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Handys 2011: Android-Dominanz, WebOS-Geräte-Aus und iPhone-Beständigkeit

Das aktuelle Jahr gehört zu den turbulentesten Jahren im Handymarkt: Nokia hat sich für eine neue Smartphone -Plattform entschieden, HP hat sich von WebOS -Geräten abgewandt und die langjährige Marktführerschaft der Smartphone-Plattform Symbian ist endgültig vorbei. Nun ist Android die dominante Plattform.
/ Ingo Pakalski
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Android ist die dominierende Smartphoneplattform. (Bild: Josep Lago/AFP/Getty Images)
Android ist die dominierende Smartphoneplattform. Bild: Josep Lago/AFP/Getty Images

Das Jahr 2011 gehört zu den turbulentesten im Handymarkt seit langem. Nokia hat seine bisherige Smartphone-Plattform Symbian gegen Windows Phone 7 von Microsoft ausgetauscht, HP hat die WebOS-Gerätesparte aufgegeben, noch bevor ein neues Top-Smartphone mit WebOS auf den Markt kam und es gibt einen neuen Marktführer bei den Smartphonebetriebssystemen. Googles Android wird wohl auch auf lange Sicht den Smartphonemarkt dominieren, wie es zuvor jahrelang Symbian getan hatte. Ebenfalls für eine Überraschung sorgte der Aufkauf von Motorola durch Google.

Android dominiert den Smarpthonemarkt

Bereits Ende 2010 hatte sich abgezeichnet, dass die langjährige Dominanz von Symbian bei den Smartphoneplattformen vorbei ist . Im vierten Quartal 2010 erlangte Symbian nach langer Marktführerschaft nur noch den zweiten Platz und Android ist seitdem der Marktführer bei den Smartphonebetriebssystemen. Bis zum dritten Quartal 2011 erreichte Android einen Marktanteil von 52,5 Prozent und konnte damit erstmals die 50-Prozent-Marke nehmen. In den Quartalen zuvor stieg Androids Marktanteil kontinuierlich.

Smartphone-Plattformen im ersten Quartal 2011
Smartphone-Plattform Verkaufte Smartphones Marktanteil
1. Android 36,3 Millionen 36 Prozent
2. Symbian 27,6 Millionen 27,4 Prozent
3. iOS 16,9 Millionen 16,8 Prozent
4. Blackberry 13 Millionen 12,9 Prozent
5. Windows Mobile 2,1 Millionen 2 Prozent
6. Windows Phone 7 1,6 Millionen 1,6 Prozent

Stetig weiter bergab geht es hingegen mit dem Marktanteil der Symbian-Plattform, die am Jahresbeginn noch bei 27,4 Prozent lag und zuletzt nur noch auf 16,9 Prozent kam. Damit reichte es noch ganz knapp für den zweiten Platz. Aber voraussichtlich Ende des Jahres wird es damit vorbei sein und Symbian wird sich mit dem dritten Platz begnügen müssen. Marktzahlen für das vierte Quartal 2011 liegen noch nicht vor.

Apples stabiler iOS-Marktanteil

Apples iOS-Plattform wird voraussichtlich Ende des Jahres Symbian vom zweiten Platz verdrängen. Der Marktanteil von iOS blieb über das gesamte Jahr halbwegs konstant und liegt bei 15 bis 18 Prozent. Im vierten Quartal 2011 kam das iPhone 4S auf den Markt, das sich sehr gut verkauft hat und damit wohl für einen steigenden iOS-Marktanteil sorgen wird.

Smartphone-Plattformen im zweiten Quartal 2011
Smartphone-Plattform Verkaufte Smartphones Marktanteil
1. Android 46,8 Millionen 43,4 Prozent
2. Symbian 23,9 Millionen 22,1 Prozent
3. iOS 19,6 Millionen 18,2 Prozent
4. Blackberry OS 12,7 Millionen 11,7 Prozent
5. Bada 2,1 Millionen 1,9 Prozent
6. Microsoft-Plattform 1,7 Millionen 1,6 Prozent

Weniger rasant als bei Symbian verringert sich auch der Marktanteil der Blackberry-Smartphones. Research In Motion (RIM) hat es auch im Jahr 2011 nicht geschafft, den Abwärtstrend zu stoppen. Auch wenn RIM in den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 stabile Verkaufszahlen vorweisen konnte, gingen die Marktanteile zurück, weil die insgesamt verkauften Smartphones zulegten.

