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Ausprobiert: KDE SC 4.8 mit integriertem QML

Die Qt -eigene Programmiersprache QML ist erstmals in KDE SC 4.8 enthalten und soll für einheitliche Oberflächen sorgen. Jedoch nutzen nur sehr wenige Anwendungen bereits QML, mit den nächsten Veröffentlichungen soll sich das ändern.
/ Sebastian Grüner
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KDE SC 4.8 mit ersten QML-Anwendungen (Bild: Sebastian Grüner/Golem.de)
KDE SC 4.8 mit ersten QML-Anwendungen Bild: Sebastian Grüner/Golem.de

Die Softwaresammlung KDE SC 4.8(öffnet im neuen Fenster) behebt zahlreiche Fehler und enthält einige neue Funktionen. So hat der Lautstärkeregler KMix ein neues MPRIS2-Backend erhalten, was jedoch standardmäßig nicht genutzt wird(öffnet im neuen Fenster) und so zur Nutzung mit Alsa separat aktiviert werden muss. Der Editor Kate hat einen verbesserten Vi-Eingabemodus, und die Funktion zum Code-Einklappen funktioniert nun zuverlässig. Das Minigame KSudoku implementiert andere Algorithmen zum Erstellen und Lösen der Zahlenquadrate und ermöglicht so unterschiedlich schwierige Rätsel.

KDE SC 4.8 - Test
KDE SC 4.8 - Test (02:36)

QML integriert

Mit KDE SC 4.8 hält auch QtQuick samt dem UI Creation Kit Einzug in die Plasma-Arbeitsflächen. In QtQuick enthalten ist die deklarative Programmiersprache Qt Meta Object Language, kurz QML. Die QML-Bibliothek Plasma-Components stellt in KDE SC 4.8 ein API bereit, über das häufig genutzte Fensterobjekte wie Schaltflächen, Schieberegler oder Scrollleisten in eine Anwendung eingefügt werden können. Das soll doppelte Programmierarbeit vermeiden.

Dadurch können auch die Plasmoids genannten Widgets für KDE SC auf ein standardisiertes API zugreifen, das für ein einheitliches Look-and-Feel sorgen soll. Voraussetzung dafür ist, dass das Plasmoid in QML geschrieben ist, was bei der Geräteüberwachung bereits der Fall ist. Diese verhält sich aber wie bisher, Anwender bemerken die Veränderungen am Quellcode also nicht.

Die Layouts des Fensterwechslers sind nun ebenfalls in QML umgesetzt. Einerseits sind Layouts dadurch vergleichsweise einfach zu erstellen beziehungsweise zu bearbeiten. Andererseits, so schreibt KWin-Entwickler Martin Gräßlin(öffnet im neuen Fenster) , bot sich Dank QML die Möglichkeit, eine Vorschau der verschiedenen Layouts zu erstellen, was Gräßlin ohne die Verwendung von QML bisher nie zufriedenstellend gelang. Die Implementierung des Startbildschirms nutzt nun ebenfalls QML und die Entwickler haben ein neues minimalistisches Design entworfen, welches das KDE-Logo vor einem schwarzen Hintergrund zeigt.

Energieverwaltung aufgeräumt

Die Energieverwaltung ist für KDE SC 4.8 umgeschrieben worden, wodurch Einstellungen leichter vorzunehmen sind. Bisher konnten Nutzer verschiedene Energieprofile erstellen und mussten diese einzeln dem Akku- oder Netzbetrieb zuordnen. Dieser wenig intuitive Umweg entfällt in der aktuellen Version. Anwender können nun in Reitern zu dem Akku- und Netzbetrieb direkt die bekannten Einstellungen zu der Bildschirmhelligkeit oder den Ruhezuständen vornehmen.

Darüber hinaus lassen sich nun verschiedene Energiesparoptionen einzelnen Aktivitäten zuordnen. Dadurch wird es zum Beispiel möglich, in einer bestimmten Aktivität nie den Bildschirm abzudunkeln, in allen anderen hingegen schon - sehr praktisch für Diashows oder Präsentationen.

Dolphin mit neuer Anzeige

Die Anzeige des Dateimanagers Dolphin wurde von Entwickler Peter Penz komplett überarbeitet. Der Dateimanager ist nun in der Lage, die Größe von dargestellten Objekten dynamisch zu verändern. So werden zum Beispiel sehr lange Dateinamen nicht mehr abgeschnitten, sondern entsprechend kleiner dargestellt.

Darüber hinaus funktioniert die Gruppierung von Objekten in allen Ansichtsmodi, nicht nur wie bisher in der Symbolansicht. Bei markierten Dateien werden das Symbol und der Name unabhängig voneinander umrandet und die Umrandung ist nicht mehr zwingend rechteckig.

