Zum Hauptinhalt Zur Navigation

1.200-MBit-Powerline im Test: "Schatz, mach das Licht aus, das Netz ist so langsam!"

Sowohl per Steckdose als auch per WLAN soll Devolos neues Powerline -Kit 1.200 Megabit pro Sekunde erreichen. Im besten Fall bleibt davon ein Viertel übrig, wenn man alles richtig macht. Dennoch überzeugt das System - wenn nicht gerade Energiesparlampen stören.
/ Nico Ernst
207 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Links der Einspeiser, rechts der WLAN-Adapter mit 2 Gigabit-Ports (Bild: Nico Ernst/Golem.de)
Links der Einspeiser, rechts der WLAN-Adapter mit 2 Gigabit-Ports Bild: Nico Ernst/Golem.de

Die Mimo-Technik, bei modernen WLAN-Adaptern Standard, ist nun auch bei Powerline angekommen. Bis zu 1.200 MBit/s über das Stromkabel - das klingt nach einer Alternative zu Gigabit-Ethernet. Die neuen Adapter nutzen einen Atheros-Chipsatz, der sowohl die beiden Versorgungsleiter wie den Schutzleiter(öffnet im neuen Fenster) zur Übertragung verwendet. Devolo(öffnet im neuen Fenster) bewirbt seine Geräte aber vor allem als Verlängerung eines vorhandenen WLANs, daher gibt es jetzt unter dem Namen "devolo dLAN 1200+ WiFi ac Starter Kit" ein System, das aus einem Einspeisepunkt und einem Access Point besteht. Letzterer bietet 802.11ac mit maximal 1.200 MBit/s sowie zwei Ports für Gigabit-Ethernet.

Das Kit besteht aus dem Adapter "dlan 1200+", der ein bestehendes LAN per Ethernet auf das Stromnetz erweitert. An einer beliebigen anderen Steckdose kann dann der "1200+ ac" angebracht werden, wo er ein WLAN aufspannt. Dieses kann von einem vorhandenen Funknetz geklont werden oder auch mit einer neuen SSID und einem anderen Frequenzband ein neues Netz erstellen.

Damit dürfte es der häufigste Anwendungsfall sein, einen bisher unterversorgten Bereich einer Wohnung wie etwa ein anderes Stockwerk mit WLAN zu versorgen. Der größte Vorteil: Bohren und Strippenziehen entfällt. Alle Nachteile von Powerline bleiben aber erhalten, auch wenn Devolo mit Filterschaltungen stark entgegenwirkt.

Noch viel mehr als Internet per TV-Kabel oder WLAN ist Powerline ein sogenanntes Shared Medium: Nicht nur die Datenübertragung, sondern auch die Stromversorgung läuft über die Kabel in der Wand. Dabei können alle möglichen Verbraucher Störstrahlungen in das Stromnetz übermitteln, so dass an verschiedenen Steckdosen verschiedene Geschwindigkeiten erreicht werden. Auch im Betrieb kann sich das Tempo verändern, wenn Geräte eingeschaltet werden. Das lässt sich auch in einem technikaffinen Privathaushalt nicht immer unterbinden, wenn beispielsweise der Kühlschrank anspringt - oder jemand das Licht im Bad einschaltet.

Wir testen im Folgenden ein von Devolo gestelltes Kit mit den beiden Adaptern und geben auch einige Hinweise zur Suche nach der schnellsten Steckdose, denn: In unserer Testumgebung ergeben sich je Nettobandbreiten von 9,3 bis 39 Megabyte pro Sekunde per Powerline. Das ist mehr, als wir bisher mit jedem anderen Stromadapter messen konnten, setzt jedoch einige Planung voraus.

Testumgebung und Tipps für schnelles Powerline

Wir testen das Devolo-System in einer Privatwohnung, die vor kurzem vom Elektriker modernisiert wurde. Es existieren ein Stromlaufplan und eine Auflistung darüber, welche Steckdose sich auf welcher Phase befindet. Zusätzlich zur Küche - die sich in der Regel auf einer eigenen Phase befindet - gibt es noch zwei zum Test genutzte Phasen, auf jedem der beiden Stockwerke eine.

