Clinton-Veröffentlichungen lösen Entrüstung aus
Zumindest in Deutschland scheint sich jetzt eine Welle des Widerstandes gegen die Hetzkampagne zu formieren, die derzeit im Internet gegen den US Präsidenten Bill Clinton zugange ist. Während Bundeskanzler Helmut Kohl in Interviews die Verletzung der Privatsphäre Clintons, wir zitieren, "zum Kotzen" findet, entrüstete sich auch der SPD-Parteivorsitzende Lafontaine über den öffentlich verbreiteten Star-Report und findet ihn "ekelhaft".
Da das Internet hier von der starken Konservativen, zu der auch der Erz-Konservative Richter und Leiter der Ermittlungen, Kenneth Starr gehört, als Macht-Instrument gegen den Demokraten Clinton eingesetzt wird, regt sich langsam Widerstand. Letzte Woche hatte ein amerikanisches Webmagazin die Verfehlungen eines konservativen Abgeordneten in den 60er Jahren recherchiert, veröffentlicht und daraufhin massive Haßschriften und sogar Morddrohungen erhalten.
Auch die deutsche Freedom for Links Starr-Kampagne kümmert sich jetzt - wenn auch etwas spät - um das leidige Thema. Mit einer Petition an den Richter Starr und die US-Abgeordneten will Freedom for Links die Schlammschlacht aus dem Internet drängen:
"Die Veröffentlichung des Starr-Reports im Internet hat nicht nur Herrn Clinton und Frau Lewinsky, sondern auch dem neuen Medium Schaden zugefügt. Es ist eine Veröffentlichung, die sich die Medien in dieser Form wohl nie gewagt hätten. Mit Berufung auf diese Veröffentlichung kann jeder, der Kenntnis über intime Details aus dem Leben eines anderen verfügt, den Widersacher gnadenlos bloßstellen und diffamieren. Ein Vorbild, das eine Lawine von Rechtsstreitigkeiten international hervorrufen könnte", so Freedom for Links.
Laut Freedom for Links verstoße die öffentliche Verbreitung des Star-Reports gegen die geltende UNO-Menschenrechtskonvention (Artikel 11, Absatz 1) sowie gegen die Netiquette , die Benimm-Regeln des Internets: "Du sollst nicht Deinen Computer benutzen, um anderen Schaden zuzufügen.".
Kommentar:
Es ist schon verwunderlich, mit welcher Vehemenz die Verfechter der Moral in Clintons Seitensprüngen wühlen. Daß sie die Ergebnisse, die kaum etwas mit Clintons Präsidentschaft, sondern viel mehr mit seinem persönlichen Leben zu tun haben, als Beweis für den moralischen Verfall der modernen Gesellschaft und ihre erz-konservative, zu stark Traditionen verhaftete Poltitik als
einzigen Ausweg anpreisen ist schon ärgerlich. Wirklich abstoßend wird es jedoch, wenn gerade diese selbsternannten Moral-Apostel den Starr-Report am liebsten in jeder Zeitung und auf jedem TV-Kanal sehen würden, ohne dabei zu berücksichtigen, daß die Details mit Sicherheit nicht jugendfrei sind. Zuerst Porno-Webseiten
verdammen und dann selber derartiges im Netz veröffentlichen - Bigotterie in Reinkultur.
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