Spieletest: Jagged Alliance 2
Und wieder einmal geht es darum, ein kleines Land von der Tyrannei einer herzlosen Diktatorin zu befreien. Enrico Chivaldori, der rechtmäßige Thronfolger Arulcos, der einem Attentat zum Opfer gefallen sein soll, stattet uns mit ein paar Dollar Startkapital aus. Im Kampf gegen Deidrannas Mannen hält das Geld aber nicht lange vor. Deswegen ist das primäre Ziel, die Sektoren, in denen sich Silber- und Goldminen befinden, zu kontrollieren und deren Loyalität zu sichern.
Deidranna schaut aber nicht tatenlos zu, wenn ihre Geldquellen versiegen und sie sogar die Kontrolle über einen Flugplatz verliert, sondern sie ohrfeigt ihren Adjutanten und schickt gut bewaffnete Truppen, um diese Sektoren zurückzuerobern. Da der Spieler nicht überall vor Ort sein kann, bietet Jagged Alliance 2 die Errichtung von Milizen, die im Falle eines Angriffs vom Computer gesteuert werden, während die eigenen Söldner in anderen Gebieten kämpfen.
Die Söldner können bei der "Association of International Mercenaries" kurz A.I.M. bezogen werden, ein Rent-A-Soldier Service im Internet. Da ist für jeden Geldbeutel etwas dabei: Vom Newcomer Igor Dolvich (Neffe von Iwan Dolvich aus dem ersten Teil) bis zum alten Hasen Corp. Len Anderson. Der Preis des Söldners richtet sich nach seinen Fähigkeiten und der Erfahrung. Es gibt 10 Grundeigenschaften wie Kraft, Beweglichkeit oder Treffsicherheit. Söldner mit großer Geschicklichkeit sind für die Reparatur der Ausrüstung geeignet, solche mit einer hohen Führungsqualität können mit dem Training der Milizen beauftragt werden.
Die Steuerung der Trupps läuft auf zwei Ebenen. Zum einen die Kartenübersicht, wo Milizen zugeordnet und den Söldnern Aufträge erteilt werden, zum anderen direkt in den Sektoren, wo die Söldner in Echtzeit bewegt werden, um mit Leuten zu sprechen oder Aufgaben zu lösen. Gekämpft wird im Rundenmodus, wobei jedem Söldner – abhängig von der Beweglichkeit und Geschicklichkeit – Aktionspunkte zur Verfügung stehen, die auf unterschiedlichste Art eingesetzt werden können: natürlich anvisieren und schießen, rennen, schleichen, robben, klettern und Erste Hilfe, um nur einige zu nennen. Sind alle Gegner erledigt, geht es in Echtzeit weiter.
Die Grafik ist gerade so detailliert wie es die Auflösung von 640x480 Bildpunkten erlaubt. Daher ist der Eindruck etwas mau, jedenfalls nicht so wie man es von Spielen der Jahrtausendwende gewohnt ist. Zum Beispiel lassen sich liegengelassene Benzinkanister nicht von Waffen oder Schutzwesten unterscheiden. Dafür gilt auch schon ein Pentium 166 als empfohlene Hardware und daher schaut man gern darüber hinweg – der Spielspaß wird kaum dadurch getrübt.
Woran es nicht fehlt, ist fließendes Blut, denn schließlich steht der Kampf im Mittelpunkt. Das ist auch der Grund, warum dieses Spiel laut USK erst ab 18 Jahren geeignet ist. Wieviel Blut tatsächlich vergossen wird, hängt natürlich von den verwendeten Waffen ab und da hat Jagged Alliance selbst für Fetischisten genug zu bieten: von einem .38er Smith & Wesson Revolver über die Beretta 93R bis hin zum G41 Maschinengewehr.
Der Sound bzw. die Stimmen lassen einiges zu wünschen übrig. Die Kommentare sind okay, aber man merkt wirklich, daß deutsche Sprecher (unter anderem die Projektleitung von Topware) versucht haben, die Dialekte der Einwohner Arulcos und der Söldner zu sprechen. Wie bei vielen Spielen gilt: die originalen Stimmen sind cooler. Die englische Demoversion kann direkt bei Sirtech heruntergeladen werden – 60 MB!
Fazit:
Jagged Alliance 2(öffnet im neuen Fenster) ist für Zivilisten der schnelle Einstieg in den Krieg. Hier können Sie Ihr strategisches Geschick und Wissen um Taktik unter Beweis stellen. Durch die verschiedenen Charaktere fällt die Identifikation mit jedem Mitglied der Truppe recht leicht und man spürt jede Verwundung wie am eigenen Leib, daher möchte man jeden Kampf so gut wie möglich bestehen. Deswegen: Lange Abende und kurze Weile sind garantiert!