Den besten Durchsatz erreicht Powerline, wenn sich alle Adapter auf derselben Phase befinden. Über mehrere Phasen hinweg ist eine Vernetzung noch möglich, was sich auch in unserem Fall zeigte. Hinter dem Stromzähler, also im Netz des Nachbarn, sollte in der Regel Schluss sein - das bestätigte sich auch bei unseren Versuchen. Es sind der Redaktion jedoch Fälle bekannt, in denen sich Powerline-Adapter mit Standardpasswort für das Netz auch mit benachbarten Netzen verbanden. Wie von der Devolo-Software empfohlen, sollte der Nutzer also unbedingt das Kennwort ändern.

Ebenso sollte er den Empfehlungen der Hersteller unbedingt folgen, was die Positionierung der Adapter betrifft: Sie gehören in eine Wandsteckdose und nirgends anders hin. Eine Mehrfachsteckdose, auch mit zahlreichen Verbrauchern, kann an der durchgeschleiften Steckdose der Adapter angebracht werden. Ebenso sollten zwei Powerline-Adapter nicht in einer an der Wand befindlichen Mehrfachsteckdose nebeneinander sein.

Ein zu kurzer Abstand der Adapter voneinander kann zu Rückkopplungen führen und die Datenrate stark senken. Wenn aber beispielsweise nur eine Wand überbrückt werden soll und die Steckdosen auf beiden Seiten eigene Leitungen zum Verteiler besitzen, klappt auch das mit hohem Tempo. Diese Möglichkeit stellte in unserem Test die schnellste Variante dar und ist in den Diagrammen als "Optimalfall" verzeichnet.

Je weiter die Steckdosen der Adapter voneinander entfernt sind, umso geringer wird die Datenrate per Powerline. Wir bewerten dabei eine Distanz, wobei Stromkabel von rund 15 Metern zu überbrücken sind. Als Worst-Case messen wir auch über 35 Meter, wobei sich die Adapter auf zwei verschiedenen Phasen befinden. Das erscheint uns für die Vernetzung von zwei Stockwerken realistisch. Zuletzt gibt es noch eine Mitteilung über fünf Steckdosen als Ziel, drei auf derselben Phase, zwei auf verschiedenen. Alle Messungen wurden dreimal zu drei verschiedenen Tageszeiten durchgeführt.

Wir prüften um 11, 15 und 21 Uhr. Erwartungsgemäß waren die Verbindungen abends, wenn viele Verbraucher eingeschaltet sind, am niedrigsten und morgens am höchsten.

Energiesparlampen und Handynetzteile stören stark

Bei den ersten Experimenten stellte sich heraus, dass vor allem Energiesparlampen (ESL) die Datenrate um 20 bis 40 Prozent drücken. Das fiel auf, als wir während einer langen Datenübertragung zum Kaffeeholen gingen und das Licht im Flur einschalteten. Sowohl Deckenlampen als auch, wie sich später herausstellte, Stehleuchten an Steckdosen können Powerline empfindlich stören.

Devolo bestätigte diese Effekte und gab auch an, dass vor allem billige Netzteile, wie sie zum Laden von mobilen Geräten wie Smartphones original und als Zubehör verkauft werden, zu den größten Störern gehören. Wir haben fünf solcher Netzteile aus dem Redaktionsfundus ausprobiert, konnten aber keinen nennenswerten Effekt feststellen - offenbar haben wir mit diesen Netzteilen einfach Glück gehabt.

Nicht so aber bei den Energiesparlampen. Sowohl billige No-Name-Leuchtmittel als auch ESLs aus der Tornado-Serie von Philips mit 5 oder 8 Watt für die E14-Fassung bremsten unsere Powerline stets aus. Dabei spielte es keine Rolle, ob nur eine oder gleich vier der Leuchtmittel eingeschaltet werden, die Verluste von im Mittel 30 Prozent ergaben sich jedes Mal. Mit LED-Leuchtmitteln von Müller Licht in denselben Deckenleuchten ergab sich kein Verlust - Powerline-Haushalte sollten also auch beleuchtungstechnisch modernisiert werden.

