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Die Versprechen der 3D-Karten-Hersteller

Artikel veröffentlicht am , Julius Stiebert

Nvidia machte es mit mit dem GeForce-Chip eindrucksvoll vor: Mit einem Countdown auf der Webseite, mit dem Streuen von eindrucksvollen Screenshots im Internet und großen Ankündigungen wurde den Hardcore-3D-Spielern schon lange, bevor erste Produkte auf dem Markt erschienen, der Mund wässerig gemacht. In ersten Benchmarks zeigte sich aber schnell, dass der GeForce-Chip nur in wenigen Situationen dem anspruchsvollen 3D-Spieler einen deutlichen Perfomancegewinn bringt. Eine mit dem NVidia-TNT2-Ultra-Chip bestückte Karte erreicht in aktuellen Spielen ähnliche FPS-Werte wie der GeForce, einzige Ausnahme ist der Action-Shooter Quake 3 Arena, der bislang aber nur als Testversion einer Demo verfügbar ist.

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Aber auch Quake 3 Arena ist mit einer TNT2-Ultra-Karte und einer Auflösung von 1024x768 Punkten problemlos spielbar. Obwohl also Karten mit gängigen Chips wie dem TNT 2 Ultra von NVidia oder dem G400 von Matrox für alle aktuellen Spiele ausreichend sind, ist die Nachfrage nach GeForce-Karten trotz des hohen Preises von 500,- DM und mehr ungebrochen.

Das dürfte fast ausschließlich dem geschickten Marketing von NVidia zu verdanken sein. Trotz alledem ist der GeForce ein innovatives Produkt und die Verlagerung der Geometrieberechnung in den Grafikkartenchip mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung. Dadurch wird der Hauptprozessor frei für andere Aufgaben wie zum Beispiel verbesserte Gegnerintelligenz.

Doch bis die ersten Spiele, die die neuen Features auch ausnutzen, auf dem Markt erscheinen, werden noch einige Monate ins Land gehen. Bis dahin sollte eine Karte mit dem TNT2-Ultra- oder G400-Chip für alle aktuellen Spiele völlig ausreichen und die Preise für GeForce-Karten außerdem deutlich fallen.

Hauptkonkurrent 3dfx verfolgt eine ähnliche Strategie: In der Vergangenheit vor allem durch nicht eingehaltene Versprechen die Abwärtskompatibiliät betreffend aufgefallen, neigt auch 3dfx zu großen Ankündigungen. Der vor nicht allzu langer Zeit angekündigte T-Buffer ist nun doch nicht in der für normale Spieler erschwinglichen nächsten Generation von 3dfx-Karten enthalten, sondern nur in den High-End-Modellen mit entsprechendem Preis.

Der Nutzen des T-Buffers ist bislang auch nicht endgültig geklärt. Einige Entwickler halten ihn gar für überflüssig.

Immerhin hat nach S3 und NVidia jetzt auch 3dfx 32-Bit Rendering und Texturkompression in der nächsten Chipsatz-Generation integriert. Auch die zur letzten CeBIT noch als Videorekorderersatz angepriesene Voodoo 3500 konnte das Versprechen "Videoaufnahme am PC in VHS Qualität" nicht einmal ansatzweise erfüllen.

Ob die bereits im Internet kursierenden Angaben zu Füllraten der kommenden Voodoo-Karten erreicht werden, darf ebenfalls stark bezweifelt werden.

Durch die stetig steigende Leistung der 3D-Karten und den ansteigenden Strombedarf, welcher bereits heute oft den Einsatz in bestimmten Mainboards verhindert, zeichnet sich ein neuer Trend ab: Weg von der alleinigen Stromversorgung aus den AGP- oder PCI- Steckplätzen hin zu einem Anschluss für einen Netzteil-Stromstecker. Da fragt man sich langsam, wo die Abwärme, die nicht nur von Hochleistungs-Grafikkarten verursacht wird, aus modernen PCs eigentlich hin soll. Egal ob Mainboard-Chipsatz, Grafikkarten-Chipsatz oder Hauptprozessor: Alles ist mittlerweile mit Kühlern und Lüftern versehen, während sich die PC-Gehäuse nicht geändert haben. Sicher trägt diese Entwicklung, neben den immer kürzer werdenden Entwicklungszyklen für die 3D-Karten-Treiber, ihren Teil zu instabilen Systemen bei.

Überhaupt gewinnt man langsam den Eindruck, bei der Entwicklung von neuen Chipsätzen steht nur eine möglichst hohe Framerate in aktuellen Egoshootern im Vordergrund und nicht die Entwicklung neuer, sinnvoller Features. So gibt es bis heute keinen Standard für Texturkompression geschweige denn Spiele, die diese verwenden. Doch gerade damit könnte man die Grafikqualität kommender Spiele gewaltig verbessern.

All diese Ankündigungen und Versprechen haben, von welchen 3D-Firmen auch immer, nur eines gemeinsam: Sie sollen den Absatz der jeweils neuesten Kartengeneration deutlich erhöhen. Ein Ende dieser Vermarktung ist bei immer kürzeren Entwicklungszyklen und daraus kleiner werdender Akzeptanz neuer Karten und Chips ist nicht absehbar, doch welcher Gelegenheitsspieler ist bereit, alle vier Monate mehrere hundert Mark in eine neue Grafikkarte zu investieren?

Gut beraten ist, wer aufmerksam Benchmarks vergleicht und sich nicht auf die Werbeversprechen der 3D-Karten-Hersteller verlässt, die oft die Notwendigkeit, stets die aktuellste 3D-Karte haben zu müssen, suggerieren.



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