1&1 Mobilfunk: Viertes deutsches Mobilfunknetz angelaufen

1&1 Mobilfunk hat einen ersten erfolgreichen Testlauf für sein eigenes 5G-Mobilfunknetz durchgeführt. Das gab die United-Internet-Tochter am 15. August 2022 in dem Karrierenetz Linkedin bekannt(öffnet im neuen Fenster) . "Im Juli haben wir den ersten Friendly User Test unter realen Bedingungen und im echten Kundenverhalten gestartet. So haben wir Geschwindigkeiten von über 1 Gigabit pro Sekunde erzielt sowie stabile Datentransfers mit circa 8 Terrabyte pro Kunde innerhalb von 24 Stunden."
Unter optimalen Bedingungen seien Latenzzeiten von nur 3 Millisekunden erzielt worden. Zum Beispiel bei Gaming-Anwendungen in der EDGE-Cloud. Doch erst im nächsten Sommer sollen die ersten Kunden das neue Mobilfunknetz nutzen können. "Getestet wurde ein 5G Fixed Wireless Access Produkt" , sagte Sprecherin Lisa Pleiß Golem.de auf Anfrage. "Die ersten Antennen und Rechenzentren stehen. Nun geht es darum, den Ausbau zu skalieren. Zunächst liegt der Fokus auf urbanen Gebieten und wird von dort aus sukzessive vorangetrieben."
Für die zu erbringende Abdeckung werde man in 390 Städten 5G-Antennen errichten, vier Core Data Center in Betrieb haben sowie 24 Edge-Rechenzentren und rund 500 dezentrale Far-Edge-Rechenzentren. "Diese werden dann maximal zehn Kilometer von der nächsten Antenne entfernt sein" , betonte Pleiß.
Man werde nun einige Monate benötigen, um alle Funktionen in Betrieb zu nehmen. Das "betrifft insbesondere Telefoniefunktionen, wofür unser Netz mit anderen Netzen im In- und Ausland verbunden wird. Zum Schluss dieses Prozesses wird dann im Sommer 2023 das parallel von Telefónica zu entwickelnde National Roaming hinzugeschaltet."
Im Rahmen des mehrwöchigen Friendly User Tests in Mainz, Karlsruhe und Frankfurt habe man den ersten Live-Test im neuen 1&1 Open RAN Mobilfunknetz durchgeführt. Der Test startete im Juli.
1&1 Mobilfunk kann noch kein mobiles 5G
Zum Start werde man FWA (Fixed Wireless Access) anbieten, per WLAN-Router für den Hausgebrauch. 5G für mobile Smartphone-Nutzer werde erst Mitte 2023 verfügbar sein, wurde zuvor angekündigt. FWA steht für Fixed Wireless Access und bedeutet, dass das Mobilfunksignal über eine Antenne auf dem Dach oder am Fenster ins Haus gebracht wird, von wo über Ethernet-Kabel und Wi-Fi die Versorgung aufgebaut wird.
1&1 wird sein Netz von dem japanischen Open-RAN-Betreiber Rakuten aufbauen lassen. Rakuten ist Generalunternehmer und hat die Verantwortung für die Planung und den kompletten Aufbau. Fronthaul, Midhaul und Backhaul werden über die Schwestergesellschaft 1&1 Versatel realisiert .
Als Kunde von Rakuten Symphony wird 1&1 vermutlich eine von Altiostar entwickelte Funkzugangsnetzsoftware verwenden, einem US-Unternehmen, das Rakuten vergangenes Jahr gekauft hat. Die Cloud-Plattform, auf der diese Software gehostet wird, wird wohl von Robin.io bereitgestellt, einem weiteren Spezialisten, den Rakuten übernommen hat. Robin.io hat seinen Sitz im Silicon Valley in Kalifornien.
Nokia liefert den Kern?
Bisher scheint Nokia der einzige Drittanbieter zu sein, der über Symworld, Rakutens App-Store für Netzwerk-Tools, Produkte verkauft. Der finnische Anbieter ist außerdem der Hersteller mehrerer Kernnetzprodukte, was bedeutet, dass Rakuten offenbar keine eigenen Angebote haben könnte, berichtete Light Reading(öffnet im neuen Fenster) . Laut Light Reading wird ein Großteil der Ausgaben von 1&1 für Remote Radio Heads verwendet, die von NEC aus Japan geliefert werden. Cisco aus den USA, ein weiteres Unternehmen, das Rakuten für sein japanisches Netz eingesetzt hat, stellt IP-Transporttechnologie bereit, sagte Tareq Amin, Chef von Rakutens Open-RAN-Bereich zu Light Reading(öffnet im neuen Fenster) . Mavenir, ein US-Softwareentwickler, rüstet die Kernnetzwerkprodukte auf.
Während das Unternehmen betont, das Netz "ohne Abhängigkeiten von dominierenden Herstellern aus China" zu agieren, ist man hier hochgradig abhängig von Rakuten als Integrator und Lieferant. Andere Open-RAN-Betreiber wie Dish in den USA setzen auf verschiedene Lieferanten, was aber wahrscheinlich zusätzliche Kosten erzeugt.