Verschönert wird Dolphin durch Animationen, so wird etwa die Lücke nach dem Löschen von Dateien sichtbar wieder "aufgefüllt". Das Verändern der Fenstergeometrie sorgt ebenfalls für Animationen, etwa wenn die Dateien in drei statt vier Spalten angezeigt werden, weil die Fensterbreite verringert wird.

Satellitenjagd mit Marble

Das von der europäischen Raumfahrtagentur Esa initiierte Programm Summer of Code in Space bereichert den virtuellen Globus Marble um ein Satellitenmodul. Damit können Nutzer eine riesige Anzahl menschengemachter Objekte im Erdorbit verfolgen, etwa GPS-, Wetter- und Geoinformationssatelliten, aber auch die Forschungsstationen ISS und Tiangon1. Unser Versuch, sämtliche verfügbaren Satelliten auf einmal anzuzeigen, scheiterte jedoch, die Anwendung war der Datenfülle nicht gewachsen und stürzte ab.

Neben der genauen Position erhalten Nutzer über ein Kontextmenü weitere Informationen, wie die Norad-ID(öffnet im neuen Fenster) des Objekts oder die Entfernung zur Erdoberfläche. Falls ein Wikipedia-Eintrag zu einem Satelliten existiert, ist dieser ebenfalls über das Kontextmenü aufrufbar.

Kleinigkeiten, Extragear, Fazit

Entwickler Craig Drummond hat die alternative Fensterleiste Icon Tasks(öffnet im neuen Fenster) beigetragen. Viele der Änderungen Drummonds wurden in die Bibliothek Libtaskmanager eingepflegt und stehen somit in der Standardfensterleiste zur Verfügung. Außerdem wurde Icon Tasks in das Plasma-Addon-Repository aufgenommen.

Der systemübergreifende Passwortspeicher KSecretservice stellt gespeicherte Passwörter in KDE SC 4.8 auch Nicht-KDE-Programmen zur Verfügung. Dafür wird eine Freedesktop.org-Spezifikation(öffnet im neuen Fenster) umgesetzt, die für eine bessere Integration "fremder" Anwendungen sorgen soll. Sowohl die Spezifikation als auch der neue KDE-Service befinden sich jedoch noch in der Entstehung.

Extragear

Ebenfalls eine Freedesktop.org-Spezifikation implementiert der Instant-Messaging-Client KDE Telepathy. Mit der Veröffentlichung von Telepathy 0.3 wurde die Anwendung in KDE Extragear(öffnet im neuen Fenster) aufgenommen, wo das Projekt Anwendungen aus dem KDE-Umfeld sammelt, die kein Teil von KDE SC sind. Mit der Aufnahme in Extragear gilt KDE Telepathy als stabil genug, um regelmäßig eingesetzt und getestet zu werden. Bisher befand sich KDE Telepathy in dem "KDE-Entwicklungsbereich" Playground, der unfertiger Software vorbehalten ist.

Ebenfalls Teil von Extragear ist der Mediaplayer Amarok, der in Version 2.5 den Amazon-MP3-Store über ein Plugin integriert. Beim Kauf von Musikstücken leitet Amazon einen Teil der Einnahmen an das Projekt weiter. Außerdem haben die Entwickler die Windows-Version des Players nun als stabil deklariert.

Fazit

Längst überfällig war die Überarbeitung der Energieverwaltung. Die neue Oberfläche ist leicht verständlich und somit einfacher zu nutzen. Die neue Anzeige von Dolphin kommt Anwendern ebenso zugute, da sie spürbar schneller ist.

Mit der Integration vom QML in die Softwaresammlung geht das KDE-Projekt einen richtigen Weg, auch wenn das Portieren der unzähligen Anwendungen wohl noch einige Zeit benötigen wird. Noch sind die mit QML einhergehenden Veränderungen für Nutzer kaum spürbar. Dennoch lässt sich bereits aus der laufenden Entwicklung erkennen, dass die Oberflächen konsistenter werden.

So arbeitet Martin Gräßlin an der QML-Portierung des Kickoff-Menüs(öffnet im neuen Fenster) , wodurch etwa ein Transparenzeffekt ermöglicht wird und Marco Martin nutzt die Gelegenheit(öffnet im neuen Fenster) , die Menüs für die Aktivität und Plasmoids optisch zu vereinheitlichen. Für die Entwickler hat die Portierung zusätzlichen Nutzen, denn sie erhalten so weniger Quellcode, wodurch er einfacher zu pflegen und zu schreiben ist.

Der Quellcode von KDE SC 4.8 steht auf den Servern des Projekts(öffnet im neuen Fenster) zum Download bereit. Binärpakete verschiedener Distributionen sollten demnächst folgen.


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