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Bilanz nach 2 Jahren Telefonmarkt-Liberalisierung

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Der Sturm im Telekommunikationsmarkt ließ auch im zweiten Jahr der Liberalisierung nicht nach: Eine riesige Fusionswelle überrollt die Branche, die ersten Anbieter ziehen sich aus dem Markt zurück, und zumindest in Deutschland erwartet man den Angriff der Privaten auf die Ortsnetze.

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Während 1998 noch eine Preissenkung die andere jagte und ständig neue Anbieter durchstarteten, waren 1999 eher kleine Veränderungen spürbar. Auf geringe Preissenkungen folgten winzige Vergünstigungen, die in "kosmetische" Nachbesserungen und vorübergehend gültige Lockangebote übergingen. Im Vordergrund standen in diesem Jahr nicht die Tarife und die Preispolitik, sondern vielmehr der wirtschaftliche Umbruch bei den Gesellschaften selbst.

Allianzen, Fusionen, Übernahmeschlachten und Aufgaben prägten den Telekommunikationsmarkt. Unübersehbar hat die Konsolidierungsphase begonnen.

Eine ganze Reihe der in Deutschland aktiven Anbieter wurden von ihren Mitbewerbern "geschluckt": GTS übernimmt erst Westcom, dann erfolgt der Zusammenschluss mit Esprit Telecom. Mannesmann Arcor schluckt den Konkurrenten Otelo und dessen Tochtergesellschaft Germany.net. Die Swisscom kauft sich mit 3,4 Milliarden Schweizer Franken bei Debitel ein, dem bereits der baden-württembergische Regional-Carrier Tesion gehörte. Arcor verleibt sich auch den City-Carrier ISIS aus Düsseldorf ein. Mobilcom erwirbt Telepassport und damit auch Super24. VEW Telnet wird an die niederländische VersaTel verkauft. Auch wurden schon die ersten Angebote wieder vom Markt genommen: Der in Erfurt ansässige Carrier Super24 wird seinen Dienst zum Jahresende nicht mehr anbieten, Telegate will sein Call by Call-Angebot nur noch befristet fortführen, aber vorher noch einmal die Preise anheben. Endgültig Schluss soll dann im Frühjahr 2000 sein. Debitel hatte sein Call by Call-Angebot bereits im Sommer eingestellt.

Auch für das Jahr 2000 stehen mächtige Umbrüche bevor. "Die Mitbewerber der Telekom haben die Zeit genutzt, um sich auf den Wettbewerb im Ortsnetz vorzubereiten", so Ralf Hüskes, Herausgeber des Fachmagazins xdial.de.

Insbesondere die Internet-Anwender dürften sich auf die kommenden Ortsnetz-Angebote freuen: haben die alternativen Telefongesellschaften darüber doch die Möglichkeit, Internet ohne Telefongebühren anzubieten. Dass die Telekom- Mitbewerber diese Möglichkeit nutzen werden, demonstrierte jüngst der Anbieter Arcor durch sein Angebot einer Internet- Flatrate für 149,- Mark im Monat. "Beginnt der Wettbewerb, so wird es nicht mehr lange dauern, bis die Preise für ein zeitlich unbegrenztes Surfen auf unter 100 Mark im Monat sinken", so die Einschätzung von Hüskes.

Ein Haken bleibt allerdings: Selbst Arcor, der Telekom- Konkurrent mit der größten Infrastruktur, möchte sein Angebot im Laufe des Jahres 2000 lediglich in 40 Städten offerieren, die ländlichen und kleinstädtischen Regionen werden im Nahbereich von der Liberalisierung so schnell nicht profitieren.

Und ein weiterer Nachteil kommt hinzu: Wer mit seinem kompletten Anschluss weg von der Telekom hin zu einem der privaten Anbieter wechselt, kann nur noch eingeschränkten Gebrauch von Call by Call machen. Bei Mitbewerbern wie BerliKomm oder NetCologne verhält es sich ähnlich. Welcher Anbieter Call by Call über welchen Mitbewerber zulässt, ist letztendlich deren freie wirtschaftliche Entscheidung. Arcor gestattet beispielsweise ausschließlich die Nutzung von Otelo und der Deutschen Telekom. So werden die Spielregeln zukünftig mehr und mehr vom Markt und nicht mehr von der Regulierungsbehörde bestimmt.



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