Spieletest: Sierras 3D-Shooter "Half-Life"

Artikel veröffentlicht am , cg

Neuer Lieblings-Shooter
Neuer Lieblings-Shooter
Was kommt heraus, wenn man die besten Eigenschaften diverser indizierter First-Person-Shooter, mit der düsteren Atmosphäre von Science-Fiction-Filmen a la Alien mixt, das ganze mit netten schwarzen Humor garniert und mit einer stark modifizierten Quake2-Grafik-Engine zu einem neuen Egoshooter verwandelt? Half-Life von Valve Software!

Der Spieler schlüpft in die Rolle des jungen Wissenschaftlers Gordon Freeman, der seinen Arbeitsplatz in der Black Mesa Forschungseinrichtung hat. Begonnen wird mit einer Art Intro, bei der man auf einem Schienenfahrzeug verschiedene Tunnelsysteme, sowie Forschungs -und Lagerhallen durchquert. Dabei bekommt man schon den ersten Eindruck der Größe des gesamten Komplexes. Schon hier fällt einem die Detail-Verliebtheit der Programmierer ins Auge. In den durchquerten Räumen herrscht mitunter reges Treiben. Wenn man das Ende seiner kleiner Reise erreicht hat und ein Sicherheitsbeamter mit freundlichen Worten die Tür öffnet, realisiert man erst, daß das Spiel ja bereits begonnen hat. Nun schlüpft man in seinen neuen HEV, einem Sicherheitsanzug mit integriertem Schutz- und Warnsystem und beginnt mit einem gefährlichen Experiment. Und es kommt, wie sollte es auch ander sein, zur mittelmäßigen Katastrophe, an deren Ursache man selbst nicht unwesentlich beteiligt ist. Nun findet man sich in einem Trümmerhaufen wieder und der Unfall hat viele Opfer gefordert. Als wäre das nicht Chaos genug, hat sich auch noch ein Portal in eine Paralleldimension geöffnet und einigen sehr unangenehmen Wesen Einlaß gewährt. Diese trachten einem nun nach dem Leben.

Während der genreüblichen Reise durch das verworrene Labyrinth der Forschungsstation in die Freiheit und dem Plattmachen des obligatorischen Endgegners, wird man mit verschiedenen Problemen der Umgebung konfrontiert. Auf klassische Art und Weise müssen dann Hebel und Räder in Bewegung gesetzt werden, um z.B. einen Generator wieder zum laufen zu bringen und sich somit Zugang zu einem weiteren Abschnitt zu verschaffen. Zwar ist dies nicht neu, aber doch sehr originell in Szene gesetzt. Gespickt wird das ganze zusätzlich mit vielen guten Gags und (Schock-) Effekten, die einen nicht selten zusammenzucken und/oder lachen lassen. So kann es vorkommen, daß aus heiterem Himmel durch eine Explosion ein Schrank umgeworfen wird oder die Decke einstürzt. Im Laufe des Spiels trifft man auf Soldaten, die einem ebenfalls nicht sonderlich freundlich gesinnt sind. Diese legen bei ihren Aktionen eine beeindruckende künstliche Intelligenz an den Tag. Selten hat man in einem Ego-Shooter so hartgesottene und clevere Feinde gehabt. Sie lassen nichts unversucht, um einen den Gar auszumachen. Der Schwierigkeitsgrad steigt kontinuierlich an. Dabei werden die Rätsel, wie auch die Gegner immer hartnäckiger.

Anstatt die Story mit Echtzeit-Animationen oder AVIs weiterzuerzählen, hat man versucht, mit interaktiven Mitteln zu arbeiten. Trifft man auf Wissenschaftler oder Wachmänner, erzählen diese einem, was zu tun ist, geben einem Informationen und man kann sie dazu bewegen, einem zu folgen, um einem eventuell eine Tür zu öffnen oder Feuerschutz zu geben. Nahezu alle Waffen, die man während des Spiels einsammelt, bieten einen zweiten Feuermodus, welcher weitere Taktik ins Spiel bringt. Zudem haben sie einen ordentlichen "Bumms" und ihr Einsatz macht einfach Spaß. Für Neulinge kann eine automatische Zielhilfe aktiviert werden. Das Spiel hat eine Autosave-Funktion, es speichert also an regelmäßigen Stellen des Spiels selber, so daß im Falle des plötzlichen Ablebens nicht eine eventuell sehr lange Strecke erneut bewältigt werden muß. Und so passiert es, daß man bestimmte Szenarien in Half-Life mehrfach, aber mit verschiedenen Abläufen durchquert. Wenn man also aus sicherer Distanz einen Kampf zwischen Soldaten und Aliens mehrfach beobachten sollte, gewinnt manchmal die eine oder andere Seite. Dies steigert den Spielspaß natürlich ungemein.