Ein besonders gemeiner Störer, den wir von früheren Versuchen kennen, ist eine 30 Jahre alte Schlagbohrmaschine. Generell sind schnell laufende Elektromotoren für Powerline häufig problematisch. Mit dem Bohrer prüften wir, wie effektiv die Filter in den Devolo-Adaptern sind. Bei diesem Verbraucher konnte die durchgeschleifte Steckdose die Verluste nur leicht mildern, aber immerhin messbar. Mit einer der Tornado-ESLs an der Devolo-Steckdose ging wiederum kein Tempo verloren, hier filtern die Adapter also recht gut. Bemerkenswert ist auch, dass die Verbindung nach einigen Sekunden wieder schneller wird, wenn das störende Gerät ausgeschaltet ist - die Adapter stellen sich gut auf die Gegebenheiten ein.

Bei der Bewertung der Datenrate für Powerline alleine kopierten wir stets große Dateien von einem Synology-NAS (DS414, vier Festplatten) auf ein Notebook, das per Gigabit-Ethernet an den 1200+ ac angeschlossen war. Das NAS liefert zuverlässig über 100 Megabyte pro Sekunde per Ethernet.

Mit der Powerline, die am selben Switch wie das NAS als Einspeisepunkt angeschlossen war, ergaben sich im besten Fall 39 Megabyte pro Sekunde, über mittlere Distanz waren es 22,3 MByte/s. Die größte Entfernung mit zwei Stromphasen erreichte noch 12,4 Megabyte pro Sekunde. Über fünf Steckdosen gemittelt, ergaben sich 24,6 MByte/s.

Das klingt für das Kopieren von Dateien nach einem langsamen Netz, ist aber für Powerline durchaus fix. Zudem kam es im mehrtägigen Test zu keinerlei Verbindungsabbruch, wobei wir außer bei den Messungen nicht auf andere Verbraucher achteten. Und mit über 200 MBit/s per Powerline kann man einen VDSL-50-Anschluss auch mit mehreren Clients immer noch ausreizen und auch HD-Videos von einem Streaminganbieter an mehrere Abspielgeräte übertragen. Mit älteren Powerline-Adaptern ab der 200-MBit-Klasse ist das Kit kompatibel, diese werden aber auch durch den 1.200-MBit-Einspeisepunkt nicht schneller.

ac-WLAN mit 5 GHz und flotter Gigabit-Switch

Den WLAN-Adapter 1200+ ac haben wir vor allem auf sein Tempo im 5-GHz-Band geprüft, denn das stellt die entscheidende Neuerung dar. Das Devolo-Kit kann aber auch gemischte Netze mit 2,4 GHz und 5 GHz bedienen. Ein bestehendes WLAN lässt sich per WPS mit einem Tastendruck an Router und Adapter klonen, wovon wir jedoch abraten würden: Im schlimmsten Fall funken gerade bei 2,4 GHz beide Geräte auf demselben Kanal und stören sich gegenseitig. Sinnvoller erscheint es uns, ein eigenes WLAN mit eigenem Kanal zu erstellen, bei den Clients muss man dieses schließlich nur einmal verbinden.

Gemessen haben wir wiederum den Dateitransfer vom NAS, und zwar einmal bei direkter Sichtverbindung von Adapter und Client über drei Meter, dann über 9 Meter mit einer tragenden Stahlbetonwand dazwischen und dann im anderen Stockwerk mit einer Decke und der genannten Wand im Signalweg.

Auf kurze Distanz erreichte das 5-GHz-WLAN einen Durchsatz von 27,2 Megabyte pro Sekunde, bei der mittleren Strecke noch 20,2 MByte/s. Dass ac-Netze mit vielen Hindernissen nicht gut zurechtkommen, zeigte sich bei der langen Strecke durch die Decke: Nur noch 0,5 MByte/s kamen auf dem Notebook an. Das reicht noch zum Surfen, kann jedoch bei Störungen im WLAN - wenn etwa eine Person vor dem Access Point steht - schon zu Abbrüchen beim Streaming führen. Für die Vernetzung von Clients auf demselben Stockwerk scheint der 1200+ ac aber stets schnell genug.

