Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Zeitsprung: ITU will Sekundenentscheidung treffen

Auf der Weltfunkkonferenz will die Internationale Fernmeldeunion (ITU) über die Abschaffung der Schaltsekunde entscheiden. Statt immer wieder eine Sekunde einzufügen, könnte in einigen Jahrhunderten eine ganze Stunde ausgeglichen werden.
/ Werner Pluta
39 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Uhr im Straßburger Münster: längere Tage (Bild: Patrick Hertzog/AFP/Getty Images)
Uhr im Straßburger Münster: längere Tage Bild: Patrick Hertzog/AFP/Getty Images

Eine Sekunde ist eine lange Zeit: Ein Formel-1-Rennfahrer, der pro Runde eine Sekunde auf den Spitzenreiter verliert, kann je nach Streckenlänge mit einer Überrundung rechnen. Der derzeit schnellste Supercomputer , Fujitsus K-Computer , führt in dieser Zeit 10,5 Billiarden Gleitkommaberechnungen (10,5 Petaflops) durch. Der herkömmliche Computer daheim mit einem aktuellen Vierkernprozessor schafft bis zu 100 Milliarden dieser Operationen. Was aber, wenn plötzlich eine Sekunde fehlt?

Atomuhr und Erdrotation

Das ist nicht so ungewöhnlich: Zeitmessung, die seit 1967 mit Atomuhren durchgeführt wird, und Erdrotation sind nämlich nicht ganz synchron. Die Erde dreht sich nicht gleichmäßig, die Gezeiten verlangsamen zudem die Erdrotation kontinuierlich – ein Tag ist heute also länger als einer zu Zeiten Napoleons oder des Römischen Reiches.

Um die astronomische Zeit und die gemessene, koordinierte Weltzeit (Coordinated Universal Time, UTC) genannt, wieder in Einklang zu bringen, wird die UTC alle paar Jahre für eine Sekunde angehalten – meist in der Silvesternacht oder in der vom 30. Juni auf den 1. Juli. Mitte dieses Jahres soll wieder eine solche Schaltsekunde eingelegt werden. Seit das Bureau International des Poids et Mesures(öffnet im neuen Fenster) (BIPM), die für Standardisierung von Maßen zuständige Organisation(öffnet im neuen Fenster) , die Schaltsekunde 1972 einführte, blieben die Atomuhren 24-mal stehen – zuletzt am 1. Januar 2009.

Computerprobleme

Diese Methode ist nicht besonders elegant. Vor allem die Unregelmäßigkeit, mit der das BIPM diese verteilt, bereitet Probleme, etwa bei der Synchronisation von Computern – und damit bei vernetzen Anwendungen von Finanztransaktionen über Mobilfunkanwendungen bis zur Flugsicherung.

Einige Länder fordern deshalb ein Ende der Zeitsprünge. Abschaffen wollen diese beispielsweise die USA und Frankreich. Andere Länder, darunter Großbritannien, Kanada und China, hingegen wollen daran festhalten. Zuständig dafür ist die Internationale Fernmeldeunion(öffnet im neuen Fenster) (International Telecommunication Union, ITU). Bisher gab es aber noch keine Mehrheit für die eine oder andere Lösung.

Schaltstunde in etwa 600 Jahren

Auf ihrem Treffen, der Weltfunkkonferenz (World Radiocommunication Conference, WRC), das in der kommenden Woche im schweizerischen Genf stattfindet(öffnet im neuen Fenster) , soll eine Entscheidung gefällt werden, was mit der Schaltsekunde passiert(öffnet im neuen Fenster) – und vor allem, welche Alternativen es gibt. Eine wäre, genug Schaltsekunden zu sammeln, bis eine Schaltstunde ausgelaufen ist, und diese dann mit der astronomischen Zeit zu synchronisieren. Das wäre in etwa 600 Jahren der Fall.

Falls sich die 193 Mitgliedstaaten der ITU auf eine Abschaffung einigen, könnte der Schaltsekunde in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts das letzte Stündlein geschlagen haben.


Relevante Themen