Microsoft verchromt nun doch Webseiten
Im Laufe des letzten Monats hatte Microsoft durchblicken lassen, daß man die Multimedia-Erweiterung für Webseiten, ChromeEffects genannt, auf unbestimmte Zeit verschieben werde. Mit ChromeEffects sollten hochqualitative vertonte und animierte Webseiten auf Basis von Microsofts DirectX-Schnittstelle für die diversen Windows-Versionen ermöglicht werden. Im Dezember sollte die Multimedia-Erweiterung für das Web soweit sein, nachdem man schon im Juli ein erstes Entwicklerkit herausgegeben hatte.
Grund für die Verschiebung auf unbestimmte Zeit war der Protest vieler Entwickler, die mit der technischen Umsetzung, der Begrenzung auf Windows-Plattformen und somit auch der Nicht-Beachtung von HTML-Standards unzufrieden waren. ChromeEffects fehlte unter anderem die Unterstützung des Document Object Models (DOM), HTML+TIME und XQL. Außerdem wurde eine bessere 3D-Unterstützung gefordert. Microsoft plant nun, wie News.com berichtet, ChromeEffects doch auszuliefern. Nun allerdings in Einzelkomponenten die Stück für Stück nacheinander fertiggestellt werden.
Ob damit alle Entwickler zufrieden gestellt werden, ist jedoch fraglich. Denn mit den Einzelteilen dürfte sich, zumindest solange einige der Kernkomponenten nicht existieren, nur schwerlich eine vernünftige, konsistente Webseite entwickeln lassen. Ein Baukastenprinzip bringt schließlich nur dann Vorteile, wenn man auch aus allen Teilen auswählen kann und nicht nur aus einem Bruchteil. Solange jedoch die für Web-Entwickler wichtigen XML Tags fehlen, die übrigens erst nach der Markteinführung von Windows 2000 (ehemals Win NT 5) implementiert werden sollen, muß auf einen Java-Layer als Workaround zurückgegriffen werden. Und schon ist der Wunde Punkt gefunden: Nachdem der Redmonder Softwareriese nach der Niederlage in der Klage durch Sun vom Gericht dazu verdonnert wurde, Windows und den Explorer 100%ig Java-kompatibel zu machen, zieht Microsoft lieber die Rolle des schmollenden Kindes vor und entfernt die vorhandene, wenn auch nicht 100%ig kompatible Java-Unterstützung ganz und gar aus Windows und dem Explorer...
Kommentar:
Mit diesem Wirrwarr aus Anforderungen, Limitationen und Konzeptmängeln dürfte das eigentlich recht interessante ChromeEffects bei vielen Entwicklern nicht besonders beliebt sein. Vor allem da - verständlicherweise - in der Öffentlichkeit immer mehr Stimmung gegen inkompatible, propriertäre und nicht auf allen Rechnern nutzbare "Standards" gemacht wird. Vor allem Microsoft wird hier noch gewaltig umdenken müssen, auch wenn der kommende Explorer 5.0 schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist - wenn man vom Java-Fiasko einmal absieht.
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