MobilCom stellt Flatrate-Angebot ein

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Die Telefongesellschaft MobilCom hat ihr 77-DM-Pauschalinternet-Angebot überraschend mit sofortiger Wirkung eingestellt.

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Das Angebot ermöglichte Internetsurfern für monatlich 77 DM das Internet zwischen 19 und 7 Uhr und an Wochenenden ganztags zu benutzen, ohne zusätzliche Telefongebühren zu zahlen.

In der Vergangenheit hatten die Betreiber massive Sicherheits-, Performance- und Supportprobleme mit dem bislang in Deutschland einmaligen Angebot.

Als Grund für die fristlose Kündigung der Kundenverträge führt MobilCom eine Abmahnung des Verbraucherschutzvereins e.V. Berlin an, in der es unter anderem heißt: Für den angebotenen Dienst steht nur eine begrenzte Anzahl von Zugängen zur Verfügung. Aus diesem Grund kann die permanente Einwahl nicht gewährleistet werden.

Der Verbraucherschutzverein bezieht sich dabei auf eine Passage in den AGB's, in der ausgeschlossen wird, daß der Kunde mit einem freien Zugang rechnen kann.

Diese Passage stellt nach Aussage der Verbraucherschützer einen klaren Verstoß gegen das AGB-Gesetz dar, indem es Kunden über alle Maßen benachteiligt.

Die MobilCom-Betreibergesellschaft unterschrieb die strafbewerte Unterlassungserklärung und nahm das Angebot vom Netz.

Ganz konsequent ist man dabei erwartungsgemäß nicht verfahren, kostet doch der Zugang ab sofort pro Minute 6 Pf, d.h. in einer Stunde 3,60. In der Zeit zwischen 12 und 18 Uhr unterbietet MobilCom damit die Ortsgebühren der Deutschen Telekom, die pro Stunde 4,80 verlangt.

Die Teilnehmer werden darüber auf einer Webseite informiert. Ob eine schriftliche Kündigung verschickt wird, steht offen.

Der Zugang zum Sechs-Pfennig-Angebot ist über die Rufnummer 01019-1929 anmeldefrei möglich. Login-Name bzw. Passwort sind beliebig.

Kommentar:

Die Abmahnung dürfte MobilCom gerade recht kommen. Das 77-DM-Angebot kann sich niemals gerechnet haben - daran waren alleine schon die minütlich anfallenden Interconnectiongebühren der Telekom schuld. Ganz zu schweigen von den Kosten für den Betrieb des Netzes und das übertragene Datenvolumen.

Daß MobilCom die Aufrechterhaltung des Angebots nicht besonders wichtig war, zeigt die Tatsache, daß die Anzahl der zur Verfügung stehenden Ports nicht im Mittelpunkt der Rüge des Berliner Verbraucherschutzvereins stand, sondern die Formulierung der AGB's. Die AGB's anderer Internetprovider enthalten oftmals ähnliche Klauseln. Werden diese Provider auch rigoros abschalten, wenn ihnen eine Abmahnung ins Haus flattert? Vermutlich nicht.

In den USA mußte AOL nach der Einführung eines ähnlichen Angebots ebenfalls mit Performance- und Einwahlproblemen kämpfen und wurde gerichtlich zum raschen Ausbau des Netzes verpflichtet. Gleichzeitig mußten in dieser Zeit die Werbeaktionen eingestellt werden. Wäre MobilCom nicht ähnlich vorgegangen, wenn das Flatrate-Angebot gewinnbringend gewesen wäre ?

So ist MobilComs Rückzieher auch nicht als das Ende jeglicher Flatrates in Deutschland zu sehen.

Zukünftige Anbieter sollten allerdings überlegen, ob sie prestigeträchtige Angebote nicht genauer auf ihre technische und juristische Standfestigkeit überprüfen, bevor sie gestartet werden.

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