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1 Million Kilometer: Catl bewirbt neue Akkus mit irritierenden Versprechen

Die nächste Generation schnell ladender Akkus soll dank überlegener Technik fast unbegrenzt halten – wenn man nicht weiter darüber nachdenkt.
/ Mario Petzold
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Wer würde ihn nicht kaufen, einen mittlerweile bis zu 15 Jahre alten Nissan Leaf. (Bild: Getty Images/Miles Willis)
Wer würde ihn nicht kaufen, einen mittlerweile bis zu 15 Jahre alten Nissan Leaf. Bild: Getty Images/Miles Willis

Mit einem Video(öffnet im neuen Fenster) und einem Post(öffnet im neuen Fenster) demonstriert der chinesische Batteriehersteller Catl die Haltbarkeit seiner 5C-Akkus. Diese können mit dem fünffachen Wert an Leistung in Bezug auf ihre Kapazität geladen werden, eine Batterie mit 60 Kilowattstunden demnach mit 300 Kilowatt. Diese Prozedur sollen die Akkumulatoren 1.400-mal überstehen können, ohne unter 80 Prozent ihrer Ursprungskapazität zu fallen.

Dieser Wert soll sich allerdings auf eine Umgebungstemperatur von 60 °C beziehen. Bei 20 °C lassen sich laut Hersteller 3.000 Ladezyklen durchführen, was bei einer typischen Reichweite von 400 km mehr als eine Million Kilometer wären. Wobei zu bedenken ist, dass das Schnellladen in der Regel nur zwischen 20 und 80 Prozent der Kapazität erfolgt. Die magische Millionengrenze muss man sich schönrechnen oder einen entsprechend großen Akku kaufen.

Es fehlt die Altersangabe

Was folgt, sind die technischen Erklärungen von einer besonderen Beschichtung der Kathode über selbstheilende Additive im Elektrolyt bis zu einer optimierten Temperaturregelung. Was dagegen nicht erwähnt wird, ist das erreichbare Alter der Batterie.

In Deutschland wird ein Pkw im Durchschnitt 12.000 km pro Jahr bewegt. Werden nur Dieselantriebe genommen, sind es 17.000 km. Selbst dann wäre die Million erst nach 60 Jahren erreicht. Natürlich schön, dass die Batterie derart lange hält, aber der Rest des Autos dürfte sich dann längst aufgelöst haben.

Wobei solche Auflösungserscheinungen auch vor Batterien, deren Elektronik, der Haltekonstruktion und der Ummantelung der Zellen nicht haltmachen dürften. So nennt Catl auf seiner Seite(öffnet im neuen Fenster) zwar eine garantierte Reichweite von 800.000 km, aber diese sollte man möglichst in acht Jahren zurückgelegt haben. Ein unmöglicher Wert für den Teil der Bevölkerung, der nicht beruflich auf der Autobahn unterwegs ist.

Sinnvolle Maßnahmen weiterhin nicht in Sicht

Nach einem ganzen Autoleben hört sich das dann schon nicht mehr an. Allerdings stellte Catl in Aussicht, dass irgendwann eine 15-jährige Garantie folgen könnte. Die soll aber zunächst für spezielle Akkus in Lkw und Bussen gelten, sofern eine so lange Garantie überhaupt kommt.

Der Autor meint dazu:

Für den Gebrauchtmarkt bleiben die Versprechen der scheinbar unendlichen Reichweite damit kaum der Rede wert. Stattdessen wäre ein modularer Aufbau nötig, um einzelne Komponenten der Batterie leicht und vor allem kostengünstig austauschen zu können. Mit einheitlichen Schnittstellen und genormten Größen je nach Kapazität könnten defekte Akkus zudem leichter gewechselt werden. Auch das Recycling oder eine Weiterverwendung als stationärer Speicher wäre durch eine einheitliche Bauweise wesentlich einfacher.

Ein erster zarter Schritt kommt in der EU zwar mit dem Batteriepass, der ab Februar 2027 verpflichtend wird, aber von nachhaltigem Wirtschaften ist auch der noch weit entfernt, da zunächst einmal nur genaue Informationen zur Batterie gefordert werden. Dabei ergäbe sich genau jetzt die Chance, der weiterhin vorherrschenden Verunsicherung in Bezug auf die Batterie im Elektroauto wirklich sinnvolle Maßnahmen entgegenzusetzen.

Hier dürfte im Grunde sofort das Argument folgen, wie innovationsfeindlich eine solche Normung wäre. Aber wenn die Innovation in immer mehr Kilometern in immer weniger Jahren besteht, lässt sich wohl ganz gut darauf verzichten.


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