Cedar-Trail-CPUs: Neue Atoms für HD-Netbooks ab 3,5 Watt TDP

Die bisher unter dem Codenamen Cedar Trail bekannten Atom-CPUs mit von 45 auf 32 Nanometer geschrumpfter Strukturbreite hat Intel nun offiziell vorgestellt. Es gibt anders als bisher unter den Netbook-CPUs von Intel nur noch zwei Modelle, beide verfügen über zwei Kerne und können per Hyperthreading vier Threads parallel verarbeiten. Der Atom N2600 arbeitet mit 1,6 GHz, der N2800 mit 1,86 GHz.










Beiden gemein ist eine neue Grafikeinheit, beim N2600 heißt sie GMA 3600 und arbeitet mit 400 MHz, die GMA 3650 im N2800 kommt auf 650 MHz. Dieser höhere Takt sorgt beim schnelleren Atom auch für mehr Leistungsaufnahme: 6,5 Watt TDP beträgt sie beim N2800, beim N2600 sind es nur 3,5 Watt. Durch verbesserte Stromsparmechanismen – unter anderem beherrschen die Cedar Trails nun den Schlafzustand C6 – soll aber die Leistungsaufnahme der gesamten Plattform deutlich gesunken sein.
Nur 1,9 Watt für CPU, Grafik und Chipsatz
So gibt Intel für die Kombination aus dem N2600 und dem Chipsatz NM10 als "Kit Average Power" nur 1,9 Watt an, mit dem N2800 sind es 2,62 Watt. Der Chiphersteller geht davon aus, dass sich damit auch günstige Netbooks mit Laufzeiten von rund 10 Stunden bauen lassen. Wie immer bei mobilen Geräten, hängt die tatsächlich erreichbare Zeit sehr von der Anwendung ab, Intel macht jedoch noch keine konkreten Angaben etwa bei der Wiedergabe von Videos.
Das ist schade, sollen doch die neuen Grafikkerne erstmals bei den Atoms auch Full-HD-Videos decodieren können. Bisher waren dazu auch von Intel selbst Zusatzchips wie solche von Broadcom empfohlen worden, die in einigen Netbooks auch verbaut wurden. Neben den HD-Codecs von Youtube und Netflix sollen die neuen Atoms auch Blu-ray-Discs wiedergeben können.
Durch die erweiterten Videofähigkeiten ist nun auch ein HDMI-Port vorgesehen, er kann aber auch durch einen Displayport ersetzt werden. LVDS für Notebookdisplays und VGA gibt es weiterhin. Wie bisher beherrscht der Grafikkern aber nur DirectX-9. Benchmarks legte Intel noch nicht vor, spricht aber von rund doppelter Grafikleistung gegenüber den bisherigen Pine-Trail-Atoms wie dem N450, der in vielen Netbooks zum Einsatz kam.
Netbooks für Schwellenländer ab 199 US-Dollar
Etwas schneller ist auch der Speicher geworden, beim N2600 kann er nach DDR3-800 ausgeführt sein, der N2800 unterstützt auch DDR3-1066. DDR2-Speicher, bei den Single-Core-Atoms bisher noch möglich, ist nun abgeschafft – die entsprechenden Speichermodule sind inzwischen auch rund doppelt so teuer wie DDR3-SO-DIMMs. Weiterhin gibt es aber nur einen Speicherkanal.
Unverändert bleibt auch der Chipsatz NM10, der nur aus einem Baustein besteht. Er bietet zwei SATA-Ports und für Erweiterungen wie USB-3.0-Hostcontroller vier PCI-Express-Lanes. Für USB 2.0 sind zwar acht Ports möglich, bisher nutzten Netbookhersteller davon aber höchstens drei, was vor allem dem Layout der Mainboards und den kompakten Gehäusen geschuldet ist.
Netbooks in den USA und Westeuropa rückläufig
Dass Netbooks, wohl vor allem durch den Tablet-Boom , in westlichen Industrieländern keine Renner mehr sind, erkennt nun auch Intel an. Interne Schätzungen des Chipherstellers gehen davon aus, dass für Netbooks 2012 in Osteuropa, Südamerika, Afrika und der asiatisch-pazifischen Region Wachstum zu erwarten ist. Dort sollen die Geräte vor allem zum Einstieg und als Bildungsnetbooks zum Einsatz kommen.










Intel sieht dafür Preise ab 199 US-Dollar für die einfachsten Netbooks vor. Dazu trägt auch die Preispolitik für die CPUs selbst bei: Nur noch 42 US-Dollar kostet der N2600, der N2800 ist mit 47 US-Dollar kaum teurer. Damit hat Intel die Preise glatt halbiert, der günstigste Netbook-Atom mit zwei Kernen N550 kostet laut der Preisliste vom 11. Dezember 2011 ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ) 86 US-Dollar. Alle Preise beziehen sich auf 1.000er Stückzahlen für PC-Hersteller und Wiederverkäufer.
Dennoch sollen Netbooks nicht nur als Billiggeräte vermarktet werden. Mit kleinen SSDs und besonders flachen Designs sollen sie um 299 US-Dollar auch anspruchsvollere Anwender ansprechen, ab 399 US-Dollar erwartet Intel zunehmend auch Geräte mit Touchscreens. Diese dürften aber erst mit Windows 8 und seiner neuen Touch-Oberfläche attraktiv werden.
Für solche Nobel-Netbooks gibt es auch einige der Funktionen der teuren Ultrabooks: Wireless Display 2.0 beherrscht die Cedar-Trail-Plattform jetzt, und ebenso das sekundenschnelle Aufwachen aus dem Ruhezustand, das Intel Rapid Start getauft hat.
Von einem vielfach kolportierten Rückzug namhafter Hersteller aus dem Netbookmarkt will Intel auch nichts bemerkt haben. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten Acer, Asus, HP, Lenovo, Samsung und Toshiba an Geräten auf Basis der neuen Atoms. Schon auf der CES in zwei Wochen dürften die ersten neuen Netbooks zu sehen sein.



