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Vermittlungsprobleme beim SPC-System

Bell Labs erforschte seit den 1950ern elektronische Vermittlungssysteme und die Idee der Stored Program Control (SPC), im Kern also Telefonvermittlungsanlagen, deren Steuerung durch ein gespeichertes Computerprogramm erfolgt. Statt elektromechanische Schalter und Relais zu verwenden, übernimmt ein Computer die Entscheidung, wie Telefongespräche verbunden, überwacht und beendet werden. Das erste SPC-System wurde 1963 bei einem privaten Kunden in Betrieb genommen, ein früher Praxiseinsatz und Test für das Konzept.

Zwei Jahre später, 1965, wurde dann das SPC-System mit dem No. 1 ESS in einer Vermittlungsstelle in Succasunna, New Jersey, in Betrieb genommen – es war das erste große öffentliche Telefonsystem, das SPC-Technologie nutzte. Und so etwas funktioniert in den seltensten Fällen direkt reibungslos.

Das Problem bestand darin, dass eine Vermittlungsstelle und damit auch das System, das Kern dieser Anlage ist, nur über begrenzte Ressourcen verfügt, aber eine Vielzahl von Aufgaben hat. Neue Anrufe müssen angenommen und Verbindungen müssen hergestellt werden, sonst kommt kein Telefonat zustande.

Daneben muss jedoch die hergestellte Verbindung überwacht werden, damit ein Telefonat auch beendet werden kann. Und nebenher müssen noch Gebühren erfasst, Statistiken mit Updates versehen und allerlei Verwaltungsaufgaben erledigt werden – allesamt Anfragen, die an so ein System herangetragen werden.

Wenn nun zum Beispiel, ausgelöst durch irgendein Ereignis, plötzlich sehr viele Anfragen auf das System treffen, bekommt es immer mehr Arbeit und wird dadurch langsamer, bis es praktisch blockiert. Und die Queues mit den Anfragen werden weiter gefüllt.

Das Blockieren des Systems ist deshalb ein Problem, weil es bedeutet, dass ein auf 1.000 vermittelte Gespräche pro Minute ausgelegtes System bei Überlastung eben nicht mehr 1.000 Vermittlungen pro Minute bereitstellt und die darüber hinausgehenden Verbindungsanfragen in einen Fehler laufen, sondern dass im blockierten Fall gar keine Vermittlungen mehr möglich sind.

Erna Schneider Hoover löst das Problem – noch auf der Entbindungsstation

Nachdem sie ihre zweite Tochter zur Welt gebracht hatte, begann Hoover noch auf der Entbindungsstation des Krankenhauses ihre Idee zu skizzieren, die sie auch zu Hause weiterverfolgte: Sie entwickelte ein Programm, das die Häufigkeit eingehender Anrufe überwachte und die Annahmerate automatisch anpasste.

Dadurch konnten Anfragen, die die Kapazitäten des Systems übersteigen würden, abgelehnt werden. Die Zuverlässigkeit des Dienstes während Spitzenzeiten wurde verbessert: Zwar können so nicht alle Verbindungswünsche erfüllt werden, aber im Rahmen der Systemkapazitäten bleiben die gewohnt verfügbaren Vermittlungen auch weiterhin möglich.

Bei Hoovers Arbeitgeber erkannte man die Tragweite ihrer Idee sofort. Anwälte von Bell suchten sie damals zu Hause auf, weil sie sich nach der Geburt noch im Mutterschaftsurlaub befand, der Antrag auf ein Patent für diese Idee aber schnellstmöglich gestellt werden musste.


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