Da sich an dem Gerät auch zwei Gigabit-Ports befinden, wollten wir auch wissen, wie gut sich der Adapter als Switch macht. Dazu haben wir das NAS direkt an den 1200+ ac angeschlossen, und ebenso per Gigabit-Kabel das Notebook. Dabei ließen sich 109 Megabyte/s vom NAS kopieren - das liegt im Rahmen der Messgenauigkeit bei dem Wert, den wir sonst über andere Switches erzielten. Bei solchen Verkabelungen gilt es aber zu beachten, dass das NAS dann von allen anderen Clients, die sich nicht am selben Switch befinden, nur über Powerline zugänglich ist - und entsprechend langsamer.

Ebenso wird das WLAN durch die Powerline im ungünstigen Fall ausgebremst. Wenn von einem Server, wie dem NAS, durch das Stromnetz nur 20 MByte/s ankommen, kann auch ein 1.200-MBit-WLAN nur diese 20 MByte/s erreichen, und nicht etwa rund 50 MByte/s, was ein ac-Netz auf freiem Kanal mit einem Link von 1.200 MBit/s durchaus erreicht.

Leistungsaufnahme und Fazit

Der Energiebedarf beider Adapter schwankt stark mit der Belastung der Netze. Der 1200+ ac mit seinem WLAN-Access-Point braucht dabei stets mehr, auch wenn über die per Browser erreichbare Konfigurationsoberfläche das Funknetz abgeschaltet ist. Ohne WLAN benötigt der 1200+ ac bei aktiver Powerline zwischen 4 und 6 Watt, Letzteres bei Übertragungen per Ethernet-Kabel zu einem Client. Mit WLAN, zwei Clients daran, und einem per Kabel, sind es knapp 8 Watt. Nach 10 Minuten ohne Aktivität schaltet das Gerät in einen Standby-Modus und nimmt dann noch rund 2 Watt auf.

Der Einspeisepunkt 1200+ schaltet sich ebenso schnell aus, dann liegt seine Leistungsaufnahme unter einem Watt. Bei voller Last mit drei Clients an der Powerline sind es gut 4 Watt, herrscht Ruhe im Netz, sind nur 2 Watt gefordert. Bei solchen Messungen muss man eine Eigenheit der durchgeschleiften Steckdosen beachten: Ein Messgerät in der Wand, darin der Adapter, und am Devolo-Gerät eine Mehrfachsteckdose mit weiteren Verbrauchern ist keine gute Idee. Dann misst man die Leistungsaufnahme aller Verbraucher - die Steckdose im Adapter muss also dafür frei bleiben. Das Aufwachen der Powerline dauert stets drei bis vier Sekunden, wer sofortige Verbindungen per Ethernet gewohnt ist, muss sich umstellen.

Fazit

Bleibt bei WLAN von den MBit-Angaben der Hersteller als Faustregel die Hälfte übrig, so ist es bei Powerline noch immer höchstens ein Viertel. Von den beworbenen 1.200 MBit/s sind also in der Praxis maximal 40 Megabyte pro Sekunde zu erwarten - und auch das nur, wenn die Steckdosen eigene Zuleiter besitzen und sich nahe beieinander befinden. Mit im Mittel über 200 MBit/s ist das Devolo-Kit aber die schnellste Powerline-Verbindung, die wir bisher testen konnten.

Der WLAN-Access-Point ist mit 5-GHz-Netzen per 802.11ac so schnell wie erwartet, erzielt aber keine besonders hohen Reichweiten. Ein Ersatz für einen professionellen AP mit externen Antennen ist er nicht, aber im selben Stockwerk eines Heimnetzes eine sinnvolle Ergänzung. Nur zum Surfen, für Downloads und das Videostreaming kann man eine Internetverbindung mit bis zu 100 MBit/s sowohl per Powerline als auch WLAN mit dem Devolo-Kit ausreizen.

Der größte Vorteil solcher Lösungen ist immer noch die unkomplizierte Installation sowie der Verzicht auf Bohr- und Verlegearbeiten. Diesen Komfort lässt sich Devolo aber sehr gut bezahlen: Das derzeit an die Händler ausgelieferte Kit kostet rund 180 Euro. Dafür gibt es auch einen High-End-Router, der - sofern es nur um WLAN geht - vielleicht auch die Funkschwäche beheben kann.


Relevante Themen