E2k - Der Superchip aus Rußland?
Laut einem Wired-Artikel(öffnet im neuen Fenster) haben russische Supercomputer-Ingenieure, die während des kalten Kriegs im Auftrag des Militärs gearbeitet haben, einen revolutionären Chip entwickelt, der rechenstärker sein soll, als alles was der Westen bisher hervorgebracht hat. Leider soll die Firma Elbrus International unter der Leitung von Boris Babaian, dem "russischen Vater des Supercomputing", zu wenig Geld zur Verfügung haben, um den mutmaßlichen Merced-Überflügler "E2k" in Eigenregie zu bauen. Der Superchip soll Intels Merced an Rechenleistung um etwa das Dreifache übertrumpfen.
Der Chefredakteur des Microprocessor Reports hat Wired gegenüber bestätigt, daß es sich nicht nur um Hokuspokus, sondern um technische Dokumente handelt, die derartige Behauptungen untermauern und sehr vielversprechend aussehen. Die für den russischen Superchip verantwortlichen Ingenieure seien zudem sehr glaubwürdig, da sie seit langer Zeit in dem Bereich arbeiten. Leider steht die Zukunft des Chips noch in den Sternen, da bisher keine Mittel vorhanden sind, um ihn zu bauen. Deshalb sucht die knapp 400 Mann starke, in Petersburg und Novosibirsk angesiedelte Firma seit einiger Zeit nach Investoren.
Der parallelverarbeitende, E2k getaufte Chip, basiert auf der Technologie des Elbrus-3 Supercomputers. Für den Vorgänger, den Elbrus-2, erhielt Erbauer und Firmenchef Babaian 1987 den Lenin Preis, den höchsten Preis in der ehemaligen Sovjetunion. Aufgrund der noch nicht so weit gediehenen russischen Herstellungstechnologie hatten die Ingenieure beim Elbrus-3 nicht die Möglichkeit, so viele Transistoren wie bei vergleichbaren westlichen Chips auf einmal unterzubringen. Trotz dieser Einschränkung hat Elbrus-3 die westliche Konkurrenz laut Wired übertrumpft, grund dafür war die spezielle Chip-Logik, Explicitly Parallel Instruction Computing (EPIC) genannt. Viele der Techniken für parallele Architekturen, die im E2k verwendet werden, sollen laut dem Microprocessor Report gerade erst von westlichen Firmen erforscht werden.
Wenn der Chip in 0,18-Micron gefertigt wird, sollen Taktraten von 1,2Gigahertz kein Problem sein, Intels Merced soll hingegen bei der gleichen Fertigungstechnologie nur mit 800MHz laufen und fast dreimal langsamer sein. Das wirklich Aufregende am E2k ist, daß er, laut einem von Firmenchef Babain patentierten Binärcompiler, kompatibel zu sowohl x86 als auch Merced Architekturen sein soll – was will man mehr?!
Kommentar:
Falls es diesen Chip je geben wird und er die Leistung wirklich erbringt, dann dürfte er für eine drastische Veränderung des Chipmarktes und viel Wirbel sorgen. Bleibt zu hoffen, daß sich jemand der Firma annimmt, nicht nur aufgrund der schnelleren Rechenleistung, sondern auch um Rußland in Sachen Mikrochips einen Aufschwung zu bescheren, schließlich leben nicht nur im Westen brilliante Wissenschaftler.