Windows Phone 7 stieß nur auf wenig Interesse

Noch düsterer sieht es für Microsofts Smartphoneplattform Windows Phone 7 aus. Die letzten Marktzahlen sahen für Microsoft nur noch einen Marktanteil von 1,5 Prozent. Damit konnte Windows Phone 7 bisher nicht einmal die Marktanteile von Windows Mobile aus dem Jahr 2010 wiedererlangen. Microsoft hofft nun auf Nokia, das mit dem Lumia 800 sein erstes Windows-Phone-7.5-Smartphone vorgestellt hatte.

Smartphone-Plattformen im dritten Quartal 2011
Smartphone-Plattform Verkaufte Smartphones Marktanteil
1. Android 60,5 Millionen 52,5 Prozent
2. Symbian 19,5 Millionen 16,9 Prozent
3. iOS 17,3 Millionen 15 Prozent
4. Blackberry OS 12,7 Millionen 11 Prozent
5. Bada 2,5 Millionen 2,2 Prozent
6. Microsoft-Plattform 1,7 Millionen 1,5 Prozent

Seit dem zweiten Quartal 2011 interessierten sich sogar mehr Käufer für Smartphones mit Samsungs Bada-Plattform als für Geräte auf Basis von Windows Phone 7. Badas Marktanteil steigerte sich bis zum dritten Quartal 2011 sogar von 1,9 Prozent auf 2,2 Prozent.

Ungewisse Zukunft von WebOS

Dem von Palm entwickelten Smartphone- und Tablet-Betriebssystem WebOS wurde im vergangenen Jahr die Grundlage entzogen. Anfang des Jahres sah es noch so aus, als ob es HP mit WebOS ernst meint und es auch ernsthaft mit der Konkurrenz von Apple, Samsung und Co. aufnehmen will. Im Februar 2011 wurden kurz vor dem Mobile World Congress in Barcelona das WebOS-Tablet Touchpad sowie die beiden WebOS-Smartphones Veer und Pre3 vorgestellt.

Das überraschende Aus für WebOS-Geräte

Anfang Juli 2011 kam das Veer beim Netzbetreiber O2 auf den deutschen Markt, war aber von Beginn an vom Preis her nicht konkurrenzfähig. Das Veer ist eigentlich als Einstieg in die WebOS-Smartphone-Welt gedacht, war aber mit einem Preis von 380 Euro deutlich zu teuer. Eine Woche vor dem Aus der Web-OS-Geräte wurde der Veer-Preis auf 180 Euro gesenkt und damit verkaufte sich das WebOS-Smartphone vergleichsweise gut .

HP Touchpad - Test
HP Touchpad - Test (03:41)

Aber bereits wenige Tage nach der Veer-Preissenkung hatte HP überraschend das Aus für alle WebOS-Geräte beschlossen , noch bevor das Pre3 auf den Markt gekommen ist. Dabei war vor allem das Pre3 das Gerät, auf das viele Besitzer eines WebOS-Smartphones gewartet hatten und wofür Händler entsprechend viele Vorbestellungen verzeichnet hatten. HP hatte wohl erwartet, dass sich die WebOS-Geräte quasi von alleine verkaufen würden, denn es gab keine nennenswerten Marketingaktivitäten für das Touchpad und das Veer.

WebOS soll als Open Source weiterleben

Nach der Einstellung der WebOS-Geräte wurde der HP-Chef Léo Apotheker nach weniger als einem Jahr rausgeschmissen und durch die frühere eBay-Chefin Meg Whitman ersetzt. Für WebOS bedeutete das banges Warten, wie es mit dem mobilen Betriebssystem weitergeht. Erst vier Monate später verkündete HP dann, dass WebOS als Open Source freigegeben wird, wobei sich HP federführend um die weitere Entwicklung kümmern will.

Android 2.3.7 auf dem HP Touchpad
Android 2.3.7 auf dem HP Touchpad (03:29)

Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis es WebOS als Open Source gibt, weil dazu noch Anpassungen seitens HP erforderlich sind. Neue WebOS-Smartphones wird es von HP wohl nicht geben , einen Touchpad-Nachfolger kann sich die HP-Chefin hingegen vorstellen. Im September 2011 entließ HP über 500 Mitarbeiter aus der WebOS-Abteilung , die vor allem für das Marketing und die Geräteentwicklung zuständig waren.

HP Veer - Demo auf dem Mobile World Congress 2011
HP Veer - Demo auf dem Mobile World Congress 2011 (02:24)

Derzeit ist schwer abzuschätzen, ob WebOS als Open Source weiter bestehen kann. Es ist einerseits denkbar, dass sich WebOS sogar zu einer Konkurrenz für Googles Android entwickelt. Ein möglicher Hersteller von WebOS-Smartphones könnte Samsung sein, der bisher immer alle am Markt verfügbaren Smartphone-Betriebssysteme unterstützte. Falls es aber keine neuen WebOS-Geräte gibt, wird die Plattform nicht mehr lange bestehen. Whitman geht davon aus, dass WebOS vier bis fünf Jahre brauchen wird, bis es sich am Markt beweisen kann. Für ein mobiles Betriebssystem ist das eine sehr lange Zeitspanne, aber das kann alles nur funktionieren, wenn es vorher schon neue WebOS-Geräte gibt.

