Regulierungsbehörde für höhere Gebühren?
Laut dem ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO will die Regulierungsbehörde höhere Gebühren für die Telekom-Konkurrenz. Telekom-Konkurrenten sollen dabei stärker zur Kasse gebeten werden, wenn sie nicht ihre eigenen Netze benutzen, sondern auf die der Telekom oder anderer Netz-Betreiber zurückgreifen.
Grund für die Forderung: Die neuen Telekommunikations- Unternehmen würden nicht genügend in die eigene Infrastruktur investieren und sich zu sehr auf Fremdnetze stützen obwohl sie genügend Gewinne einfahren würden. Vize-Präsident Börnsen kritisierte gegenüber WISO, daß diese Entwicklung nicht vorhersehbar war und volkwirtschftlich nicht tragbar sei. Derzeit würden nur Mannesmann-Arcor, O.tel.o oder Viag Intercom Milliarden in ihre Infrastruktur investieren, Talkline Mobilcom, Tele2 und andere jedoch nicht. Nun will die Behörde anscheinend ihrem Namen gerecht werden und regulierend eingreifen:
In Zukunft sollen sich die Entgelte deshalb eher aus dem Endkundenpreis errechnen. Telekom-Vorstand Gerd Tenzer hat die Forderungen, laut WISO, gegenüber den Konkurrenten konkretisiert. Den Endkunden koste die Minute durchschnittlich gut 12 Pfennig. Tenzer will den fremden Nutzern des Telekomnetzes nur einen
Abschlag von 20 bis 30 Prozent auf den Endkundenpreis gewähren. Das würde bedeuten, daß
die kleinen Anbieter bis zu zehn Pfennigen pro Minute zahlen müßten. Zur Zeit
zahlen sie im Schnitt nur 2,7 Pfennig für die Durchleitung ihrer Gespräche, diese
Regelung war noch vom ehemaligen Postminister Wolfgang Bötsch festgelegt worden.
Näheres wird in der heutigen WISO-Sendung um 19.25 Uhr im ZDF zu erfahren sein.
Kommentar:
Die Regulierung im deutschen Telekommunikationsmarkt gerät mehr und mehr zum
Possenspiel. Da die Telekom natürlich nicht will, daß auch ihre Konkurrenz
Geld verdient, spielt sie, wie so üblich, das Opfer. Und so setzt sie
weiterhin ihre, von staatswegen geerbten, mit Steuergeldern aufgebauten und längst
bezahlten Leitungen als Blockade gegen die aufstrebende Konkurrenz ein. Bis jetzt hat
sie erfolgreich ihre Position verteidigen können, während die
Regulierungsbehörde hilflos zuschaut und nicht konsequent ist.
Die Frage ist nun, ob die Regulierungsbehörde überhaupt neutral handeln kann, solange der Staat die Mehrheit am Aktienstamm der DTAG hält.
Daß die Regulierungsbehörde nun ausgerechnet den Teil der Telekom schützt, in dem sie am wenigsten Wettbewerber hat und am meisten Gewinne einfährt, nämlich im Ortsbereich, ist schon mehr als zynisch.
Wehmütig erinnert man sich da an die Zeit vor den Gebührenerhöhungen, als ein beliebig langes Ortgespräch gerade mal 23 Pfennig gekostet hat...
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed





