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Spieletest: Railroad Tycoon II

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"Höchste Eisenbahn, denkt sich der Lokführer: Ungeduldig sitzt der Farmer auf der Veranda und wartet auf den Zug. Ein trockener Wind weht etwas Sand über die in der Sonne wabernden Gleise. Aus dem Radio schallt Sonny Boy Williams, der tiefsinnig auf seiner Harp bläst." So ähnlich kann man sich das Feeling vorstellen, das Poptop Software und Distributor Take2 uns mit der Neufassung des Klassikers von Sid Meier (1990) bescheren.

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Die Grundidee wurde wie bei vielen Klassikern nur dezent und im Detail verbessert. So wurden zum Beispiel Signale und Weichenstellwerke weggelassen und der Tunnelbau ist nicht möglich. Dafür ist das Verlegen von Schienen viel einfacher und es dürfen mehr als 32 Züge ohne Zeitbegrenzung fahren. In der neuen Kampagne sind unterschiedliche Spielziele vorgegeben und per Editor kann man eigene Karten und Ziele erschaffen.

Die Grafik hat sich dagegen stark verbessert. Die auf Satellitenaufnahmen basierenden 3D-Karten werden in einer isometrischen Ansicht gezeigt, die sich in 90° Schritten drehen und in sechs Stufen zoomen läßt. Ein kleiner Nordungspfeil hilft bei der Orientierung auf den 30 Karten aus aller Welt. Die einzige Auflösung ist 1024x768 Bildpunkte bei 8-Bit- oder 16-Bit-Farben, was eine entsprechende Grafikkarte und Monitor voraussetzt. Nur die Animationen - zum Beispiel bei der Kurvenfahrt - hätten etwas feiner sein können.

Eine Kampagne, bei der jedes der 18 Szenarien erfolgreich beendet werden muß, um die nächste Mission zu beginnen, bildet das Herzstück des Spiels. Die Aufgaben erstrecken sich dabei vom bloßen Streckenbau oder -sanierung bis zum Ruinieren des Gegners, wobei jedes Mittel erlaubt ist. Wird das Zeitlimit überschritten, kann trotzdem weitergespielt werden. Zwölf Einzelmissionen, die auch für den Mehrspielermodus (Internet, LAN, seriell) verfügbar sind, geben Möglichkeit zu einem Testlauf.

Der Spielablauf ist der gleiche: In der Startphase sucht man sich lukrative Orte, verbindet diese mit Schienen und setzt an den gewünschten Stellen Bahnhöfe. Der Schienenbau funktioniert per Ziehen der Maus vom Start- zum Zielpunkt. Allerdings wird nicht immer die beste Verbindung gewählt. Es ist aber möglich einzelne Streckenabschnitte zu legen, um Berge oder teure Brücken zu umgehen. Die Bahnhöfe können mit zusätzlichen Gebäuden bestückt werden, um den Warenumschlag anzutreiben.
Hat man sich dann für eine Lok entschieden, kommt es darauf an, diese richtig einzusetzen. Dafür wählt man die Bahnhöfe, die passiert werden sollen und die Waren, die dort verfügbar und mitzunehmen sind. An dieser Stelle wäre mehr Realismus schön gewesen. Im ausführlichen Handbuch ist zwar alles logisch erklärt, aber vom Spiel wird nicht vermittelt, woher die Waggons kommen oder wie in den Bahnhöfen rangiert wird.
In der zweiten Spielphase, kommt es darauf an, bei den vielen Zügen die Übersicht zu behalten. Gelingt dieses, häuft sich jede Menge Geld an, das besonders in der Endphase benötigt wird: Das Ausstechen der Konkurrenz. Ebenso wie die 35 historischen Gegner kann der Spieler unterschiedliche Strategien verfolgen. So können die Streckennetze verbunden werden, um des Gegners Gleise und Bahnhöfe zu nutzen. Dafür werden Gebühren fällig, kann aber sehr interessant werden. Effizienter ist jedoch der Krieg an der Börse!

Die Finanzen sind dank der einfachen Menüs gut zu handhaben. Für jede Meile transportierter Ware bekommt die eigene Gesellschaft Geld, welches in die Infrastruktur oder Aktien fließt. Auf dem Aktienmarkt werden Kredite aufgenommen, eigenes Geld angelegt und andere Gesellschaften übernommen. Je mehr Aktien eine anderen Gesellschaft gekauft werden, desto teurer werden sie. Folglich ist für einen 51%igen Anteil eine Menge Geld erforderlich. Ist dieses Ziel aber erfüllt, kann der Spieler diese wie seine eigene führen.

Zufällige Ereignisse wie Raubüberfälle, Wirtschaftskrisen oder Kriege runden den sehr guten Eindruck ab und verleihen dem Spiel mehr Tiefe. Wobei letzteres eher tiefe Einschnitte verleiht: In Kriegszeiten ist in einem Länder übergreifenden Szenario der Exporthandel unterbrochen oder extrem eingeschränkt.

Fazit
Die kleinen Schwächen in der Animation werden durch den coolen Blues ausgeglichen und können den von Railroad Tycoon II gebotenen Spielspaß kaum trüben. Dieser kommt aber erst richtig auf, wenn man das Transport- und Zahlungssystem verstanden hat. Das ist für Einsteiger sicher einfacher als für Umsteiger von einem anderen Spiel des Genres (Transport Tycoon oder Industriegigant). Mehr Übersicht und Kontrolle über Waggons, deren Ladung und den Aktivitäten am Bahnhof wären schön, aber na ja - man schaut locker drüber weg und schon bald denkt man nicht mehr daran. Vorsicht: Wenn es von draußen wieder hell durch die Jalousien scheint, ist es Zeit ins Bett zu gehen!

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