips herstellen. Sollten Investitionen ausbleiben, könnten ihnen Zölle von 100 Prozent für Einfuhren in die USA drohen, so Lutnick. Samsung baut zwar ein Werk in den USA, welches allerdings für die Fertigung von Logikprozessen ausgelegt ist.
SK Hynix Pläne für die USA sehen derzeit nur den Bau eines Packaging-Werks(öffnet im neuen Fenster) sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung vor. In Südkorea, der Heimat von Samsung und SK Hynix, gibt man sich vorerst unbeeindruckt(öffnet im neuen Fenster) . Micron ist mit zuletzt 26 Prozent Marktanteil(öffnet im neuen Fenster) die Nummer drei im Speichermarkt, Samsung und SK Hynix kommen auf 33 und 34 Prozent – auf sie wird der US-Markt nicht verzichten können.
Micron kauft Reinräume in Taiwan
Bis Micron größere Mengen an Speicher in den USA produziert, werden noch einige Jahre vergehen. Mit einer anderen Investition will das Unternehmen seine Kapazität kurzfristig steigern: Das Unternehmen kauft die 300-mm-Fab P5 von PSMC(öffnet im neuen Fenster) (Powerchip) im taiwanischen Tongluo.
Auf rund 28.000 m 2 fertiger Reinraumfläche will Micron eine DRAM-Fertigung einrichten, nachdem diese geräumt sind. PSMC soll das Packaging übernehmen. Gleichzeitig will Micron das Unternehmen bei der Fertigung älterer DRAM-Generationen unterstützen.
Samsung und SK Hynix sind nicht die einzigen Halbleiterhersteller, denen die US-Regierung aktuell mit hohen Zöllen droht. Auch über der neuen Handelsvereinbarung mit Taiwan schwebt das Damoklesschwert der Halbleiterzölle(öffnet im neuen Fenster) : Unternehmen, die wie TSMC Werke in den USA bauen, sind während der Bauphase bis zur zweieinhalbfachen Kapazität der Werke von Zöllen befreit. Nach Abschluss der Bauprojekte, die sich bis in die 2030er-Jahre erstrecken werden, darf das Eineinhalbfache der US-Produktionskapazität importiert werden.