Schafft Windows Phone mit Nokia den Umschwung?

In eine ungewisse Zukunft blickt derzeit auch Nokia, das in diesem Jahr auf Microsofts Windows-Phone-7-Plattform gewechselt ist. Ein durchaus riskantes Unterfangen, weil sich die Kunden bisher wenig für Smartphones mit Microsofts aktuellem Smartphone-Betriebssystem begeistern können.

Nokia Lumia 800 - Test
Nokia Lumia 800 - Test (03:51)

Windows Phone 7 ist Nokias neue Hauptplattform für Smartphones . Zwar wird es weiterhin Symbian-Smartphones geben, aber diese werden in Nokias Geschäft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das Lumia 800 war Nokias erstes Smartphone mit Windows Phone 7.5 und kam Ende des Jahres auf den Markt. Bisher ist nicht bekannt, wie sich das Gerät verkauft hat, denn Nokia hat bisher keine Verkaufszahlen bekanntgegeben.

Wenn das Lumia 800 den Erfolg gebracht hat, den sich Nokia davon erhofft, dann müsste der Marktanteil der Windows-Phone-7-Plattform im vierten Quartal 2011 deutlich zulegen. Entsprechende Zahlen der Marktforscher liegen allerdings noch nicht vor. Nach dem turbulenten Jahr ist schwer abzuschätzen, wie Nokia reagiert, falls sich das Lumia 800 nicht so gut verkauft, wie Nokia es sich erhofft.

Was wird aus Meego?

Mit Meego gibt es eine weitere Smartphoneplattform, deren Zukunft ungewiss ist. Nokia hatte sich bewusst dazu entschlossen, das erste Meego-Smartphone nicht in Deutschland anzubieten . Obwohl das N9 eine komplett andere Bedienung als das Lumia 800 aufweist, befürchtete Nokia, dass ein N9-Marktstart die Einführung des Lumia 800 unnötig stören würde. Nokia wollte lieber, dass Kunden das Lumia 800 kaufen. Das Lumia 800 verwendet quasi das gleiche Gehäuse wie das N9.

Nokia N9 - Test
Nokia N9 - Test (04:25)

Bisher gibt es von Nokia keine Erklärung dazu, wie es mit Meego weitergeht. Wird es nach dem N9 noch ein weiteres Meego-Smartphone von Nokia geben? Auf diese Frage gibt Nokia nur ausweichende Antworten. Falls Nokia weiter an Meego-Geräten arbeitet, werden diese im Nokia-Universum aber in jedem Fall eine untergeordnete Rolle spielen. Das ist die einzige Gewissheit, die Kunden derzeit bezüglich der Frage Nokia und Meego haben und das dürfte Käufer nicht gerade dazu bewegen, sich für ein Meego-Gerät zu entscheiden.

Wie geht es mit Google und Motorola weiter?

Neben HPs Einstellung der WebOS-Gerätesparte sorgte auch Google Mitte August 2011 für eine Überraschung, als die Übernahme von Motorolas Handysparte bekanntgegeben wurde. Die Übernahme wird wohl erst Anfang 2012 abgeschlossen werden können. Google hat Motorola Mobility wegen der 17.000 Patente und 7.500 Patentanträge übernommen und zahlt dafür 12,5 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus will Google mit der Motorola-Übernahme in der Lage sein, neben Android auch passende Hardware aus einem Hause anbieten zu können.

Mit der Motorola-Übernahme rückt Google stärker in direkte Konkurrenz zu anderen Android-Lizenznehmern wie Samsung, LG, HTC, Huawei, Asus, Acer, Lenovo, Viewsonic oder Sony/Sony Ericsson. Zunächst haben sich die wichtigsten Android-Lizenznehmer positiv zur Motorola-Übernahme geäußert. Bisher hat Google auch versprochen, dass Motorola bezüglich der Entwicklung von Android-Geräten keine Vorzugsbehandlung erhält, sondern wie jeder andere Android-Lizenznehmer behandelt werde. Im kommenden Jahr wird sich zeigen, ob Google dabei bleibt.

