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10 Jahre Wikileaks: Assange verteidigt Veröffentlichung von Malware

Die spektakulären Enthüllungen zu US-Präsidentschaftskandidatin Clinton sind ausgeblieben. Julian Assange kündigte zum zehnjährigen Bestehen von Wikileaks jedoch "signifikante" Veröffentlichungen in den kommenden Wochen an.
/ Friedhelm Greis
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Assange kündigt neue Veröffentlichungen an. (Bild: youtube.com/Screenshot: Golem.de)
Assange kündigt neue Veröffentlichungen an. Bild: youtube.com/Screenshot: Golem.de

Viele US-Bürger haben sich die Nacht zum Dienstag umsonst um die Ohren geschlagen. Die von Wikileaks geschürten Erwartungen, mit einer neuen Enthüllung zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton entscheidend in den US-Wahlkampf einzugreifen, blieben unerfüllt. Die zweistündige Pressekonferenz in Berlin(öffnet im neuen Fenster) , zu der Wikileaks-Gründer Julian Assange aus seinem Londoner Botschaftsasyl per Videokonferenz zugeschaltet war, entpuppte sich eher als Werbeveranstaltung für das vor exakt zehn Jahren gegründete Enthüllungsportal. Am 4. Oktober 2006 war die Domain wikileaks.org registriert worden.

Die zuvor angedeutete "Oktober-Überraschung" lässt daher noch etwas auf sich warten. Assange nannte dafür einen recht praktischen Grund: "Sie müssen verstehen, wenn wir etwas mit Bezug zu den Vereinigten Staaten veröffentlichen wollen, wir das nicht um drei Uhr nachts machen würden." Eine ursprünglich geplante Botschaft vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London war kurzfristig abgesagt worden. Wegen Sicherheitsbedenken. Allerdings wolle seine Organisation in den kommenden zehn Wochen im Wochenrhythmus neues Material publizieren. Dieses betreffe Google, die US-Präsidentschaftswahlen, Waffenhandel, Krieg, Öl und Massenüberwachung. Das Material zu den US-Wahlen solle jedoch vor dem Wahltermin vom 8. November veröffentlicht werden.

Clinton und Trump "gequält von Ambitionen"

Wikileaks hat im Laufe dieses Jahres zehntausende E-Mails von Hillary Clinton(öffnet im neuen Fenster) und zehntausende Mails und Dokumente der Demokratischen Partei(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht. Assange wird daher vorgeworfen, aus persönlichen Animositäten gegenüber Clinton in den US-Wahlkampf einzugreifen und deren republikanischen Herausforderer Donald Trump damit zu unterstützen. Auch die neuen Veröffentlichungen seien "signifikant" für den Wahlkampf.

Ob sie – wie von Trumps Unterstützern erhofft – den Ambitionen der früheren US-Außenministerin einen entscheidenden Schlag versetzen, ließ Assange offen. Auf die Frage, ob er sich Trump wesensverwandt fühle, antwortete Assange ausweichend. "Ich bedauere auf gewisse Weise Hillary Clinton und Donald Trump. Ich sehe beide gequält von ihren Ambitionen." Das dürften sicherlich auch einige Beobachter von Assange selbst denken.

Malware "extrem interessant"

Zudem verteidigte der 45 Jahre alte Australier das Vorgehen von Wikileaks, in seinen Veröffentlichungen keine Malware aus Originaldokumenten zu entfernen . Das Portal hatte am 19. Juli 2016 damit begonnen, den Inhalt von 1.444 Postfächern der türkischen Regierungspartei AKP mit mehr als 400.000 E-Mails samt zugehöriger Anhänge zu veröffentlichen. Der bulgarische Sicherheitsforscher Wesselin Bontschew fand in den Dokumenten unterschiedliche Schadprogramme wie Phishing-Trojaner. Die Tatsache, dass die AKP Ziel von Malware-Attacken geworden war, ist nach Ansicht Assanges "extrem interessant, und nichts, was wir zensieren wollen" . Zudem werde die Malware erst aktiv, wenn die Dokument heruntergeladen und beim Öffnen Warnungen ignoriert würden.

Zudem muss sich Wikileaks seit längerem des Vorwurfs erwehren, das Geschäft von Rechtspopulisten zu betreiben und sich von der russischen Regierung instrumentalisieren zu lassen. Es ist sicher kein Zufall, dass die Pressekonferenz am Dienstag vom russischen Staatssender RT ins Netz gestreamt wurde. Wikileaks wies in einem Infoblatt(öffnet im neuen Fenster) die Vorwürfe zurück, ein "Agent" von irgendeiner Regierung zu sein, auch nicht der russischen. So hatte es Spekulationen gegeben, das Demokratische Nationalkomitee (DNC) sei von Russland aus gehackt worden. Mit den Veröffentlichungen über Wikileaks wolle Russland aktiv in den Wahlkampf eingreifen.

Wikileaks zitierte in dem Infoblatt den US-Geheimdienstchef James Clapper, der Ende Juli vor vorschnellen Schuldzuweisungen gegenüber Russland gewarnt hatte(öffnet im neuen Fenster) . Vor zwei Wochen deutete Clapper jedoch an(öffnet im neuen Fenster) , dass Russland durchaus hinter dem DNC-Hack der Daten stecken könnte. Diese Informationen unterschlägt Wikileaks jedoch geflissentlich.


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