Erna Schneider Hoover: Die Frau, deren Idee fast jeder Entwickler kennt
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Wenn moderne Computersysteme unter hoher Last nicht komplett zusammenbrechen, sondern Anfragen priorisieren, drosseln oder gezielt ablehnen, steckt dahinter oft ein Prinzip, das Erna Schneider Hoover vor mehr als 50 Jahren entwickelte. Ihre Idee entstand ursprünglich für Telefonvermittlungsanlagen, ist aber Grundlage vieler Verfahren, die Entwickler unter Begriffen wie Load Shedding, Traffic Control oder Adaptive Resource Management kennen.
Trotzdem ist Schneider Hoover weitgehend unbekannt geblieben. Am 19. Juni 2026 feierte die Informatikpionierin ihren 100. Geburtstag – Anlass für einen Blick auf eine Frau, deren Arbeit fast alle Entwickler kennen, deren Namen aber nur wenigen bekannt ist.
Ein Buch als Inspirationsquelle
Erna Schneider wurde kurz vor Beginn der Weltwirtschaftskrise geboren, ihr Vater war Zahnarzt, die Mutter Lehrerin. Die Schneiders lebten in South Orange, das ab 1920 zu einem gutbürgerlichen Vorort für Pendler wurde, die unter anderem in New York arbeiteten. Erna Schneider liebte es, zu schwimmen und Kanu zu fahren und entwickelte schon früh großes Interesse an Naturwissenschaften.
Als 1937 Madame Curie(öffnet im neuen Fenster) erschien, die sehr persönliche und die Tragödien ihres Lebens nicht aussparende Biografie der bis heute einzigen Frau, die zwei Nobelpreise in unterschiedlichen Fachrichtungen erhielt, gehörte Schneider zu den begeisterten Leserinnen des Buchs. Madame Curie, geschrieben von Curies Tochter Eve, einer bekannten Journalistin, wurde zum Weltbestseller, was vielleicht auch an der Botschaft des Buches lag, die wohl nicht nur für die junge Erna Schneider die war, dass Frauen trotz schwieriger Bedingungen Außergewöhnliches erreichen konnten.
Nach dem Schulabschluss besuchte Schneider das Wellesley College, eine auf liberal arts, also Allgemeinbildung, spezialisierte Bildungseinrichtung für Frauen, wo sie klassische und mittelalterliche Philosophie sowie Geschichte studierte. In einem Interview anlässlich der 75. Reunion vor knapp drei Jahren sagte sie, das College habe sie sehr gut auf ihr Berufsleben vorbereitet(öffnet im neuen Fenster).
Sie habe zuvor eine öffentliche Schule besucht und die dort angebotenen Fächer "nicht sehr inspirierend" empfunden. "Aber als ich aufs College kam, fühlte ich mich wie befreit. Ich liebte alle Kurse und Vorlesungen, egal zu welchem Thema, und ich verbrachte sehr viel Zeit mit Lernen, weil es so aufregend für mich war."
Informatik als Studienfach gab es damals noch nicht. Computer waren selten, und die wenigen existierenden Maschinen arbeiteten noch mit Elektronenröhren. "1947, als ich im dritten Studienjahr war, wurde bei Bell Labs der Transistor erfunden,"erinnerte sie sich später. Ausgerechnet dort sollte sie wenige Jahre später ihre Karriere beginnen. "Das Fundament, das ich im College erwarb, half mir mein Leben lang sehr,"betonte sie, denn es habe auch dazu geführt, dass sie eine selbstbewusste junge Frau geworden sei.
Aber es ging am College nicht nur um Wissen und Lernen. Im Gedächtnis blieben ihr auch kleine Momente: "Die Philosophie-Professorin lehrte uns auch symbolische Logik und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sie zufrieden lächelte, wenn sie eine lange Gleichung an die Tafel geschrieben hatte."