Apple und Samsung ringen um Marktführerschaft

Nachdem Nokia in diesem Jahr seine Marktführerschaft im Smartphonesektor nach vielen Jahren der Dominanz eingebüßt hatte, kämpfen nun Apple und Samsung um die Marktführerschaft. Im zweiten Quartal 2011 konnte Apple die Marktführerschaft auf dem weltweiten Smartphonemarkt für sich beanspruchen, im dritten Quartal 2011 ging die Marktführerschaft an Samsung. Voraussichtlich wird der Zweikampf zwischen Apple und Samsung auch im kommenden Jahr weitergehen.

Smartphonemarkt im ersten Quartal 2011
Hersteller Verkaufte Smartphones Marktanteil
1. Nokia 24,2 Millionen 24,3 Prozent
2. Apple 18,7 Millionen 18,7 Prozent
3. RIM 13,9 Millionen 14 Prozent
4. Samsung 10,8 Millionen 10,8 Prozent
5. HTC 8,9 Millionen 8,9 Prozent

Falls sich Nokias Windows-Phone-Smartphones gut verkaufen, ist ein Aufstieg der Finnen möglich und sie könnten in direkte Konkurrenz zu Apple und Samsung treten. Falls der Erfolg ausbleibt, wird sich Nokia wohl weiterhin mit dem dritten Platz begnügen. Möglicherweise genügt Nokias Marktanteil aber nicht einmal dafür.

Ausblick in das Jahr 2012

Denn HTC konnte im vergangenen Jahr kontinuierlich zulegen und seinen Marktanteil Stück für Stück vergrößern. Allerdings fehlten bisher die nötigen Verkaufszahlen, um Nokia tatsächlich gefährlich werden zu können. Immerhin dürfte HTC auch im kommenden Jahr mindestens der vierte Platz sicher sein. Denn Research In Motion (RIM) wird es kaum schaffen, dem sinkenden Marktanteil im kommenden Jahr entgegenzuwirken. Denn frühestens Ende 2012 wird RIM Smartphones mit der neuen Betriebssystemversion Blackberry OS 10 auf den Markt bringen können - eine lange Wartezeit.

Smartphonemarkt im zweiten Quartal 2011
Hersteller Verkaufte Smartphones Marktanteil
1. Apple 20,3 Millionen 19,1 Prozent
2. Samsung 17,3 Millionen 16,2 Prozent
3. Nokia 16,7 Millionen 15,7 Prozent
4. RIM 12,4 Millionen 11,6 Prozent
5. HTC 11,7 Millionen 11 Prozent

Noch mehr Umbrüche im kommenden Jahr?

In Anbetracht der vielen unvorhersehbaren Geschehnisse im laufenden Jahr erscheint ein fundierter Ausblick verwegen. Es gibt wenige Gewissheiten, dafür aber viele Ungewissheiten. Die Marktführerschaft von Android bei den Smartphoneplattformen wird vorerst nicht in Gefahr sein. Der Kampf um Marktanteile zwischen Apple und Samsung wird auch im kommenden Jahr weitergehen.

Smartphonemarkt im dritten Quartal 2011
Hersteller Verkaufte Smartphones Marktanteil
1. Samsung 23,6 Millionen 20 Prozent
2. Apple 17,1 Millionen 14,5 Prozent
3. Nokia 16,8 Millionen 14,2 Prozent
4. HTC 12,7 Millionen 10,8 Prozent
5. RIM 11,8 Millionen 10 Prozent

Aber wie entwickelt sich Motorola nach der Übernahme durch Google? Müssen Besitzer von Motorola-Geräten bald nicht mehr so lange auf Android-Updates warten? Könnte dadurch der Druck auf andere Hersteller erhöht werden, so dass nicht immer Monate vergehen, bis eine aktuelle Android-Version halbwegs verbreitet ist?

Wird WebOS als Open Source tatsächlich weiterbestehen können? Es hängt alles davon ab, wie schnell HP das von Palm entwickelte Betriebssystem als Open Source veröffentlicht. In dem letzten halben Jahr hat es bei WebOS keine Weiterentwicklung gegeben. Das muss von HP gestoppt werden, damit die Plattform doch noch eine Zukunft hat. Die Chancen sind da und HP muss nun alles daran setzen, diese zu nutzen.

Im nächsten Jahr wird sich entscheiden, ob Nokia mit dem Wechsel auf Microsofts Windows-Phone-Plattform wieder an alte Erfolge anknüpfen kann. Auf dem US-Markt hatte Nokia in den vergangenen Jahren nicht viel zu melden und will das vor allem mit der neuen Plattform im kommenden Jahr ändern. Ein Opfer der Microsoft-Nokia-Allianz scheint Meego als Smartphoneplattform zu sein. Vorerst ist vollkommen offen, ob es mehr als ein Meego-Smartphone geben wird.


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