Bei der Grafik kommt, wie bereits erwähnt, die Quake 2 Engine zum Einsatz, die allerdings stark modifiziert wurde. So wird man stellenweise mit gelungenen Lichteffekten beeindruckt. Auch Explosionen, die nachhaltig verrußte Stellen hinterlassen, sind eine Augenweide. Bei der gesamten Architektur wurde durchgehend darauf geachtet, daß der Eindruck einer wirklichen Forschungseinrichtung aufrecht erhalten wird. Trotzdem kommt optisch niemals Langeweile auf. Normale Räume mit Computern und Büroausstattung wechseln sich mit gewaltigen Silos und Lagerhallen, sowie klaustrophobisch kleinen Lüftungs- und Abwasserschächten ab. Die meisten Gegenstände lassen sich zudem noch demolieren. Dazu sind die Texturen sehr detailliert und reflektieren nahezu perfekt das gesamte Spielthema. Mit der Beleuchtung wurde ebenfalls fast perfekt gearbeitet und ein beeindruckendes Hell/Dunkel-Spiel bringt zusätzliche Spannung und Atmosphäre ins Spiel. Die Modelle der Charaktere sind hervorragend animiert, man erkennt sogar Mundbewegungen. Dies und die sichtbare aktuelle Waffe des Gegners kommen besonders dem Mehrspielermodus zugute. Die kleine 9mm Pistole wird mit beiden Händen gehalten, die Bazooka auf der Schulter und man kann genau die Richtung erkennen in die das virtuelle Gegenüber zielt. Grafische Fehler treten nur sehr selten und in geringem Umfang auf.

Der Sound trägt einen nicht unwesentlichen Teil zum gelungenen Ambiente von Half-Life bei. Die unterschiedlich klingenden Böden auf denen man sich bewegt und der Hall in großräumigen Arealen sollten in keinem Spiel mehr fehlen. Die Waffen klingen satt und sind ihren Kalibern angemessen. Wenn einem im Gefecht die Kugeln um die Ohren zischen, möchte man fast den Kopf einziehen und in Deckung gehen. Die Sprachausgabe ist gelungen und die Charaktere sind deutlich zu verstehen. Auch wenn man den einen oder anderen coolen Spruch eines Wachmanns einmal öfter hört, stört es nicht. Hin und wieder werden kürzere Musikstücke gespielt, die meistens gut zur Umgebung passen und das Geschehen zusätzlich betonen.

Im Mehrspielermodus wird derzeit nur ein Deathmatch angeboten, daß aber unglaublich viel Spaß macht. Origineller Gag hier sind die sogenannten Logos. Diese kleinen Bilder können während eines Deathmatches an Wände gesprüht werden. Das Erstellen eines individuellen Logos ist mit einem entsprechenden Grafikprogrammen kein Problem. Der besonderen Bonus den Half-Life hat, ist die geplante Erweiterung durch Team Fortress. Zahlreiche weiter offizielle und inoffizielle Modifikationen für Half Life werden bald im Internet erhältlich sein. Auch die 8 Deatchmatch-Maps werden bald Zuwachs bekommen, denn der Leveleditor Worldcraft für Half Life wird gleich mitgeliefert.

Auf High-End System mit 3D-Beschleunigern läuft Half-Life ohne Probleme. Leider läßt sich das von schwächeren Rechnern, trotz OpenGL und Direct 3D Beschleunigung nicht gerade behaupten. Wer einen Pentium 166 mit einer Voodoo1-Karte besitzt, wird jedoch auf lange Sicht mit Half Life nicht so viel Freude haben. Es ist sicherlich noch spielbar, im Multiplayer mit mehreren Teilnehmern aber könnte die zu niedrige Performance dann arge Probleme bereiten.

Fazit:
Wir sprechen an dieser Stelle mit reinem Gewissen eine Kaufempfehlung aus. Half-Life bietet perfekte Unterhaltung im 3D-Shooter-Genre. Für Fans unbedingt ein Muß und für Neulinge mehr als nur einen Blick wert.

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