Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

1.800 Arbeitsplätze betroffen: Polizei macht 94 betrügerische Callcenter dicht

Die Callcenter-Mitarbeiter haben sich häufig als Banker, Makler oder Polizeibeamte ausgegeben und versucht, an das Geld ihrer Opfer zu gelangen.
/ Marc Stöckel
5 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die Polizei greift gegen Telefonbetrüger in der Ukraine durch. (Bild: pexels.com / Yan Krukau)
Die Polizei greift gegen Telefonbetrüger in der Ukraine durch. Bild: pexels.com / Yan Krukau

Strafverfolgern ist mal wieder ein großer Schlag gegen eine größere Bande von Telefonbetrügern gelungen. Wie die ukrainische Cyberpolizei in einer Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) schildert, wurden dabei in der Ukraine insgesamt 94 mit betrügerischen Aktivitäten verbundene Callcenter geschlossen. Auch deutsche Strafverfolger sollen an den Ermittlungen beteiligt gewesen sein.

Den Angaben zufolge gaben sich die Callcenter-Mitarbeiter am Telefon häufig als Banker, Makler oder Polizeibeamte aus und versuchten, ihre Opfer unter anderem auf betrügerische Investitionsplattformen zu locken. Ziel war es jeweils, Zahlungen oder den direkten Zugang zu den Bankkonten Betroffener zu erhalten.

Die Betreiber der Callcenter hatten es auch auf Personen in der EU abgesehen. Einige Callcenter-Mitarbeiter waren den Angaben zufolge darauf spezialisiert, potenzielle Opfer zu finden, etwa weil sich diese für Investitionen interessierten. Die Kontaktdaten wurden dann jeweils für spätere Anrufe in Datenbanken gesammelt und häufig auch an andere Callcenter verkauft.

Telefonbetrug nach Skript

Die Betrüger drohten ihren Opfern unter anderem mit Kontosperrungen oder lockten sie mit fiktiven Gewinnaussichten auf gefälschte Anlage- und Kryptowährungsplattformen. In einigen Fällen sollen den Opfern auch spezielle Medikamente zur Behandlung verschiedener Krankheiten angeboten worden sein, welche jedoch keine echten medizinischen Wirkungen aufwiesen.

"Die Menschen wurden überredet, Geld auf von den Betrügern kontrollierte Konten zu überweisen, Kredite aufzunehmen, Bankkartendaten und Verifizierungscodes zu übergeben sowie Fernzugriffsprogramme auf ihren Smartphones und Computern zu installieren", heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Den Callcenter-Mitarbeitern sollen für ihre Arbeit von den Betreibern jeweils vorgefertigte Gesprächsleitfäden sowie Tools zur Verschleierung ihrer Aktivitäten zur Verfügung gestellt worden sein. "Hinter der Fassade gewöhnlicher Büros entdeckte die Polizei eine umfangreiche Infrastruktur, die geschaffen wurde, um Menschen systematisch zu betrügen", erklärte die ukrainische Polizei.

Geld, Gold und Geräte beschlagnahmt

Doch damit ist jetzt Schluss. Den Einsatzkräften der ukrainischen Polizei gelang es laut Meldung, im Rahmen von 411 Durchsuchungen insgesamt 94 Callcenter mit 1.794 voll ausgestatteten Arbeitsplätzen zu zerschlagen. Von Festnahmen ist zwar keine Rede, es sollen aber 26 Tatverdächtige identifiziert und benachrichtigt worden sein.

Zudem wurden den Angaben zufolge 3.336 PCs, 1.346 Telefone, mehr als 5.200 SIM-Karten, 90 Bankkarten, 22 Fahrzeuge und Zugänge zu insgesamt 20 Kryptowallets beschlagnahmt. Hinzu kommen 2 Millionen US-Dollar, 64.000 Euro, eine nicht genau spezifiziert Menge an Bargeld in der ukrainischen Landeswährung Hrywnja sowie Goldbarren und Schmuck.


Relevante Themen